… für die persönliche Evolution Quadranten- und Spiral Dynamics-Aufstellungen live!

IF Tagung 2007 – Evolution – Lebenspraxis – Spiritualität

Rolf Lutterbeck

Die Methode der Systemischen Strukturaufstellungen wurde von Prof. Matthias Varga von Kibéd (Universität München) und seiner Frau Insa Sparrer auf der Basis von Familienskulpturarbeit (Virginia Satir), Organisationsaufstellungen (Gunthard Weber), Lösungsfokussierter Beratung (Steve de Shazer) und Hypnotherapie (Milton Erickson) entwickelt.

Weitere Einflüsse kommen u.a. aus Systemtheorie, Kommunikationstheorie, NLP und philosophischen Ansätzen (Wittgenstein, Spencer Brown). Die Methode des Aufstellens wurde dabei wissenschaftlich untersucht (im Sinne der 3 Stränge der Erkenntnis Ken Wilbers: Injunktion, Praxis und Verifikation) und es wurden grundlegende Systemprinzipien über Systemerhalt, -wachstum, -fortpflanzung, -immunisierung und -individuation entdeckt. Es entstand eine eigenständige Grammatik für die transverbale Sprache, Systemische Strukturaufstellungen), die bildliche Informationen, Körperempfindungen und verbale Sprache umfasst.

Integrale Organisations- und Strukturaufstellungen (IOSA) sind meine persönliche Weiterentwicklung der Systemischen Strukturaufstellungen, ergänzt um Elemente aus prozessorientiertem Coaching, Erfahrungen aus der Organisationsentwicklung und Nutzung der AQAL-Perspektiven aus der integralen Theorie von Ken Wilber.

Es gibt inzwischen Dutzende von Aufstellungsmodellen mit unterschiedlichen „Grammatiken“, wie z.B. die Problemaufstellung zur Lösung „allgemeiner Probleme“ (hier werden Ziel, Blockaden, Ressourcen, Gewinn des Problems und künftige Aufgabe gestellt), die Tetralemma-Aufstellung zur Lösung von Dilemmata, Entscheidungen oder Entwicklungsängsten (Abbildung von Differenzierung und Integration) und natürlich „klassische“ Familien-/Team-/Organisations-Strukturaufstellungen.

Aus der Verbindung mit dem integralen Ansatz sind insbesondere Quadranten- und Spiral Dynamics-Aufstellungen entstanden:

Durch verschiedene Interventionen, wie Umstellungen von Repräsentanten (oft geht es um mehr Blickkontakt) oder das Aussprechen von Sätzen, die sich die Repräsentanten untereinander sagen, verändert sich der Zustand des Systems (besser, schlechter oder anders). Verbessernde Sätze sind meist Wertschätzungen (z.B. „Du bist wichtig“), Klarstellungen („Du bist X und ich bin Y“) oder Verneigungen vor dem großen DU (z.B. „Du bist der Große und ich bin der Kleine“). Ziel der meisten Aufstellungen ist – neben der Erfüllung des Anliegens des Klienten – durch mehrere Interventionen einen Systemzustand zu erreichen, bei dem es allen Repräsentanten (Elementen) gut oder neutral geht (allparteiliche Lösung ohne Ausgrenzung/Verdrängung). Die Dauer einer Aufstellung liegt zwischen wenigen Minuten und einer Stunde, in Ausnahmen auch schon mal etwas länger. Aufstellungen sind damit extrem effektiv und effizient, was dazu führt, dass nicht nur die (für Gefühle) offene „grüne“ Welt, sondern auch die „orange“ Businesswelt immer häufiger diese Methode nutzen.

Anmerkung: Eine Aufstellung ist auch mit Symbolen statt Personen möglich (z.B. im Einzelcoaching). In Strukturaufstellungen werden sehr einfach gehaltene Symbole mit einer Blickrichtung verwendet. Hier muss sich der Klient selber in die einzelnen Symbole einfühlen oder man arbeitet etwas „oberflächlicher“ mit der Bildinformation (ohne die Tiefe der Zone #1 und #3).

Das Integrale an Aufstellungen

Die Methode ist sehr mächtig, da sie viele viele Elemente aus dem integralen Ansatz nutzt:

Eine kurze Einführung in Spiral-Dynamics-Aufstellungen (SDA)

Bevor ich auf die Live-Aufstellungen des Workshops zu sprechen komme, möchte ich etwas zur „Grammatik“ der SDA sagen (eine Beschreibung von Spiral Dynamics finden Sie bei den Literaturhinweisen). Die Elemente einer Spiral Dynamics-Aufstellung sind der Fokus (Repräsentant für den Klienten) und die acht Entwicklungsebenen Beige (archaisches Bewusstsein, Instinkte), Purpur (Ahnengeister, magisches Bewusstsein), Rot (Impulse, Egozentrik, Power, mythisches Bewusstsein), Blau (Regeln, Rollen, Ordnung, mythisch-rationales Bewusstsein), Orange (Vernunft, Leistung, rationales Bewusstsein), Grün (pluralistisches, multikulturelles Bewusstsein), Gelb (integrales Bewusstsein) und – wenn für den Klienten sinnvoll – Türkis (holonisch-spirituelles Bewusstsein). Will ich den Einfluss auf ein Thema beleuchten, kommen noch ein oder mehrere Elemente hinzu, die das Thema abbilden.

Beispiel: Ein Startbild einer Spiral Dynamics-Analyseaufstellung (ohne Türkis):könnte z.B. wie in Grafik 1 aussehen.

Grafik 1: Startbild Beispiel

In diesem Bild erscheint aus Sicht eines Struktur-Aufstellungsleiters einiges nicht ganz „in Ordnung“. Hier würde ich dem Klienten – wenn ich keine Personen als Repräsentanten habe – folgende Hypothesen anbieten:

Dies sind natürlich alles nur Vermutungen. Der Klient gibt seinem Bild die Bedeutung (aus seiner Weltsicht!) und entscheidet, welche Hypothese für ihn Sinn macht und welche (noch) nicht. Weitere, tiefgehendere und relevantere Informationen sind über die Wahrnehmung des Klienten, der sich in das Bild einfühlt, bzw. durch die repräsentierende Wahrnehmung von Repräsentanten möglich.

Durch Bewusstmachung und Klärung der noch nicht so guten Systemdynamiken (z.B. Prozess mit den Vorfahren, Stärkung durch mehr Nutzung von Rot und Blau) würde sich im Laufe der Aufstellung das Bild ändern. In diesem Beispiel könnte etwa Beige und Orange an die linke Seite des Fokus rücken. Dadurch wird Gelb (7) als nächste (attraktive?) Stufe sichtbar und rückt etwas näher, etc. Ein mögliches „Lösungsbild“ könnte schließlich wie in Grafik 2 abgebildet aussehen.

Grafik 2: Lösungsbild Beispiel

Spiral Dynamics- und Quadranten-Aufstellungen mit den Teilnehmern

Im Rahmen des Workshops am 25.11.2008 wurden insgesamt drei Aufstellungen (eine symbolische und zwei mit Repräsentanten) mit den Anwesenden durchgeführt.

Die erste Aufstellung war eine Spiral Dynamics-Aufstellung mit etwa40 cm hohen, bunten Papp-Symbolen (meine „Pappnasen“ J, eine Knickfalte deutet die Blickrichtung an), die von der Klientin im Raum aufgestellt wurden. Ein weißes Symbol repräsentierte die Klientin selbst (der sog. „Fokus“). Sehr auffällig war beim Startbild die „Ausgrenzung“ der blauen Ebene (Regel, Rollen, Ordnung): das Symbol wurde viele Meter entfernt in die Ecke gestellt. Die Ablehnung dieser Ebene war der Klientin bewusst und es gelang ihr im Laufe der Zeit, auch die gute Seite von Blau zu erkennen und damit diese Ebene besser und deutlich näher in ihrem Bild zu positionieren. Zur Überprüfung des Bilds stellte sich die Klientin direkt hinter das Fokus-Symbol, um so nachzuspüren, ob die einzelnen Elemente an der richtigen Stelle stehen oder in ihrer Position verändert werden können oder müssen. Nach vielen Änderungen ergab sich das Abschlussbild, das im Foto 1 zu sehen ist.

Foto 1: Lösungsbild der 1. Aufstellung

Alle 1st-tier-Ebenen stehen im Rücken vom Fokus. Je höher die Ebenen sind, desto näher sind sie dem Fokus (wir sehen in dem Bild eine Art „Zeitlinie“ von links/Vergangenheit nach rechts/Zukunft). Gelb steht noch etwas vor dem Fokus und rückt langsam an die rechte Seite. Die Aufmerksamkeit gilt Türkis. Aufgrund des Bilds scheint die Klientin sich zwischen grün und gelb zu befinden (da keine anderen Personen als Repräsentanten genutzt wurden, ist dies aber eine reine Hypothese).

Interessant in diesem Bild ist, dass die Stufen 3 (rot), 5 (orange) und 7 (gelb) alle auf der rechten („männlichen“) Seite des Fokus stehen, während 2 (purpur), 4 (blau), 6 (grün) und 8 (türkis) sich auf der linken Seite befinden. Dieses Muster sieht man häufiger in Spiral Dynamics-Lösungsbildern und spiegelt aus meiner Sicht die spiralförmige Entwicklung (das Pendeln zwischen der Betonung des Individuellen und der Gruppe) wider (bzw. das Pendeln zwischen der männlichen und weiblichen Seite)

Quadrantenaufstellung

Es wurden neben dem Fokus und einem aktuellen „Thema“ vier Repräsentanten für die vier Quadranten-Perspektiven aufgestellt. Durch die Rückmeldung der Repräsentanten und kleineren Umstellungen (z.B. kam der rechte, untere Quadrant etwas näher zum Fokus und wollte gesehen werden) wurde der aufstellenden Klientin einiges zu ihrem Thema klar. Die Beziehung vom Fokus zum Thema wurde deutlich positiver. In dieser Aufstellung wurde einer der Vorteile der Strukturaufstellungen genutzt, dass ein Klient sein Thema/Problem nicht „veröffentlichen“ muss, sondern einfach ganz „verdeckt“ als „Thema“ aufstellt und er trotzdem spannende Einsichten und Schritte zur Lösung findet.

Abschluss

Keine andere mir bekannte Methode kann so viele Perspektiven berücksichtigen, wie die Strukturaufstellungsarbeit. Daher macht diese Arbeit auch ein Großteil meiner Arbeit aus, zumal ich aufgrund meiner „orangen“ Informatikerprägung schon immer an effektiven und effizienten Vorgehensweisen interessiert war und bin. Auch Spiral Dynamics-Aufstellungen sind in der Kürze der Zeit meist aufschlussreicher als alle mir bekannten Spiral Dynamics-Fragebögen, zumal die Aufstellungen – oft auch die symbolischen – mir gleichzeitig Infomationen über die „wichtigsten Schatten“ liefern.

SD-Aufstellungen lassen sich mit anderen Aufstellungsmodellen kombinieren. In Kombination mit Organisationsstrukturaufstellungen erhält man z.B. spannende Informationen über eine für die Organisation passende Kultur.

Sollten Sie neugierig geworden sein, so besuchen Sie doch eine der Aufstellungstage der DIA.

Literaturhinweise:

(aus: IP Nr. 9/ 2008)