Logo Integrale PerspektivenMit einem Vorwort von Susanne Cook-Greuter

Michael Habecker und Sonja Student

Vorwort

Liebe Leserin, lieber Leser,

dieses Werk von Michael Habecker und Sonja Student ist ein kleines Juwel, das sich mit der Integralen Theorie Ken Wilbers beschäftigt und Ihnen in brillanter Weise deren Vielfalt nahebringt.

Unabhängig davon, ob Sie schon mit dem Werk des Philosophen Ken Wilber vertraut oder ein Neuling in Sachen Integraler Theorie und Inte­graler Methodologischer Pluralismus (IMP) sind, ist „Wissen, Weisheit, Wirklichkeit" sicher die am besten gelungene und die zugänglichste Zusammenfassung.

Ich erlebte das Buch wie Goldlöckchen in dem Märchen „Goldlöckchen und die drei Bären", als sie das „richtige" Bett für sich fand: ,,This one is just right!" Diese Einführung in eine komplexe Theorie ist „gerade recht". Nicht zu lang und doch verständlich; nicht zu detailliert und doch ausführlich genug, um zu einem tieferen Verständnis zu führen. Sie ist schön und klar geschrieben und mit stimmigen und lebens­nahen Beispielen illustriert.

Was mich am meisten berührt hat, ist jedoch die besondere Qualität, die Habecker und Student ihrem Thema gegenüber zeigen. Sie laden uns ein zu immer größerer und tieferer Liebe zu allem, was menschlich ist. Somit ist hier Wilbers Theorie nicht nur spannend und wissenschaftlich seriös bearbeitet, sondern sie wird auch mit Herz und Seele betrachtet.

In dem Buch geht es um die wichtige Unterscheidung zwischen „Auf­klärung und Erleuchtung", die wir im Englischen nicht so klar vor­nehmen. Im Englischen benutzen wir für beide Begriffe das gleiche Wort „enlightenment". Zur Unterscheidung nennt man die historische Periode „the age of enlightenment" und das spirituelle Erwachen eben nur „enlightenment". Der erste Ausdruck ist ein Meilenstein für das Erwachen des Evolutionsbewusstseins im Zeitgeist der Moderne, der zweite steht für die Entdeckung dessen, was ist, immer schon war und sein wird und sich im Lebensverlauf durch das Studium des Bewusstseins offenbart.

Habecker und Student plädieren für ein Bewusstsein, das fortwährend den Fluss des Lebens und des Menschseins erforscht und das alle Erkenntnisse über die menschliche Erfahrung überprüft und integriert. Hier wird die zentrale Frage, was es heißt, ein Mensch zu sein, als ein Eigenwesen oder ein „Ich", als ein Gemeinschaftsmitglied oder ein „Wir" und als ein beschreibbares Objekt, also als ein „Es", von allen Seiten betrachtet und beleuchtet.

Die Autoren beschreiben die bisher bekannten Stränge der Erkenntnis­ und Geisteswissenschaft, die sich damit beschäftigen, was es denn heißt, ein Mensch zu sein. Sie tun dies unter drei fundamentalen Blick­ winkeln, die nach dem integralen Ansatz unweigerlich miteinander ver­knüpft sind: Innenwelt, Beziehungswelt und Außenwelt.

Das ganze Werk ist eine „passionierte" Aufforderung zur Versöhnung und Integration von einander vormals widerstrebenden Ansätzen bei der Beantwortung von Fragen, die für uns Menschenwesen von entscheidender Bedeutung sind: Wer sind wir, woher kommen wir und wo gehen wir hin? So wie es schon Gauguin gefragt und in seinem monu­mentalen Bild über die Lebensspanne der Menschen dargestellt hat.

Zugleich ist das Buch ein Lob der Differenzierung sowohl der Ent­wicklungsstufen als auch der Vielfalt menschlichen Ausdrucks in vie­len anderen Bereichen der Erfahrung. Es deckt die mehr universellen Aspekte (verschiedene Linien) ab, die sich entwickeln, und auch die­jenigen, die eher einmalig sind und die wir gerne benutzen, um uns voneinander zu unterscheiden (Typen, Temperament, Talente).

Als Integraler Methodologischer Pluralismus beschreibt und untersucht die Integrale Theorie alle Richtungen der Erkenntniswissenschaften, die durch die Geschichte hindurch zum Verständnis des Menschseins beigetragen haben. Damit schafft sie Raum für die Wertschätzung der Beiträge aller Untersuchungsmethoden, scheut aber nicht davor zurück, gleichzeitig auch die unvermeidliche Teilperspektive, Kurzsichtigkeit und Grenze jeder einzelnen Methode aufzuzeigen.

Kurzum, Habecker und Student bieten uns hier eine ausgewogene und höchst lesbare Zusammenfassung und Erläuterung von Wilbers Ideen an. Es ist ihnen gelungen, diese so darzulegen und mit nachvollzieh­baren Beispielen aus ihrem eigenen Erfahrungsschatz und unserem Alltag lebendig werden zu lassen, dass man ihren Ausführungen mit Freude folgt. Die Autoren tragen damit wesentlich zur Verbreitung des integralen Gedankengutes im deutschsprachigen Raum bei. Was das Buch von Habecker und Student aber besonders kostbar macht, ist der Ausdruck einer allumfassenden Liebe zum Menschsein, die durch das ganze Buch hell hindurchleuchtet.

Susanne Cook-Greuter

 

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