Neue oekonomische Theorie und PraxisAus: Ken Wilber, Trump and a Post-Truth World, 2017

Auch wenn die Analyse darüber für jede der Entwicklungsebenen ein ganzes Buch benötigt, so wäre – für eine moderne Ökonomie – die Idee eines jährlichen garantierten Einkommens ein guter Beginn. Die Welt bewegt sich technologisch hin zu einer wahrhaft utopischen und für Menschen arbeitsfreien Situation, in der jedem Menschen die (materiellen) Grundlagen für ein gutes Leben zur Verfügung gestellt werden, und je früher das geschieht, desto besser. Dies erfordert jedoch eine gründliche Überarbeitung sowohl der ökonomischen Theorien als auch der ökonomischen Praxis.

Ein Problem der heutigen ökonomischen Theorien ist, dass diese im Wesentlichen den wissenschaftlichen Materialismus des 18. und 19. Jahrhunderts zum Zeitpunkt ihres Entstehens reflektieren. Sie verfolgen lediglich äußere Bewegungen von Geld und Wohlstand, und beschäftigen sich nicht mit dem Inneren, d.h. mit Bewusstsein und Kultur. Das Problem bei Geld ist, dass es so gut wie jedes der Artefakte der äußeren rechtsseitigen Quadranten (materielle, physische Dinge) kaufen kann, doch es kann so gut wie nichts von den inneren linksseitigen Quadranten kaufen (Bewusstheit, Liebe, Fürsorge, Mitgefühl, Intelligenz, Werte, Bedeutung, Zweck, Vision, Motivation, Spiritualität, emotionale Güter, mentale Ideen). Bei der Kalkulation des Bruttoinlandsprodukts, was oft als der Indikator des Gesamterfolgs individuellen Lebens herangezogen wird, wird keines dieser wirklich wichtigen Dinge berücksichtigt. Mittlerweile nimmt die Unzufriedenheit darüber zu, dass Dinge wie ein sich Kümmern, Elternschaft oder Familien- und Beziehungswerte oder Lebenswerte überhaupt keine Berücksichtigung finden (und das ist erst der Anfang einer wirklich integralen Inventur all der Dinge, die nicht berücksichtigt werden). Wenn wir uns dazu entschließen, dass eine Gesellschaft alle wesentlichen Dinge, die ein erfülltes Leben ausmachen, zur Verfügung stellen sollte – und wenn wir Theorien und Modelle und Statistiken haben, die darüber Aussagen treffen können – um welche Dinge und Elemente genau geht es dabei?

Mit der Verlängerung der menschlichen Lebensspanne über 100 Lebensjahre hinaus stellt sich auch die Frage, was Menschen tun, wenn sie nicht mehr arbeiten müssen. Darauf muss jede Kultur befriedigende Antworten finden, wenn sie nicht in einer Katastrophe enden möchte. Meine Antwort darauf ist folgende: Wenn die Menschen mit den Gütern der rechtsseitigen Quadranten versorgt sind, was bleibt immer noch zu wünschen übrig, speziell wenn sie über 100 Jahre alt werden? Was können sie mit all dieser Zeit anfangen? Die Antwort darauf ist, sie wenden ihre Aufmerksamkeit von der äußeren Welt hin zur inneren Welt und deren praktisch unbegrenzten Horizonten, sie erforschen und schmecken die Güter der linksseitigen Quadranten. Das bedeutet, dass jede Gesellschaft, in der Menschen 100 Jahre oder länger leben, sich mit den vielen inneren Ebenen und Zuständen des Bewusstseins beschäftigen und diese verfügbar machen muss, sodass Menschen dort Zugang finden und ihr Leben auf eine atemberaubende Weise durch mehr Bewusstheit, Glückseligkeit, Liebe, Mitgefühl und Freude bereichern können.

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