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von Silke Nierfeld

Feng Shui 01Feng Shui hat ein Image als triviale New Age Dekorationslehre, dabei könnte authentisches Feng Shui nicht weiter von Trivialität entfernt sein. Authentisches Feng Shui ist die Lehre vom Wandel und dieses Wissen ist heute wertvoller als je zuvor. Diese Lehre liefert nicht nur ein holistisches Bild der Welt und ihrer Lebensgesetze, sie stellt zahlreiche Tools zur Verfügung, um Ganzheit, Gesundheit und Entwicklung zu bewirken.

Östliches und westliches Denken

Die Wege des Ostens und des Westens das Universum und die Welt zu entschlüsseln waren konträr. Im Osten betrachtete man das Universum als einen sich selbst organisierendes, lebendiges Wesen, ein Holon, dessen Wirkprinzipien man durch kontemplative Betrachtung zu erkennen versuchte. Das Kernstück dieser Weltsicht ist die grundsätzliche Einheit des Universums.

Im Westen ist man den umgekehrten Weg gegangen und hat durch Zerlegung der Dinge in ihre Einzelteile die Bausteine des Universums analysiert. Die Eigenschaften von Einzelteilen wurden generalisiert und zu Gesetzen vereinheitlicht. Der Vorgang der Generalisierung lässt keinen Raum für ungeordnete Lebendigkeit, so dass lebendige und emergente Teile ausgeschlossen wurden. Für die Entwicklung von klassischer Physik und Technik war diese Strategie förderlich, für andere Bereiche sehr problematisch. Aus der Fortführung der mechanisierenden Abstrahierung entwickelte sich das Cartesianische Weltbild, die Trennung von Geist und Materie.

Nach östlicher Ansicht ist die Unterteilung der Natur in getrennte Objekte unbegründet, weil das sich ständige Wandeln das Wesen aller Dinge ist. Wenn Bewegung und Wandel die wesentlichen Eigenschaften sind, dann können die Kräfte, die das verursachen nicht außerhalb liegen, sondern müssen der Materie inhärent sein. Entsprechend ist das östliche Bild der Weltenordnung nicht das eines Gottes, der die Welt von oben lenkt, sondern eines Prinzips, welches alles von innen steuert.

Im Westen wird die rationale, wissenschaftliche Denkweise als überlegen angesehen. Die Leistung der Ratio, des Intellekts besteht in der Messung, Unterscheidung und Klassifizierung der Dinge, wodurch eine Welt von Gegensätzen geschaffen wird, die nur in Relation zueinander existieren können (Dualismus). Bei dieser abstrahierenden Herangehensweise kann die Vielfalt der Formen und Strukturen der Phänomene nur grob erfasst werden. Dadurch entsteht eine mentale Landkarte, in welcher die Dinge auf ihren generellen Umriss beschränkt bleiben. Das abstrakte System des begrifflichen Denkens kann die Realität niemals vollständig erfassen oder beschreiben. Weil aber die abstrakte Darstellung so viel leichter zu verstehen ist als die Wirklichkeit selbst, kommt es zur Verwechselung von Karte und Landschaft.

Die traditionelle östliche Einstellung bevorzugt eine intuitive, mystische Denkweise. Die östlichen Mystiker beschäftigen sich mit einer Erfahrung der Wirklichkeit, die intellektuelles Denken und sinnliche Wahrnehmung überschreitet. Die direkte Erfahrung des undifferenzierten, ungeteilten, unbestimmten „So-Seins“, das Laotse das Tao nennt, ist niemals ein Objekt logischen Folgerns und kann mit Wörtern nicht angemessen beschrieben werden. Absolutes Wissen ist somit eine nicht-intellektuelle Erfahrung der Wirklichkeit, die in einem ungewöhnlichen Bewusstseinszustand auftritt, den man einen meditativen oder mystischen Zustand nennt. Dass nicht nur Meditation, sondern auch Feng Shui diesen Zustand fördert, wird dieser Artikel im weiteren Verlauf aufzeigen.

Westliche Konzepte haben eine Tendenz, einen Alleingültigkeitsanspruch zu erheben, so dass Wissensinhalte immer wieder durch neue ersetzt wurden, die dem aktuellen Erkenntnisstand entsprachen. In China konnten konkurrierende Gedankensysteme nebeneinander Gültigkeit haben, ohne sich auszuschließen.

Die binäre Logik des westlichen Denkens und der Satz von ausgeschlossenen Dritten (Tertium non datur) machen es unmöglich, unterschiedliche Perspektiven zu verbinden und mehrere gleichwertige Ziele zu erreichen, beispielsweise
Ökonomie und Ökologie.

Im Osten wird das Gleichgewicht der Kräfte höher geschätzt als einseitige Stärke, weil jede Kraft ihr Gegenteil mit sich bringt. Auch das Gute schlägt um, wenn es zu stark wird.

Sowohl in der Wissenschaft, als auch in der Mystik werden rationales und intuitives Denken zusammen verwendet, allerdings in sehr unterschiedlicher Zusammensetzung. Wissenschaftler haben häufig eine Intuition, die sie durch Empirik zu Gesetzen auszuformulieren sinnen.

Die chinesischen Mystiker strebten danach, ihre Einheitserfahrungen wiederholbar zu machen und entwickelten Prinzipien, welche die universellen Lebensgesetze konkret anwendbar machen. Das Wissen über die universellen Lebensgesetze ist der Gegenstand des authentischen Feng Shui.

Zusammenfassung östliches und westliches Denken

Die östliche Sichtweise auf die Dinge ist umfassender als die westliche, weil sie Verstand und Intuition stärker verbindet, weil sie Widersprüche und Paradoxien transzendiert und weil sie Lebendigkeit integriert. Das mangelnde Verständnis von Ganzheit und Lebendigkeit ist die größte Schwäche des westlichen Denkens und ursächlich dafür verantwortlich, dass es keinen souveränen Umgang mit Komplexität gibt. Die Stärke des Westens liegt in der Genauigkeit sowie in der Wertschätzung von Individualität, die im Osten wiederum kaum Beachtung findet. Die Kombination beider Denkweisen macht den Umgang mit Widersprüchlichkeit und Lebendigkeit, die Verbindung von unterschiedlichen Perspektiven und das Erreichen gleichwertiger Ziele möglich. Das Beste dabei ist, dass es ohne Kampf geschehen kann, im Einklang mit den Kräften der Natur (Wu-Wei).

Kernbegriffe der chinesischen Lebensgesetze
Das Qi auch Chi

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Qi ist das zentrale Konzept der chinesischen Wissenschaften. Es ist ein lebensspendendes Prinzip, die immanente Wirklichkeit und wird häufig mit „Vitalkraft“ übersetzt. Nach chinesischer Vorstellung ist tatsächlich alles auf der Welt von Qi durchzogen, also auch Steine oder eine Mülltonne. Qi ist in der Lage, sich zu sammeln und zu zerstreuen. Ein gestörter Qi-Fluss ist die Ursache für Krankheit oder Unglück.

Das Dao

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Das Dao (der Weg) ist das Schöpfungsprinzip, der kosmische Prozess, die Idee oder der Geist, welcher erst das Wuji und dann das Taiji hervorgebracht hat. Das Dao ist der Ursprung von Einheit und Dualität.
  

Das Wuji

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Das Wuji ist ein undifferenzierter Zustand des Universums, der reine Potentialität darstellt. Das Wuji ist die höchste Leerheit, die vor allem Seienden da war. Im Wuji wurzelt das Taiji.
  

Das Taiji

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Yin und Yang sind die Polaritäten des Qi, sie sind die beiden Pole der universellen Kraft, die auf der einen Seite Ausdehnung (Yang) und auf der anderen Zusammenziehung (Yin) bedeutet. Yin und Yang sind Komplementäre, in deren Natur zyklische Wandlung und fortlaufende Bewegung und liegen. Die Einheit von Yin und Yang ist das Taiji. Sobald das Yang zu stark wird, kippt es um (z. B. an der Sommersonnenwende) und das Yin wird stärker, bis auch dieses an seinem höchsten Punkt wieder in das Yang kippt.

Die Chinesen glauben, dass nicht nur Fließen und Wandel das Wesen der Natur ausmachen, sondern dass es auch konstante Strukturen in diesem Wandel gibt. Der Weise erkennt diese Strukturen und richtet sein Handeln danach aus, er handelt niemals gegen die Natur. (Wu-Wei).

Drei Entitäten

Feng Shui 06Mit der Zeit oder Energie als das himmlisches Qi (Yang) und dem Raum, der Struktur, dem irdischen Qi (Yin), haben wir zwei Entitäten. Der Mensch mit seinem eigenen energetischen System steht als eigene Entität zwischen Himmel und Erde. Ziel von Feng Shui Beratung ist es, die drei Entitäten in Einklang zu bringen. Eine andere Formulierung für „Glück haben“ lautet: „zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.“ So erklärt sich die häufige Benennung von Glück im Zusammenhang mit Feng Shui.

Acht Trigramme

Feng Shui 07Um das Zusammenwirken der drei Entitäten zum Ausdruck bringen zu können, wurden Yin und Yang Linien zu Dreiergruppen geordnet. Es entstanden die acht Trigramme, die grundlegenden Ordnungsprinzipien der Welt, die im Feng Shui mit den Himmelsrichtungen, mit Topographie (Berge, Donner, etc.) und Familienmitgliedern verknüpft werden. Sie inspirierten C. G. Jung zur Entwicklung seiner Archetypenlehre.

Im ausgehenden 17. Jahrhundert inspirierte die Darstellung von Yin und Yang als zwei Linienarten Gottfried Wilhelm Leibniz zur Entwicklung des Binärcodes, der zur Grundlage der heutigen Computertechnologie wurde.

Das Yijing (I-Ging)

Das Yijing, das Buch der Wandlungen ist der älteste prognostische Text Chinas. Seine Anfänge werden auf das 3. Jahrtausend vor Chr. datiert. Zunächst als Orakelbuch verwendet, wuchs es durch Hinzufügen von Kommentaren organisch und wurde nach und nach zu einem Weisheitsbuch. Es ist die Wurzel der chinesischen Philosophie und Begründer von Daoismus und Konfuzianismus. In seiner Bedeutung ist es mit der Bibel und dem Koran gleichzusetzen.

Die Basis des Yijing sind die 64 Hexagramme. Aus der Denkweise heraus, dass jedes Phänomen auch sein Gegenteil in sich trägt, kombinierte man jeweils zwei Trigramme zu einem Hexagramm (sechs Linien). Alle mathematischen Möglichkeiten ausschöpfend gelangte man zu 64 Hexagrammen. Diese sind kosmische Urtypen, sie repräsentieren das Dao in der Natur und in menschlichen Situationen.

Das untere Trigramm stellt die Gegenwart dar (irdisches Qi) und das obere die Zukunft (himmlisches Chi). Durch das Yijing kann man die Disposition der gegenwärtigen Situation aufdecken und so zu besseren Entscheidungen gelangen. Die Interpretationen beruhen auf Intuition durch Bildhaftigkeit. Als C. G. Jung sich mit dem Yijing befasste stellte er fest, dass es nicht auf Kausalität beruht, sondern auf einem anderen Konzept, welches er Synchronizität nannte. Synchronizität ist die Konsonanz von innen und außen.

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Die fünf Wandlungsphasen

Feng Shui 09Im Unterschied zum westlichen Verständnis von vier statischen Elementen, sind die fünf Elemente des Ostens Wandlungsphasen, die einander erzeugen, schwächen, kontrollieren und überwinden. Jede Wandlungsphase tritt in yin und yang Form auf, das sind die zehn himmlischen Stämme. Nur wenigen Menschen ist bekannt, wie komplex die Interaktionen der Stämme ist. Ein Beispiel: Feuer und Wasser kennt man als einen „Clash“, als Zusammenprall von Energien. Aber yin Feuer und yang Wasser erzeugen gemeinsam das Element Holz.

   

Der Begriff Feng Shui

Wörtlich bedeutet Feng Shui „Wind“ und „Wasser“. Der Begriff entstand erst im 4. Jahrhundert nach Chr., davor bezeichnete man die Gestaltung des Lebensraumes als Kanyu, was so viel bedeutet wie Himmel und Erde zu beobachten.
Wasser hat immer eine sammelnde Wirkung, deshalb repräsentiert es die Konzentration von Dingen und seine Durchsichtigkeit verweist auf Klarsicht. Weil alle Lebewesen Wasser in sich tragen, ist es auch der Repräsentant des Lebens.

Der Wind ist eines der ältesten Konzepte des Unheils in China. So galt „Windbefall“ als dominanter Krankheitsauslöser im Altertum und noch heute wird der Schlaganfall mit „vom Wind getroffen sein“ übersetzt.

Feng Shui im alten China

Entstanden ist Feng Shui durch die Naturphilosophie, die Beobachtung der Natur und ihrer Wandlungszyklen. Die erste Anwendung war das Yin Feng Shui, die gute Positionierung von Gräbern. Man war der Überzeugung, dass ein gutes Leben nur mit der Unterstützung der Ahnen gelingen kann, deshalb wurde deren Bestattung sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt. Schon bald erkannte man die Wirksamkeit des Feng Shui und wendete es auf die Lebenden an.

In der langen Geschichte des Feng Shui hat es jede erdenkliche Wertschätzung und Missachtung erfahren, die man sich nur vorstellen kann. Die Nutzung der Naturkräfte lag in der chinesischen Kultur und so war es nur verständlich, dass auch Herrscher diese nutzen wollten. Es gab Kaiser, die ihre gesamte Politik am Feng Shui ausrichteten und dafür sorgten, dass dieses wertvolle Wissen außerhalb des Palastes nicht genutzt werden konnte. Es gab andere Phasen, in denen Ärzte zum Patienten nach Hause kamen und dort das Feng Shui überprüften, denn traditionelle chinesische Medizin und Feng Shui basieren auf den selben Prinzipien. Und es gab Phasen, in denen Feng Shui vorrangig der abergläubischen Landbevölkerung diente und ansonsten als Quacksalberei verstanden wurde.

Mit Einzug des Kommunismus in China wurde es schwierig für Feng Shui Berater. Teilweise waren sie noch geduldet, mit der Kulturrevolution bemühte man sich sie auszurotten. Tatsächlich gab es auch Anti-Feng Shui unter den Kommunisten, zur Bekämpfung des Gegners war Feng Shui dann doch noch gut genug.

Die Schulen des Feng Shui

Feng Shui nahm Einflüsse aus Daoismus, Konfuzianismus und Buddhismus auf und es entwickelten sich viele Konzepte, die untereinander konkurrierten. Bis heute ist es üblich, dass Feng Shui Meister erklären, in Besitz des einzig wahren, gültigen Wissens zu sein. Der Dogmatismus ist eine äußerst unerfreuliche Begleiterscheinung dieser Konkurrenz.
Man unterschiedet zwei große Schulen:

Feng Shui 10Die Formen-Kraft-Schule oder das Landschafts-Feng Shui orientiert sich an Landschaftsformen und nutzt die mythischen Tiere Tiger, Drache, Schildkröte und Phoenix zur Beschreibung der Himmelsrichtungen. Die Struktur-Qi-Schule oder Kompassschule misst mit einem Feng Shui Kompass namens Lo-Pan die Referenzpunkte von Yin und Yang und berechnet damit unterschiedliche Aspekte des Qi. Wichtige Methoden sind das Baqua, Ba Chop, Flying Stars, etc. In der Praxis werden immer beide Schulen zusammen verwendet.

Die Qualität der Kompass-Methoden kann man durch ihre Präzision unterscheiden. Während Basismethoden auf den 24 Bergen beruhen, also eine Unterscheidung von 15° haben, teilt das fortgeschrittene Hexagramm Feng Shui den Kompass in 64 Abschnitte je 5,6 ° ein. Methoden, die sich lediglich auf die 8 Himmelsrichtungen beziehen und keiner Berechnung bedürfen, darf man getrost dem trivialen DIY Feng Shui zuordnen.

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24 Berge je 15°                                           64 Hexagramme je 5,6°
  

BaZi Suanming – Das energetische Profil eines Menschen

BaZi auch „Vier-Säulen-Astrologie“ genannt ermittelt das energetische Profil eines Menschen, seine innere Struktur. Mit Astrologie hat die Methode nur gemeinsam, dass Geburtszeit und Ort, das erste Qi, der Ausgangspunkt sind. Während Astrologie oder andere Typisierungsmethoden Menschen in Kategorien einteilen, geht BaZi den umgekehrten Weg. Aus über 12.600.000 Möglichkeiten wird ein individuelles Profil ermittelt.

Die Chinesen nennen diese Struktur das Schicksal und meinen damit etwas anderes, als unser westliches Verständnis annimmt. Das Schicksal bildet den Charakter und der Charakter bestimmt, wie das Schicksal gemeistert wird, es ist also eine Wechselbeziehung. BaZi Suanming liefert nicht nur Erkenntnis über Stärken, Schwächen, Potentiale und Lebenszyklen, sondern bietet auch handfeste Lösungen, wie das eigene Leben besser gestaltet werden kann. Für das Feng Shui ist BaZi unerlässlich, denn nur mit Kenntnis des energetischen Bedarfs können Räume individuell optimiert werden.

Die Trivialisierung des Feng Shui

Wie keine andere asiatische Lehre ist Feng Shui einer Trivialisierungswelle anheimgefallen, die sich am besten mit folgendem Bild darstellen lässt: Menschen, die das Klavierspiel nicht erlernt haben aber einen Flohwalzer spielen können tun dies ohne Wissen, ohne Kenntnis von Noten und Tonarten, ohne Geist, das Erfassen und Interpretieren einer Komposition und ohne Technik, ohne die Fingerfertigkeit, Klangbilder zu modellieren. Es ist das Drücken von Tasten, nicht musizieren.

Triviales Feng Shui fokussiert auf Äußerlichkeiten, auf Dekoration und Accessoires. DIY Bücher empfehlen Gestaltung in den Farben des Elementes der Himmelsrichtung, z. B. Feuer im Süden. Als müsse man der Natur sagen, wo Süden ist. Manche Ratgeber verzichten völlig auf die Bestimmung der Himmelsrichtungen, wodurch der Minimalzusammenhang mit Feng Shui aufgelöst wird. Die Liste der unsinnigen, linearen Verknüpfungen ist endlos. Manche speisen sich aus kulturellem Aberglauben (Winkekatzen), manche aus lukrativen Geschäftsideen (Feng Shui Kristalle). Feng Shui Berater ist kein geschützter Beruf. Jeder, der ein Buch über Feng Shui gelesen hat kann sich als solcher bezeichnen und seine willkürlichen, Bauchgefühl getriebenen Empfehlungen spirituelles oder intuitives Feng Shui nennen.

Feng Shui ist für die Seele – nicht für die Augen.

Lao-Tse

Wirkliches Feng Shui

Unser Verstand ist nicht in der Lage, Realität als ungeteilten Prozess wahrzunehmen. Doch genau darum geht es. Die inhärente Ordnung der Dinge zu verstehen, ist eine Frage des Geistes und nicht des Verstandes. Ohne die geistige Erfassung des Inneren, bleiben äußere Interventionen so gesundheitsfördernd wie ein Makeup. Aber es bedarf auch des Verstandes und der Techniken, mit denen analysiert und modifiziert werden kann, denn das kann der Geist nicht leisten. Es geht niemals um eine einzelne Veränderung (die man vielleicht noch intuitiv ermitteln könnte), sondern immer um eine komplexe Konzeption, welche die widersprüchlichen Ergebnisse unterschiedlicher Methoden miteinander verbindet.

Der wichtigste Schritt im Feng Shui ist die Auswahl des richtigen Ortes, denn die Möglichkeiten Qi zu beeinflussen sind begrenzt. Die Aspekte, die den „richtigen Ort“ ausmachen sind individuell. Es kommt auf die Menschen an, ihre Struktur, ihr Alter, ihre Bedürfnisse. Eine Immobilie kann für ein älteres Ehepaar gut geeignet sein und für eine junge Familie gar nicht. Im Geschäftsbereich kommt es darauf an, in welcher Branche man tätig ist, welche Produkte man verkauft.

Der zweite Schritt, um optimale Wirksamkeit zu erzielen, ist die Auswahl der Räume nach Zweck und Benutzer. Die Bereiche innerhalb einer Immobilie (Baquas) sind energetisch sehr unterschiedlich. Schlafzimmer bedürfen einer anderen Qualität als Wohnzimmer und Menschen bedürfen unterschiedlicher Unterstützung für ihre Struktur. Erst an dritter Stelle kommen die Feng Shui Maßnahmen, die man treffen kann, um Energie zu optimieren.

Feng Shui 12Der wesentliche Unterschied zwischen Räumen mit gutem und schlechtem Feng Shui ist das Wohlbefinden. Es geht um Kohärenz, die Harmonie zwischen innen und außen. Wenn das Qi in den Räumen nicht fließen kann, dann muss sich der Mensch viel mehr anstrengen. In gutem Feng Shui ist der geschwätzige Affe – wie die Chinesen den Verstand nennen – ruhiger. Der geistige Zustand ähnelt der Ruhe und Klarheit einer Meditation und der Körper wird mit Energie aufgetankt. Die Dinge gehen leichter von der Hand, man fühlt sich im Flow und merkt nicht, wie die Zeit verrinnt.

Um Sie in die ultimative Differenzierung zwischen trivialem und wirklichem Feng Shui einzuführen, ist ein kurzer Ausflug in die neue Physik erforderlich.

Neue Physik und Feng Shui

Zwei getrennte Entwicklungen, die Relativitätstheorie und die Atomphysik zerstörten Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts alle Grundbegriffe der Newtonschen Weltanschauung: Die Vorstellung vom absoluten Raum und von der absoluten Zeit, die festen Elementarpartikel, die streng physikalischen Phänomene und das Ideal einer objektiven Beschreibung der Natur.
Im Sinne der Relativitätstheorie ist der Raum nicht dreidimensional und die Zeit ist keine selbständige Einheit. Beide hängen eng zusammen und bilden ein vierdimensionales Kontinuum, die Raum-Zeit. In der Relativitätstheorie können wir nie von Raum sprechen, ohne die Zeit einzubeziehen, und umgekehrt.

Im Feng Shui wurde das Konzept der vierten Dimension, des Raum-Zeit-Kontinuums von Beginn an angenommen, ausgedrückt durch eine gemeinsame Maßeinheit. Sowohl der 10.000 jährige chinesische Kalender Wannianli, als auch der Feng Shui Kompass (Lo-Pan) verwenden Stamm/Ast Kombinationen für die Angabe von Raum und Zeit.

Es gibt einen profunden Einklang zwischen der modernen Physik und den Anschauungen der östlichen Mystiker. Die beiden Grundthemen sind die Einheit und der wechselwirkende Zusammenhang aller Phänomene, wobei der Beobachter ein integraler Bestandteil des Systems ist. In der modernen Physik zeigt sich das Universum als dynamisches, unteilbares Ganzes, das seinem Wesen nach immer den Beobachter einschließt. Hier verlieren die traditionellen Begriffe von Raum, Zeit und isolierten Objekten, von Ursache und Wirkung ihre Bedeutung.

Dimensionsblindheit

Wenn also im Zusammenhang mit Feng Shui von Kausalität gesprochen wird, wenn Menschen Ursachen und Wirkungen linear verknüpfen, dann sind sie im dreidimensionalen Raum, in einem mechanistischen Weltbild und erfassen nicht das Wesen des Raum-Zeit-Kontinuums, des Geistes. Geist hat eine transzendentale Struktur, seine zeitlose, non-lokale, nicht sequenzielle Wesenhaftigkeit lässt sich nur von Geist und nicht von dualistisch operierendem Verstand erkennen. Geist ist eine andere Dimension und unterliegt deshalb anderen physikalischen Gesetzen. Physik und Metaphysik sind die äußere und innere Seite des untrennbaren Ganzen und unterliegen doch anderen Gesetzmäßigkeiten.

Mit der Untersuchung auf Kausalität lässt sich die komplette Esoterik- und Feng Shui-Szene entmystifizieren. Beinah überall ist fragmentierendes, kausales Denken am Werk ist. Wer aber die Wirklichkeit nicht erfassen kann, weil sein Geist nicht bewusst genug ist, der kann sie auch über Placebo-Effekte hinaus nicht verändern. Synchronizität ist das kosmische Prinzip, das es zu verstehen gilt.

Feng Shui 13Literatur
  • Fritjof Capra, Das Tao der Physik, Fischer Taschenbuch Verlag 2010
  • Manfred Kubny, Feng Shui: Die Struktur der Welt, Drachenverlag 2008
  • David Bohm, Die implizite Ordnung, rotona Verlag 2018
  • Murray Stein, C. G. Jungs Landkarte der Seele, Patmos Paperback 2005

  

Autorin

Nierfeld SilkeSilke Nierfeld ist mehrfache Gründerin und erfolgreiche Unternehmerin. Seit 1990 ist sie Pionierin des New Work und Botschafterin eines Werte- und Bewusstseinswandels.

Sie hat westliche und östliche Philosophie studiert und zwei Jahrzehnte Erfahrung im Management. Seit 2001 befasst sie sich intensiv mit spirituellen Themen und Feng Shui. Durch einen Workshop bei der Chue Foundation fand sie heraus, dass es zwei Welten mit dem Namen Feng Shui gibt. Eine triviale „Dekorationslehre“, die ihr aus Büchern hinlänglich bekannt war und eine authentische, die ein höheres Bewusstsein voraussetzt, um verstanden zu werden, weil sie die Logik des Verstandes übersteigt. Sie verkaufte ihr Unternehmen und widmete sich fortan der Philosophie und den Praktiken des authentischen Feng Shui.

Heute ist sie als Organisationsentwickler, Sparring Partner und Berater aktiv. Mit holistischem Change Management begleitet sie Unternehmen bei ihren Transformationen zur Zukunftsfähigkeit. Sie wirbt für eine komplexere Form des Denkens, welche Lebendigkeit, Kontexturalität und Aperspektivität integriert.
Unternehmenswebsite: https://insiderooms.de

Als Feng Shui Meisterin berät sie Unternehmen und Privatkunden. Ihr Spektrum umfasst die Auswahl und Gestaltung von Immobilien, Business Feng Shui, Coaching, Gartengestaltung und Gesundheitsfürsorge. Durch die Kombination verschiedener Wissensgebiete wie Geomantie, Radiästhesie, Elektrobiologie, Reiki und Feng Shui erzielt sie synergistische Effekte, die Wohlbefinden und Genesungsprozesse maximal fördern.
Unternehmenswebsite: www.feng-shui-flow.com

Themenschwerpunkt

Wandel ohne zu kämpfen (Wu-Wei)

Westliche und östliche Denkweisen sind komplementär. Der Osten bietet ein Bewusstsein von ungeteilter Ganzheit, prozesshaftem Denken, souveränem Umgang mit Widersprüchen und Paradoxien sowie kontexturalen Lösungen. Der Westen brilliert mit Klarheit und Logik, individuellen Lösungen und Präzision. Wenn beides verbunden wird, entstehen wirksame, ganzheitliche Konzepte, welche widersprüchliche Ziele erreichen und die Dynamik der komplexen Welt zu nutzen verstehen, statt nur auf sie zu reagieren.

Aus- und Weiterbildung

  • Change Management Consultant und Business Coach (mesh Academy)
  • Imperial Feng Shui Practitioner (Chue Foundation)
  • Yuen Hom Hexagramm Feng Shui (IFSA)
  • Imperial BaZi (IFSA)
  • Reiki-Meisterin (Usui)
  • Geomantin (IFSA)
  • Radiästhetin (argo2012)
  • Elektrobiologin (AEB)
  • Feng Shui Gartengestaltung (Feng Shui College Berlin, IFSA)

Veröffentlichungen

Projektmagazin: „Der Komplexität mit neuem Bewusstsein begegnen“
www.projektmagazin.de/artikel/umgang_komplexität_vuca

RTL Hessen „Feng Shui im Test“
www.feng-shui-flow.com/images/fengshui/profil/fengshui_im_test.mp4

Naturheilkunde Journal „Praxisräume mit Feng Shui gestalten“
www.feng-shui-flow.com/images/fengshui/profil/praxisraeume-mit-feng-shui-gestalten-2-seiten.pdf

Keynote Speaker des PM Camp Zürich 2019 “beyond Agile”

nihao Deutschland TV „vom Stress zum Flow“

  

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