Logo Integrale PerspektivenLiebe Freunde und Freundinnen, liebe interessierte Leserinnen und Leser,

in unserer Juni Online-Ausgabe der IP publizieren wir eine Fülle von Artikeln zum Thema An der Grenze von Schatten und Licht. Uns beschäftigt dabei die Frage nach Schatten der Spiritualität, nach Grenzen von Denkmodellen und Möglichkeiten der Entwicklung und freuen uns über die Beiträge unserer Autoren, die dazu unbequeme und inspirierende Fragen stellen. 
Unsere kommende Konferenz in Nürnberg Spirit – heute und morgen  will auch ein Treffen sein, das Fragen aufwirft, Diskurse zulässt und dabei die Schwachstellen von Identifikation und eigener Identitätsbildung (dies auch als Integrale Community) aufwerfen möchte. Wir haben dazu für Sie eine Reihe von kurzen Podcast-Teasern bereitgestellt, welche den Autoren und Beitragenden der Konferenz schon vorab spannende Fragen stellen:

  • Wie hat dich ganz persönlich die Integrale Theorie berührt?
  • Wie siehst du ihre Einwirkung auf Kultur?
  • Was sind deine Visionen für eine integrale Zukunft?
  • Was wünschst du dir von der Konferenz? 

Hören Sie dazu Tom Amarque im Gespräch mit Martin Ucik, Matthias Thiele, Wulf-Mirko Weinreich, Raymond Fismer, Dirk Weller und Adelheid Hörnlein und freuen Sie sich mit uns auf persönliche Vertiefung der Gespräche in Nürnberg.

Der Autor Wolfram Kölling (Dipl.Psychologe) ist Psychologischer Psychotherapeut mit jahrzehntelanger Erfahrung als Gruppen- und Seminarleiter. Er war siebzehn Jahre Leitender Psychologe in einer Psychosomatischen Klinik. Nach intensiven Fort- und Weiterbildungen sowie Selbsterfahrungen u.a. in Kathatym Imaginativer Psychotherapie (KIP), Primärtherapie, Holotropen Atmen, Gestalttherapie und EMDR hat er sich vor allem mit dem Studium schwerer Schamkonflikte und Persönlichkeitsstörungen beschäftigt. In einem eigenen Ansatz der Arbeit mit inneren Einstellungen verbindet er traditionelle Psychotherapie mit den Erkenntnissen einer Integralen Transpersonalen Psychologie. Intensive Erfahrungen und auch persönliche Begegnungen u.a. mit Stan Grof, Henning von der Osten, Sogyal Rinpoche, Jack Kornfield und Hunter Beaumont waren sehr bedeutend und haben seine Arbeit stark beeinflusst.
Sein Buch Die Spirale der Wandlung handelt von Scham und Masken. Dazu aus seinem Buch:

Schamgefühle entstehen durch jede Art von Erschütterungen des Selbst und gehören zum menschlichen Da-Sein. Als Gefühl schützen sie unsere Integrität und unser Selbstgefühl, wodurch sie zu einer Hüterin der menschlichen Würde werden.
In diesem Buch werden die Auswirkungen der Scham auf viele Verhaltens- und Charaktereinstellungen der Menschen ausführlich dargestellt und der konstruktive Umgang mit Scham und den sogenannten Masken der Scham wird als intensive Schattenarbeit beschrieben.

Hören Sie zudem ein ausführliches Gespräch mit dem Autor über Scham und Schamlosigkeit.

  

Unsere Autorin Theresia Maria Wuttke berichtet in ihrem Artikel über Schatten und Hindernisse auf dem spirituellen Weg. Die Autorin hat 1996 das Haus der Mitte, ein integrales Seminarzentrum gegründet. 

Seit 36 Jahren schult und bildet sie Führungskräfte aus der Wirtschaft und dem Gesundheitswesen in integraler Unternehmens-und Personalentwicklung in dem  von ihr entwickelten wertebasierten Kompetenz- und Steuerungsmodell business-and-spirit® aus und weiter. Diese innovative Arbeit trägt sie als integraler Business-and Management Consultant und Coach seit 18 Jahren mit großem Erfolg in den Mittelstand und in die Konzerne. 
In der integralen Akademie der Theos-Consulting AG bildet sie zum integralen Coach und Consulter, zum integralen Gesundheits-Coach, Familien und Jugend-Coach aus. In diesem Beitrag leitet Sie nach einer Einführung über in die Arbeit mit Mythen und Märchen im Sinne der Heldenreise. Als Redaktion der IP sind wir überzeugt davon, dass Schatten auch in integralen Kreisen und auch nach langjähriger spiritueller Arbeit immer wieder unsere Art der Zwischenmenschlichkeit herausfordern. Wir freuen uns, dieses Thema in dieser Ausgabe einladend zu beleuchten:

Die Angst vor dem Schatten ist oft größer als die tatsächliche Auseinandersetzung mit ihm später rechtfertigt. Wie ein riesiger an die Wand geworfener Schatten unserer Person erscheint er uns dann übermächtig und bedrohlich. Machen wir uns aber klar, dass ohne Schatten die sengende Sonne vernichtende Wirkung hat und er automatisch zu jeder manifestierten Form auf dieser Welt dazu gehört, können wir einen anderen Blickwinkel für ihn gewinnen.


Der integrale Ansatz macht es möglich, sich die Schattenaspekte bewusst zu machen, mit ihnen zu arbeiten und sie zu integrieren.


Dies ist ein lebenslanger Prozess, der dazu führt, dass unsere eigene Persönlichkeit erstarkt, wir immer mehr in der Lage sind, Rollen abzulegen und uns immer tiefer zu erkennen. Dies führt dazu, dass der Zugang zu unserem eigentlichen Kern, unserer Mitte, immer weniger verstellt ist. Wir erfahren als Mensch unsere Ganzheit und erkennen an, dass der Schatten zu uns gehört wie die Luft zum Atmen. Die Erkenntnis, wie sehr wir mit Handlungen aus den unbewussten Schattenaspekten heraus Menschen verletzen und ihnen Dinge zuschreiben, von denen wir gar nicht wissen ob sie stimmen, kann sehr schmerzhaft sein.


Über das Ausagieren des Schattens richten wir, ohne es bewusst zu wollen, viel Schaden und Verletzung beim anderen an. Wenn wir beginnen, das ganze Ausmaß unseres Urteilens zu erfassen, wird es möglich, dass wir erkennen, ein jeder Mensch ist mehr oder weniger bewusst. Statt zu urteilen, können wir mit einer grundsätzlichen Haltung der Wertschätzung des Anderen mehr Entwicklung fördern, als durch die Separation des Schattens. Der Schatten gehört zu mir, wie der Tag zur Nacht.


Das Annehmen der eigenen als verletze Seiten empfundenen Aspekte unserer Persönlichkeit bei gleichzeitiger Weiterarbeit mit dem Schatten kann dazu führen, dass wir ein tiefes Mitgefühl mit uns selbst und anderen entwickeln und immer weniger dazu neigen, irrationale und nicht erklärbare Verhaltensweisen an anderen zu bewerten. Wir bekommen dann eine Ahnung davon, dass diese vermeintlich „verurteilswürdigen“ Aspekte auch in unserer eigenen Psyche zu finden sind und wir vielleicht nur mehr Glück hatten, diese nicht so wie andere ausleben zu müssen, weil wir an der richtigen Stelle Zuspruch und Begleitung erfahren haben.

Gleichzeitig gehen wir bewusste Beziehungen ein mit einem hohen Maß an Freiheit in uns selbst, weil wir unseren inneren Kompass, unsere innere Führung immer mehr spüren und die Verbundenheit zu unserem Wesens-Kern gewachsen ist.

Theresia Maria Wuttke

 

Von Colin E. Davis und Melissa Maro übersetzten wir für Sie den Artikel The Zero and the One. Colin E. Davis und Melissa Mari sind amerikanische integrale Lebenskünstler sowie Selbstheiler, die sich der inneren Arbeit aus einer alchimistischen, jungianischen und systembezogenen Perspektive nähern. Sie spezialisieren sich auf Schattenarbeit und auf das mapping der zerstörerischen Kraft in Psyche und Kultur. Ihr Buch Shadow Tech enthält Kernmodelle, die sie in persönlichen Praxis und in ihren Lehren verwenden. Sie bieten ein ganzheitliches Modell für das Verständnis des persönlichen und kollektiven Schattens, das das Jungschen Modell überlagert und es einer Systemebene des 21. Jahrhunderts öffnet. Sie lehren eine Reihe von Praktiken, darunter Emotional Processing (für Singles und Paare), um die Auswirkungen von Kindheit und generationenübergreifendem Trauma zu integrieren. 

Der trickreichste Aspekt dieses Schöpfungs-Zerstörungsspiels ist die subjektive Natur der ganzen Operation. Dies ist wirklich eine archetypische »Trickster« Formel in unserem Universum. Es liegt in jeder Wahrnehmung eine grundlegend subjektive Natur. Das liegt daran, dass das Universum sich durch unabhängige Einheiten oder Holons manifestiert. Unser Universum manifestiert sich als Atome, Moleküle, Zellen, Tiere, Menschen, Pflanzen, Galaxien und alle Arten bestimmter Wesenheiten. Jede Wesenheit hat eine Perspektive die subjektiv ist von ihrer eigenen Warte aus. Egal wie ein System oder ein Organismus interagiert jede Wesenheit kann ihre Wirklichkeit nur von ihrem eigenen inneren Standpunkt aus betrachten.


Dieser subjektive Zustand der Wirklichkeit den alle Wesenheiten teilen bedeutet, dass sie ultimative Unordnung, Chaos oder Zerstörung für andere Wesenheiten erzeugen. Da jeder von uns lebt und Vorteile für sein Selbst schafft, ist das Ergebnis Chaos für andere Systeme. Durch unseren begrenzten, subjektiven Blickwinkel, der ein natürlicher Zustand der Wahrnehmung für alle Wesenheiten ist, verhalten wir uns zugunsten der dunklen Seite, unbemerkt diese durch unsere eigenen kreativen Handlungen nährend. Das Universum bringt uns alle dazu seine dunkle Arbeit zu machen.

Colin E. Davis

 

Unsere Buchvorstellung des Monats ist von Thomas TillerAm Ende der Machbarkeit – eine Integrale Sicht
Thomas Tiller hat ein Informatik-Studium (Diplom, Ludwig-Maximilians-Universität München) und einen Forschungsaufenthalt am Institute of Cognitive Science am Georgia Institute of Technology, USA, absolviert. Nach einer mehrjährigen Tätigkeit als Projektmanager und Berater im IT-Bereich sowie einer erfolgreichen IT-Firmengründung wendet er sich mit verschiedenen Aus- und Fortbildungen dem Bereich Prozessmoderation und Konfliktberatung zu, in dem er im öffentlichen und im sozialen Bereich sowie in der freien Wirtschaft seit mehr als 15 Jahren tätig ist. Darüber hinaus gibt er Didaktik- und Moderationsausbildungen und Seminare zum Thema Konfliktmanagement.
Seit über 10 Jahren hat er eine regelmäßige Meditationspraxis und assistiert bei religionsunabhängige Kontemplations-Retreats zur Selbsterforschung bzw. leitet diese.
Sein Interesse galt und gilt der Entwicklung sowohl im persönlichen als auch im gesellschaftlichen und Organisationsrahmen und einer ganzheitlichen und komplexen Sichtweise auf das Leben. Komplexe und konfliktreiche Situationen sind für ihn der Rahmen, in dem Wachstum stattfindet. Gepaart mit einer großen Skepsis gegenüber einfachen Lösungen und ‚unerklärlichen‘ Ansätzen und Heilsversprechen ist das Buch „Am Ende der Machbarkeit“ entstanden, das seine Erfahrungen und das aktuelle Wissen zum Thema Integrale Haltung zusammenbringt. 

Einleitend dazu zum Buchauszug: 

 Diese Grenzen der Machbarkeit sind in der Vertikalen sehr schnell erreicht. Schon beim Auflösen der ersten Ausdifferenzierung einer Identität endet Machbarkeit – zumindest, wenn Sie diese Grenzen nicht auflösen, ,um zu’; also zum Beispiel, um dem Leid des menschlichen Daseins zu entkommen; oder, um mit dem Erfahren anderer Ebenen ,mächtiger’, ,einflussreicher’ oder ,erfolgreicher’ zu werden; oder, um mit einer erweiterten Sicht auf das Leben ,weiter’ zu sein als andere, usw. Dann ist es immer das Ego, das Ihnen Sicherheit verschaffen will, und dann bleibt es ganz einfach nur eines: der Versuch, ,Machbarkeit’ aufrechtzuerhalten. Das können Sie tun, aber es wird – wenn überhaupt – nur bedingt und zeitlich begrenzt funktionieren. Denn genau genommen lösen Sie diese Grenzen mit einem ,tun, um zu’ nicht auf, denn sonst gäbe es für diese Zeit das Ego nicht und damit auch kein ,tun, um zu’. Ganz im Gegenteil. Sie versuchen, diese Grenzen ,weg zu ignorieren’. Dadurch beschränken Sie sich jedoch selbst auf eine sehr subtile und kaum zu bemerkende Weise auf den horizontalen Aspekt Ihres Seins und erkennen diesen als den einzig existenten an. Das Gegenteil von dem, um das es eigentlich ging, nämlich, die Vertikale zu erkunden. Das heißt, in dem Moment, in dem Sie sich auf den inneren, vertikalen Weg zurückmachen, endet an der Stelle, an der die Ausdifferenzierung Ihres Egos erreicht ist, damit automatisch die Machbarkeit.

Thomas Tiller

  

Abschliessend behandeln Joachim Wetzky und Susanna Machowinski in dieser Ausgabe das Thema des „Integralen Guru und seine Schatten“.

Wir freuen uns, Sie in Nürnberg zu treffen, ins Gespräch zu kommen und im Autoren-Cafe in Begegnung mit unseren Autoren und Autorinnen, Themen dieser Ausgabe, wie auch das Thema der Konferenz: Spirit – heute und morgen zu bewegen.

Mit herzlichen Grüßen,
für das Medien-Team

Cordula Frei und Martin Heil

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