Quelle: Ken Wilber, An Integral Operating System

Während der zurückliegenden Jahrzehnte gab es in der Tat eine intensive Suche nach einer umfassenden Landkarte des menschlichen Potenzials. Diese Landkarte verwendet alle bekannten Systeme und Modelle menschlichen Wachstums ? von den alten Schamanen und Weisen bis hin zu den heutigen bahnbrechenden Erkenntnissen der Kognitionswissenschaften ? und deren Hauptkomponenten wurden zu 5 einfachen Faktoren destilliert, Faktoren, die wesentliche Elemente und den Schlüssel zum Verständnis und der Unterstützung menschlicher Evolution darstellen.

Willkommen beim integralen Modell.

Eine integrale oder umfassende Landkarte

Worin bestehen diese 5 Elemente? Wir nennen sie Quadranten, Ebenen, Linien, Zustände und Typen. Wie wir noch sehen werden, sind alle diese Elemente - jetzt und hier in Ihrem eigenen Bewusstsein präsent. Diese 5 Elemente sind nicht nur theoretische Konzepte; sie sind Aspekte Ihrer eigenen Erfahrung, Konturen Ihres eigenen Bewusstseins, wie Sie selbst ganz einfach im weiteren Verlauf verifizieren werden können.

Worum geht es beim Gebrauch dieser integralen Landkarte bzw. dieses Modells?

Zuallererst hilft die integrale Landkarte einem dabei, mit allem Grundlegenden ?in Berührung" zu sein, ob im Geschäftsleben, in der Medizin, Psychotherapie, im Rechtswesen, in der Ökologie oder einfach nur im alltäglichen Leben und Lernen. Wenn man über die Berge fliegen möchte, dann wird das Unfallsrisiko umso kleiner, je genauer die Landkarte ist. Eine integrale Landkarte stellt sicher, dass in einer jeden Situation die gesamten zur Verfügung stehenden Möglichkeiten und Ressourcen ausgeschöpft werden, was die Wahrscheinlichkeit eines Erfolgs vergrößert.

Zweitens: Wenn man lernt, diese 5 Elemente im eigenen Bewusstsein zu erkennen ? vorhanden sind sie zweifellos ? dann fällt es leichter, sie zu erfassen, zu schätzen und anzuwenden... was das Wachstum und die Entwicklung zu höheren, weiteren und tieferen Seinsweisen enorm beschleunigt. Eine einfache Vertrautheit mit diesen 5 Elementen im integralen Modell hilft einem dabei, sich einfacher und erfüllter auf dieser aufregenden Reise der Entdeckungen und des Erwachens zu orientieren.

Der integrale Ansatz unterstützt uns - kurz gesagt ? dabei, uns selbst und die Welt um uns herum auf eine umfassendere und wirklichere Weise zu sehen. Doch eines sollten wir dabei gleich zu Beginn klarstellen. Die integrale Landkarte ist lediglich eine Landkarte. Sie ist nicht das Territorium. Was wir ganz sicher nicht machen wollen, ist, die Landkarte mit dem Territorium zu verwechseln, aber ebenso wenig wollen wir mit einer ungenauen, unzulänglichen oder fehlerhaften Landkarte arbeiten. Die integrale Landkarte ist einfach nur eine Landkarte, doch sie ist die vollständigste und genaueste Landkarte, die wir derzeit haben.

Was ist ein IOS?

IOS bedeutet einfach integrales Betriebssystem [Integral Operating System]. In einem Informationsnetzwerk ist das Betriebssystem die Infrastruktur, die das Betreiben der verschiedenen Softwareprogramme ermöglicht. Wir verwenden ein integrales Betriebssystem bzw. IOS als einen anderen Begriff für die integrale Landkarte. Worum es dabei geht ist, dass - wann immer man ein ?Programm" in seinem Leben anwendet ? wie z.B. Arbeit, Freizeit oder Beziehungen, man das bestmögliche Betriebssystem dafür einsetzen möchte, und das ist IOS. Im Kontakt mit allen Grundlagen bringt es die effektivsten Programme zum Laufen. Dies ist eine andere Möglichkeit, von der umfassenden und alles enthaltenden Natur des integralen Modells zu sprechen.

Wir werden auch über die vielleicht bedeutendste Anwendung einer integralen Landkarte oder eines Betriebssystems sprechen. Weil ein IOS dabei helfen kann, jede Aktivität zu indizieren ? von Kunst zu Tanz zu Business zu Psychologie zu Politik zu Ökologie ? ermöglicht es allen diesen Bereichen, miteinander zu sprechen. Mit der Anwendung des IOS verfügt das Geschäftsleben über die entsprechende Terminologie, um mit der Ökologie zu kommunizieren, welche sich mit der Kunst austauschen kann, welche sich mit dem Rechtswesen unterhalten kann, welches wiederum mit der Dichtung, Bildung und Erziehung, Medizin und Spiritualität sprechen kann. Dies ist in der Menschheitsgeschichte nun erstmals möglich.

An der integralen Universität sind wir ? mit der Anwendung der integralen Landkarte bzw. des integralen Betriebssystems ? in der Lage, interdisziplinäres und transdisziplinäres Wissen zu fördern und zu beschleunigen, und erschaffen so die weltweit erste wirklich integrale Lerngemeinschaft.

Bewusstseinszustände

Wir haben gesagt, dass alle Aspekte der 5 Elemente des integralen Modells bereits schon vorhanden sind, hier und jetzt in Ihrem Bewusstsein. Was nun folgt ist in gewisser Weise eine Besichtigungstour durch ihre eigenen Erfahrungen. Warum kommen Sie nicht einfach mit, und finden heraus, ob Sie einige dieser Merkmale in Ihrem eigenen Bewusstsein wiederfinden?

Einige dieser Merkmale beziehen sich auf subjektive Wirklichkeiten in Ihnen, andere auf objektive Wirklichkeiten draußen in der Welt, und wieder andere auf kollektive oder gemeinschaftliche Wirklichkeiten, die mit anderen geteilt werden. Beginnen wir mit den Bewusstseinszuständen, die sich auf subjektive Wirklichkeiten beziehen.

Jeder ist mit den wesentlichen Bewusstseinszuständen vertraut, wie Wachen, Träumen und traumlosem Tiefschlaf. In diesem Augenblick befinden Sie sich im Wachzustand des Bewusstseins (oder, wenn Sie müde sind, vielleicht in einem tagträumerischen Zustand). Es gibt alle möglichen unterschiedlichen Bewusstseinszustände, einschließlich meditativer Zustände (hervorgerufen durch Yoga, Kontemplation, Meditation und so weiter); veränderte Zustände (wie z.B. drogeninduzierte Zustände); und eine Vielzahl von Gipfelerfahrungen, von denen viele durch intensive Erfahrungen wie Sex, Spaziergängen in der Natur oder das Hören von erlesener Musik hervorgerufen werden können.

Die großen Weisheitstraditionen (wie die christliche Mystik, Vedanta Hinduismus, Vajrayana Buddhismus, und die jüdische Kabbala) sprechen davon, dass die drei natürlichen Bewusstseinszustände ? Wachen, Träumen und traumloser Tiefschlaf ? eine Schatzkammer von spiritueller Weisheit und spirituellem Erwachen darstellen... wenn wir wissen, wie wir richtig mit ihnen umgehen. In einer speziellen Weise, die wir im Folgenden noch näher untersuchen werden, enthalten die drei großen natürlichen Zustände von Wachen, Träumen und Tiefschlaf ein vollständiges Spektrum spiritueller Erleuchtung.

Auf einer einfacheren, mehr weltlichen Ebene erfährt jeder verschiedene Arten von Bewusstseinzuständen, und diese Zustände sind oft die Quelle von starken Motivationen, von Sinn und Bedeutung und von Antrieben in uns selbst und anderen. In einer bestimmten Situation spielen Bewusstseinszustände vielleicht keine große Rolle, vielleicht sind sie aber auch der bestimmende Faktor, jedenfalls kann es sich kein integraler Ansatz leisten, sie zu ignorieren. Wann immer ein IOS zum Einsatz kommt, wird es einen automatisch veranlassen zu prüfen, ob man im Kontakt mit diesen wichtigen subjektiven Wirklichkeiten ist.

Entwicklungsstufen

Es gibt eine interessante Eigenschaft der Bewusstseinszustände: Sie kommen und gehen. Selbst große Gipfelerfahrungen oder veränderte Zustände, wie tiefgehend sie auch immer sein mögen, kommen, bleiben ein bisschen, und gehen wieder. Wie wunderbar ihre Möglichkeiten auch immer sind, sie sind zeitlich begrenzt.

Im Gegensatz zu den temporären Bewusstseinszuständen sind die Bewusstseinsstufen permanent. Stufen repräsentieren konkrete Meilensteine des Wachstums und der Entwicklung. Befindet man sich einmal auf einer bestimmten Stufe, ist dies eine bleibende Errungenschaft. Entwickelt sich beispielsweise ein Kind zur linguistischen Entwicklungsstufe, dann hat das Kind permanenten Zugang zur Sprache. Sprache kommt und geht nicht, sie bleibt. Das Gleiche geschieht mit anderen Wachstumseigenschaften. Hat man sich einmal auf einer Stufe des Wachstums und der Entwicklung stabilisiert, dann hat man Zugang zu den Eigenschaften dieser Stufe ? wie z.B. einer größeren Bewusstheit, einer umfassenderen Liebe, höhere ethische Ideale, größere Intelligenz und Wahrnehmung ? zu praktisch jeder Zeit. Vorübergehende Zustände wurden in bleibende Eigenschaften umgewandelt.

Wie viele Entwicklungsstufen gibt es? Nun, erinnern wir uns daran, dass bei jeder Landkarte die Wahl der Einteilung in gewisser Weise willkürlich ist. Ein Beispiel: Wie viele Grade gibt es zwischen gefrorenem und kochendem Wasser? Wenn man Zentimeter als Skala oder ?Landkarte" verwendet, gibt es 100 Grade zwischen gefrorenem und kochendem Wasser. Verwendet man jedoch die Maßeinheit Fahrenheit, dann ist der Gefrierpunkt bei 32°F und der des Kochens bei 212°F, mit 180 Graden dazwischen. Was ist richtig? Beides. Es hängt lediglich davon ab, wie man den Kuchen aufschneiden möchte.

Das gleiche gilt für Stufen. Es gibt viele verschiedene Wege, um Entwicklung zu unterscheiden und einzuteilen, und daher gibt es alle möglichen Stufenkonzepte. Sie alle können von Nutzen sein. Im Chakra System beispielsweise gibt es 7 Hauptstufen oder Ebenen des Bewusstseins. Jean Gebser, der berühmte Anthropologe, verwendet 5: archaisch, magisch, mythisch, rational und integral. Bestimmte westliche psychologische Modelle haben 8, 12 oder mehr Entwicklungsebenen. Welches ist richtig? Jedes davon; es hängt lediglich davon ab, worauf man beim Thema Wachstum und Entwicklung sein Augenmerk richtet.

Stufen der Entwicklung" werden auch als Ebenen der Entwicklung bezeichnet, mit der Vorstellung, dass jede Stufe eine Organisationsebene bzw. eine Komplexitätsebene repräsentiert. In der Abfolge von Atomen zu Molekülen zu Zellen zu Organismen beispielsweise bedeutet jede dieser evolutionären Stufen eine größere Ebene der Komplexität. Das Wort "Ebene" hat hierbei keine starre oder ausschließende Bedeutung, sondern weist lediglich darauf hin, dass es bedeutende emergierende Qualitäten gibt, welche auf eine diskrete, quantenähnliche Art und Weise in Erscheinung treten, und diese Entwicklungsebenen sind bedeutende Aspekte vieler natürlicher Phänomene.

Im Allgemeinen arbeiten wir im Rahmen des integralen Modells mit etwa 8 oder 10 Stufen oder Ebenen der Bewusstseinsentwicklung. Wir haben nach Jahren praktischer Arbeit damit festgestellt, dass noch mehr Stufen schwer zu handhaben, und weniger zu vage sind. Eine Stufenkonzeption, die wir oft verwenden, ist Spiral Dynamics Integral, gegründet von Don Beck, und basierend auf der Arbeit von Clare Graves. Wir verwenden ebenso Stufen der Selbstentwicklung wie jene, die von Jane Loevinger und Susan Cook-Greuter entdeckt wurden, und die Bewusstseinsstufen, wie sie von Robert Kegan erforscht wurden. Doch es gibt viele nützliche Stufenkonzepte innerhalb des integralen Ansatzes und man kann jedes von ihnen anwenden, entsprechend einer gegebenen Situation.

Ein einfaches Beispiel

Um zu zeigen, worum es bei den Ebenen oder Stufen geht, schauen wir uns ein ganz einfaches Modell mit nur drei Stufen an. Betrachten wir beispielsweise die moralische Entwicklung, dann stellen wir fest, dass ein Säugling bei der Geburt noch nicht in eine bestehende Kultur mit ihrer Ethik und ihren Konventionen sozialisiert worden ist; dies ist die präkonventionelle Stufe. Man nennt sie auch egozentrisch, weil das Bewusstsein des Säuglings ganz überwiegend von sich selbst absorbiert ist. Wenn das heranwachsende Kind jedoch die Regeln und Normen seiner Kultur mit der Zeit erlernt, entwickelt es sich zur konventionellen Stufe der Moral. Diese Stufe wird auch ethnozentrisch genannt, weil sie auf die spezielle Gruppe, Sippe, den Klan oder die Nation des Kindes bezogen ist und daher die Tendenz hat, sich nur um alle innerhalb dieser Gruppe zu kümmern. Auf der nächsten Entwicklungsstufe jedoch, der postkonventionellen Stufe, erweitert sich die Identität des Individuums erneut, und umfasst nun Fürsorge und Mitgefühl für alle Menschen, unabhängig von Rasse, Hautfarbe, Alter, Geschlecht oder Herkunft, und daher wird diese Stufe auch mit weltzentrisch bezeichnet. Moralische Entwicklung hat also die Tendenz, sich vom ?ich" (egozentrisch) zum ?wir" (ethnozentrisch) zum ?wir alle" (weltzentrisch) zu bewegen ? ein gutes Beispiel für diesich entfaltenden Stufen des Bewusstseins.

Eine weitere Art, sich diese drei Stufen vorzustellen ist die von Körper, Geist und GEIST. Diese Worte haben viele gültige Bedeutungen, doch im speziellen Bezug auf die Stufen meinen wir damit:

  • Stufe 1, für die meine grobstofflich/physikalische Realität bestimmend ist, die "Köper" Stufe (wobei mit "Körper" hier der grobstoffliche Körper gemeint ist). Da man hier ausschließlich mit dem getrennten körperlichen Organismus und seinen Überlebensantrieben identifiziert ist, ist dies auch die ?Ich"-Stufe.
  • Stufe 2 ist die "Geist" Stufe, wo die Identität über den isolierten grobstofflichen Körper hinausgeht, und damit beginnt, Beziehungen mit vielen anderen zu teilen, vielleicht auf der Basis von geteilten Werten, gegenseitigen Interessen, allgemeinen Idealen, oder miteinander geteilten Träumen. Weil ich den Geist einsetzen kann, um die Rolle von anderen einzunehmen, kann ich mich in ihre Lage versetzen und mich darin einfühlen, wie ich an ihrer Stelle wäre, und damit erweitert sich meine Identität vom "Ich" zum "Uns" aus (die Bewegung vom Egozentrischen zum Ethnozentrischen).
  • Mit Stufe 3 erweitert sich meine Identität erneut, diesmal von einer Identität des "Wir" zu einer Identität des "Wir alle" (die Bewegung vom Ethnozentrischen zum Weltzentrischen). Hier beginne ich zu verstehen, dass es zusätzlich zu der wundervollen Vielfalt der Menschen und Kulturen auch Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten gibt. Die Entdeckung des Wohlergehens aller Wesen ist der Schritt vom Ethnozentrischen zum Weltzentrischen, und dies ist "spirituell" insoweit, als dabei berücksichtigt wird, was alle empfindenden Wesen miteinander gemeinsam haben.
Dies ist eine Weise, die Entwicklung von Körper zu Geist zu GEIST zu betrachten, wo jeder Schritt als eine Stufe, Welle oder Ebene sich entfaltender Fürsorge und Bewusstheit verstanden wird und sich von egozentrisch zu ethnozentrisch zu weltzentrisch bewegt.

Wir werden auf die Stufen der Evolution und Entwicklung zurückkommen, und sie jedes Mal von einer neuen Blickrichtung her untersuchen. Für den Augenblick genügt das Verständnis, dass wir mit "Stufen" fortschreitende und bleibende Meilensteine auf dem evolutionären Weg der eigenen Entfaltung verstehen. Wenn wir also von Bewusstseinstufen, Stufen der Energie, kulturellen Stufen, Stufen spiritueller Verwirklichung, Stufen moralischer Entwicklung und so weiter sprechen, meinen wir diese wichtigen und grundlegenden Leitersprossen bei der Entfaltung der eigenen höheren, tieferen und weiteren Potenziale.

Wann immer man IOS dabei verwendet, wird man automatisch veranlasst zu prüfen, ob man den bedeutenden Stufenaspekt einer gegebenen Situation berücksichtigt hat, was die Erfolgswahrscheinlichkeit dramatisch erhöht, unabhängig davon, ob dieser Erfolg in persönlicher Transformation, sozialen Veränderungen, herausragenden Leistungen im Geschäftsleben, Sorge für andere oder einfach nur Zufriedenheit im Leben ausdrückt .

Entwicklungslinien: Ich bin in einigen Dingen gut, in anderen Dingen jedoch nicht so gut...

Ist Ihnen schon aufgefallen, wie ungleichmäßig letztlich jeder von uns sich entwickelt hat? Einige Menschen sind weit entwickelt in, sagen wir, logischem Denken, aber nur sehr wenig entwickelt in ihrer Gefühlsfähigkeit. Einige sind sehr fortgeschritten in ihrer kognitiven Entwicklung (sie sind klug), jedoch moralisch unterentwickelt (sie sind gemein und rücksichtslos). Wieder andere zeichnen sich durch eine hohe emotionale Intelligenz aus, können jedoch 2 und 2 nicht zusammenzählen.

Howard Gardner machte dieses Konzept allgemein bekannt durch die Vorstellung multipler Intelligenzen. Uns Menschen steht eine Vielzahl von Intelligenzen zur Verfügung, so wie emotionale Intelligenz, musische Intelligenz, kinästhetische Intelligenz, und so weiter. Die meisten Menschen sind hervorragend in einer oder zwei davon, sind bei den übrigen jedoch nur wenig entwickelt. Dies ist nicht notwendigerweise oder auch nur üblicherweise etwas Schlechtes; ein Teil einer integralen Weisheit besteht darin herauszufinden, wo die eigenen Stärken liegen, und in welchen Bereichen man der Welt die größten Geschenke machen kann.

Dies bedeutet, dass wir uns sowohl unserer Stärken (der Intelligenzen, wo wir hervorragend sind ) als auch unserer Schwächen (wo wir weniger gut oder sogar pathologisch sind) bewusst sein sollten. Und dies führt uns zu einem weiteren der 5 Grundelemente: unserer multiplen Intelligenzen bzw. Entwicklungslinien. Bisher haben wir Zustände und Stufen betrachtet; was sind nun Linien oder multiple Intelligenzen?

Verschiedene multiple Intelligenzen sind beispielsweise: kognitiv, interpersonell, moralisch, emotional und ästhetisch. Warum nennen wir sie auch Entwicklungslinien? Weil diese Linien bzw. Fähigkeiten wachsen und sich entwickeln. Sie entfalten sich progressiv und stufenweise. Und was sind nun diese progressiven Stufen? Es sind die Stufen, die wir gerade beschrieben haben. Jede der multiplen Linien kann sich ? mit anderen Worten - durch die drei Hauptstufen entwickeln (oder durch jede der Stufen eines der Entwicklungsmodelle, ob mit drei Stufen, 5 Stufen, 7 oder mehr Stufen; erinnern wir uns an die Analogie zu Celsius und Fahrenheit). So kann man beispielsweise kognitiv zur Stufe 1, 2, oder 3 entwickelt sein.

Ähnliches gilt für die anderen Intelligenzen. Eine emotionale Entwicklung zur Stufe 1 bedeutet, dass man die Fähigkeit für Emotionen, die sich um ?mich" drehen, entwickelt hat, speziell Emotionen und Antriebe von Hunger, Überleben und Selbstschutz. Entwickelt man sich emotionell weiter von Stufe 1 zu Stufe 2 ? von egozentrisch zu ethnozentrisch ? dann erweitert sich das Empfinden von ?mir" auf ?uns", und man beginnt emotionale Verpflichtungen und Zuneigungen zu geliebten Menschen zu entwickeln, Mitgliedern der eigene Familie, nahen Freunden, vielleicht auch zur Sippe oder der ganzen Nation. Schreitet die Entwicklung voran zu den Emotionen der Stufe 3, dann wird man weitere Fähigkeiten an Fürsorge und Mitgefühl entwickeln, die über die eigen Sippe oder Nation hinausgehen, in dem Versuch, alle Menschen und alle empfindenden Wesen in weltzentrischer Fürsorge und universellem Mitgefühl zu umfassen.

Und weil dies - wir erinnern uns ? Stufen sind, stehen sie einem fortwährend zur Verfügung. Wenn dem nicht so ist, dann handelt es sich bei diesen Fähigkeiten lediglich um vorübergehende Zustände; man bekommt dann nur vorübergehend Zugang zu ihnen, wenn überhaupt ? gewaltige Gipfelerfahrungen eines sich erweiternden Wissens und Seins, wundersame ?Aha!"- Erlebnisse, tiefgehende, veränderte Einblicke in die eigenen, höheren Möglichkeiten. Mit einer entsprechenden Praxis jedoch können diese Zustände in Stufen umgewandelt werden, in permanente Eigenschaften der eigenen inneren Bereiche.

Das Psychogramm

Diese Intelligenzen oder multiplen Linien lassen sich auf eine einfache Weise darstellen. Abb. 1 zeigt ein Diagramm mit den drei Hauptstufen (oder Ebenen der Entwicklung) und fünf der wichtigsten Intelligenzen (oder Linien der Entwicklung). Diese Linien entfalten sich durch die Hauptebenen der Entwicklung hindurch. Die drei Ebenen oder Stufen können auf jede der Entwicklungslinien angewendet werden ? sexuell, kognitiv, spirituell, emotional, moralisch und so weiter. In der Abb. 1 haben wir jemanden dargestellt, dessen kognitive Entwicklung sehr weitfortgeschritten ist, seine Moral ist gut entwickelt, die interpersonelle Intelligenz ist jedoch weniger weit entwickelt, und die emotionale Intelligenz sehr weit zurück geblieben. Andere Menschen haben natürlich ein anderes ?Psychogramm".

Das Psychogramm hilft uns zu erkennen, wo unsere größten Potenziale liegen.Sie wissen wahrscheinlich bereits, worin Sie gut sind, nicht wahr? Teil des integralen Ansatzes ist jedoch auch, das Wissen um die eigenen Konturen bedeutend zu verfeinern, so dass man auf einer besseren Grundlage mit den eigenen Schwächen und Stärken, so wie auch mit denen anderer Menschen umgehen kann.

Abb.1 : Psychogramm

Das Psychogramm hilft uns auch dabei zu erkennen, wie sehr fast jeder von uns ungleichmäßig entwickelt ist, und wir werden so davor bewahrt zu glauben, wir wären überall gut, nur weil wir in einem Bereich Hervorragendes leisten. Tatsächlich ist meist das Gegenteil der Fall. Mehr als nur eine Führungspersönlichkeit, ob spiritueller Lehrer oder Politiker, ist aufgrund eines Mangels an Verständnis dieser einfachen Gegebenheiten auf spektakuläre Weise gescheitert.

"Integral entwickelt" zu sein bedeutet nicht, in allen bekannten Intelligenzen herausragend zu sein oder alle seine Linien bis zur Ebene 3 gebracht zu haben. Was es jedoch bedeutet, ist, einen sehr guten Sinn dafür zu entwickeln, wie das eigene Psychogramm aussieht, um auf der Basis dieses viel integraleren Selbstbildes die eigene zukünftige Entwicklung zu gestalten. Für manche Menschen mag dies bedeuten, bestimmte Intelligenzen zu stärken, die aufgrund ihrer Schwäche Probleme verursachen. Für andere kann es bedeuten, ein gravierendes Problem oder eine Pathologie in einer der Linien zu lösen (wie z.B. emotional-sexuell). Und für andere wiederum geht es um das Erkennen und Berücksichtigen der eigene Stärken und Schwächen. Mit der Anwendung einer integralen Landkarte erfassen wir unsere Psychogramme sicherer und genauer.

"Integral informiert" zu sein bedeutet daher nicht die Meisterschaft in allen Entwicklungslinien, sondern lediglich, sich ihrer bewusst zu sein. Entscheidet man sich dann dafür, Unausgewogenheiten auszugleichen, ist das ein Teil einer Integralen Transformativen Praxis, welche einen bei einer Weiterentwicklung durch die Ebenen unterstützt, mittels eines integralen Ansatzes.

Ein weiterer wichtiger Punkt: In bestimmten psychologischen und spirituellen Übungen kann man mit einem kompletten Spektrum von Zuständen des Bewusstseins und Körpererfahrungen unmittelbar in Kontakt kommen ? als eine Gipfelerfahrung, als meditative Erfahrungen, schamanische Zustände, veränderte Zustände und so weiter. Warum das möglich ist liegt daran, dass viele der Hauptzustände des Bewusstseins (wie grobstofflich-wachend, subtil-träumend und kausal-formlos) immer gegenwärtig gegebene Möglichkeiten darstellen. Man kann also sehr schnell in viele der höheren Zustände eingeführt werden. Man kann jedoch nicht alle Qualitäten der höheren Stufen ohne konkretes Wachstum und Praxis erfahren. Man kann eine Gipfelerfahrung höherer Zustände haben, weil viele von ihnen immer gegenwärtig sind. Man kann jedoch nicht eine Gipfelerfahrung einer höheren Stufe erleben, weil Stufen sich sequenziell entfalten. Stufen bauen schrittweise auf ihren Vorgängern auf, und können nicht übersprungen werden: Wie auch bei Atomen zu Zellen zu Organismen kann man nicht von Atomen direkt zu den Zellen gelangen und die Moleküle überspringen. Dies ist einer von vielen bedeutenden Unterschieden zwischen Zuständen und Stufen.

Bei kontinuierlicher Praxis und Kontaktaufnahme mit höheren Zuständen können sich jedoch die eigenen Entwicklungsstufen schneller und einfacher entfalten. Es gibt eine Menge experimenteller Beweise, die genau dies demonstrieren. Je öfter man in authentische höhere Zustände des Bewusstseins ? wie meditative Zustände ? eintaucht, desto schneller wächst und entwickelt man sich durch eine jede Stufe des Bewusstseins. Diese Übungen höherer Zustände wirken wie ein Schmiermittel für die Entwicklungsspirale, und helfen einem dabei, sich von einer niederen Stufe zu dis-identifizieren, so dass die nächsthöhere Stufe emergieren kann, so lange bis man sich auf der höheren Bewusstseinsebene dauerhaft stabilisiert hat, und vorübergehende Zustände zu bleibenden Eigenschaften geworden sind. Diese Arten von Übungen für höhere Zustände, wie Meditation, sind Teil eines jeden integralen Ansatzes zur Transformation.

Man kann ? kurz gesagt ? Stufen nicht überspringen, aber man kann das eigene Wachstum durch die Stufen hindurch durch verschiedene Arten einer integral transformativen Praxis beschleunigen, und diese transformativen Praktiken sind ein wichtiger Teil eines integralen Ansatzes.


Welcher Typ: Junge oder Mädchen?

Die folgende Komponente ist einfach: jede der vorangegangenen Komponenten hat einen maskulinen und femininen Typ.

Hier gibt es zwei Grundideen: Eine hat mit der Vorstellung von Typen allgemein zu tun; und die zweite betrachtet männlich und weiblich als ein Beispiel für Typen.

Typologien bezieht sich auf etwas, das praktisch auf jeder Stufe oder in jedem Zustand gegenwärtig ist. Eine verbreitete Typologie ist beispielsweise die von Myers-Briggs (deren Haupttypen Fühlen, Denken, Spüren und Intuieren sind). Jeder dieser Typen kann auf praktisch jeder Entwicklungsstufe auftreten. Diese Art ?horizontaler Typologien" kann sehr nützlich sein, speziell in der Verbindung mit Ebenen, Linien und Zuständen. Um zu zeigen, worum es geht, betrachten wir ?maskulin" und ?feminin".

Carol Gilligan hat in ihrem sehr einflussreichen Buch In a Different Voice darauf hingewiesen, dass sowohl Männer wie Frauen dazu tendieren, sich durch drei oder vier Hauptebenen oder Stufen der Moral hindurch zu entwickeln. Mit Hinweis auf umfangreiches Forschungsmaterial bemerkt Gilligan, dass man diese drei oder vier moralischen Entwicklungsstufen mit prä-konventionell, konventionell, postkonventionell und integriert bezeichnen kann. Dies ist sehr ähnlich zu den drei einfachen Entwicklungsstufen, die wir verwenden, wobei sie in diesem Fall auf die moralische Intelligenz bzw. Kompetenz angewendet werden.

Gilligan fand heraus, dass Stufe 1 den moralischen Schwerpunkt beim ?Ich" hat (weshalb die prä-konventionelle Stufe oder Ebene auch mit egozentrisch bezeichnet wird). Die Stufe 2 der moralischen Entwicklung hat ihren Schwerpunkt beim ?Uns", wo sich die Identität vom ?Ich" hin zu anderen Menschen meiner Gruppe erweitert hat (weshalb diese konventionelle Stufe oft auch ethnozentrisch, traditionell oder konformistisch bezeichnet wird).

Mit der Stufe 3 moralischer Entwicklung erweitert sich meine Identität noch mehr, diesmal vom ?Uns" zu ?Uns allen", d.h. allen menschlichen Wesen (oder sogar allen empfindenden Wesen) ? und daher wird diese Stufe auch weltzentrisch genannt. Auf dieser Stufe umfasst mein Mitgefühl und meine Fürsorge nicht nur mich selbst (egozentrisch), und nicht nur meine Familie, meinen Stamm oder meine Nation (ethnozentrisch), sondern die gesamte Menschheit, alle Männer und Frauen überall, unabhängig von Rasse, Hautfarbe, Geschlecht oder Abstammung (weltzentrisch). Und wenn ich mich noch weiter moralisch entwickle, zur Stufe 4, welche Gilligan integriert nennt, dann...

Nun, bevor wir die bedeutenden Schlussfolgerungen von Gilligans Arbeit betrachten, halten wir zuerst ihren wesentlichen Beitrag fest. Gilligan war der festen Überzeugung, dass Frauen wie Männer sich durch diese drei oder vier großen hierarchischen Stufen hindurch entwickeln bzw. entwickeln können. Gilligan selbst bezeichnet diese Stufen richtigerweise als hierarchisch, weil jede dieser Stufen eine höhere Fähigkeit zu Fürsorge und Mitgefühl hat. Sie sagte jedoch auch, dass Frauen sich durch diese Stufen mit einer anderen Art von Logik entwickeln ? sie entwickeln sich ?mit einer anderen Stimme".

Männliche Logik, die männliche Stimme, tendiert zu Begriffen von Autonomie, Gerechtigkeit und Rechten; wohingegen die weibliche Logik oder Stimme die Tendenz und Begrifflichkeit von Beziehung, Fürsorge und Verantwortung hat. Männer tendieren zu Agenz; Frauen tendieren zu Kommunion. Männer folgen Regeln; Frauen folgen Verbindungen. Männer schauen; Frauen berühren. Männer tendieren zum Individualismus, Frauen zu Beziehungen.

Eine der Lieblingsgeschichten von Gilligan: Ein kleiner Junge und ein kleines Mädchen spielen zusammen. Der Junge sagt, ?Lass uns Piraten spielen!" Das Mädchen sagt, "Lass uns Nachbarn spielen." Junge: "Nein, ich möchte Piraten spielen!" ?Okay, dann spielst du den Piraten, der in der Nachbarschaft wohnt."

Jungen mögen es nicht, wenn Mädchen dabei sind, wenn sie z.B. Baseball spielen, weil die zwei unterschiedlichen Stimmen dabei heftig und oft urkomisch aneinandergeraten. Einige Jungen spielen Baseball, ein Junge verfehlt mit dem Schläger den Ball zum dritten Mal, ist aus dem Spiel und beginnt zu weinen. Die anderen Jungen rührt das nicht, sie stehen unbewegt daneben, bis er mit dem Weinen aufhört. Eine Regel ist nun mal eine Regel, und die Regel lautet: Drei Schläge, und du bist draußen. Gilligan weist darauf hin, dass jedoch, wenn Mädchen dabei sind, diese oft sagen, ?Was soll?s, lasst ihn es noch einmal versuchen!" Das Mädchen sieht ihn weinen und möchte helfen, sich mit ihm verbinden und heilen. Das bringt jedoch die Jungen auf die Palme, für sie ist dieses Spiel eine Initiation in die Welt der Regeln und der männlichen Logik.

Gilligan sagt, dass die Jungen daher Gefühle verletzen, um die Regeln zu retten; wohingegen Mädchen die Regeln brechen, um die Gefühle zu retten. ?Mit einer anderen Stimme?. Sowohl Jungen wie Mädchen entwickeln sich durch die drei oder vier Entwicklungsstufen moralischen Wachstums (egozentrisch zu ethnozentrisch zu weltzentrisch zu integral), aber sie tun es mit unterschiedlichen Stimmen, unter Verwendung unterschiedlicher Logiken. Gilligans Terminologie für diese hierarchischen Stufen bei Frauen lautet selbstbezogen (entspricht egozentrisch), Fürsorge (entspricht ethnozentrisch), universelles Mitgefühl (entspricht weltzentrisch) und integriert. Warum sind dies - noch einmal - hierarchische Stufen? Weil jede Stufe eine höhere Fähigkeit der Fürsorge und des Mitgefühls darstellt. (Nicht alle Hierarchien sind schlecht, wie dieses Beispiel zeigt!).

Was bedeutet nun die Stufe 4 "integriert" Auf der vierten und höchsten Stufe moralischer Entwicklung, die wir kennen, integrieren sich - nach Gilligan - die männlichen und weiblichen Stimmen in uns. Dies bedeutet nicht, dass ein Mensch auf dieser Stufe die Unterschiede zwischen dem Männlichen und dem Weiblichen zu verlieren beginnt und zu einem farblosen, androgynen und asexuellen Wesen wird. Tatsächlich können sich die maskulinen und femininen Dimensionen sogar noch intensivieren. Es bedeutet jedoch, dass sich die maskulinen und die femininen Modi miteinander vertragen, auch wenn sie charakteristischerweise alternativ agieren.

Kennen sie den Äskulapstab (das Symbol der medizinischen Berufe)? Es ist ein Stab mit zwei sich überkreuzenden Schlangen und mit Flügeln am oberen Ende des Stabes (Abb. 2). Der Stab repräsentiert den zentralen Wirbelkanal; die Kreuzungspunkte der Schlangen repräsentieren die individuellen Chakren entlang des Wirbelkanals, vom Niedrigsten zum Höchsten; und die zwei Schlangen stehen für die Sonnen- und Mondenergien (bzw. das Maskuline und das Feminine) eines jeden Chakras.

Abb. 2: Äskulapstab

Das ist der entscheidende Punkt. Die 7 Chakren, die lediglich eine komplexere Version der drei einfachen Ebenen oder Stufen sind, repräsentieren 7 Ebenen des Bewusstseins und der Energie, die allen Menschen zur Verfügung stehen. (Die ersten drei Chakren ? Nahrung, Sex und Kraft/Macht ? entsprechen etwa Stufe 1; die Chakren vier und fünf ? Herzensbeziehungen und Kommunikation ? entsprechen etwa Stufe 2; und Chakra sechs und sieben ? psychisch und spirituell ? entsprechen dem Wesen von Stufe 3). Das Wesentliche hierbei ist - folgt man den Traditionen - dass jedes der Chakren einen männlichen und weiblichen Aspekt hat, einen Typ bzw. eine ?Stimme". Weder männlich noch weiblich ist höher oder besser; sie sind zwei äquivalente Typen auf jeder Ebene des Bewusstseins.

Dies bedeutet beispielsweise, dass es vom dritten Chakra (dem egozentrisch-machtorientierten Chakra) eine männliche und eine weibliche Version gibt: auf dieser Chakra-Ebene tendiert das Männliche dazu, Macht autonom auszuüben (?Mein Weg oder kein Weg!"), wohingegen das Weibliche dazu tendiert, Macht gemeinschaftlich oder sozial auszuüben ("Mach es so, wie ich möchte, oder ich spreche nicht mehr mit dir!"). Analoges gilt für die anderen Hauptchakren, von denen jedes eine solare und lunare, bzw. maskuline und feminine Dimension hat; keine davon ist bedeutender als die jeweils andere, und keine kann ignoriert werden.

Das siebente Chakra ist jedoch so dargestellt, dass die beiden Schlangen - maskulin und feminin - im Grund bzw. in der Quelle zusammenkommen. Das Männliche und das Weibliche treffen und vereinen sich in der Krone ? sie werden buchstäblich eins. Und das ist dasjenige, was Gilligan bei der Stufe 4 der moralischen Entwicklung fand: Die beiden Stimmen in jedem Menschen werden integriert, so dass es zu einer paradoxen Vereinigung von Autonomie und Beziehung kommt, von Rechten und Pflichten, Agenz und Kommunion, Weisheit und Mitgefühl, Gerechtigkeit und Gnade, männlich und weiblich.

Wichtig dabei ist, dass, wann immer das IOS zur Anwendung kommt, jede Situation automatisch überprüft wird - in einem selbst, in anderen, in einer Organisation, in einer Kultur - und so sichergestellt wird, dass sowohl der männliche wie auch der weibliche Typus so umfassend wie möglich berücksichtigt werden. Ist man der Meinung, dass zwischen männlich und weiblich kein wesentlicher Unterschied besteht - oder ist man von diesen Unterschieden nicht überzeugt - dann ist das auch in Ordnung und man kann beide gleich behandeln, wenn man das möchte. Was wir lediglich sagen ist, dass man in jedem Fall auf das Männliche wie auch auf das Weibliche Bezug nehmen sollte, wie auch immer man sie betrachten mag.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche andere "horizontale Typologien" die sehr hilfreich sein können, als Teil eines umfassenden IPS, und der integrale Ansatz greift ebenfalls auf alle diese Typologien zurück. "Typen" sind ebenso bedeutend wie Quadranten, Ebenen, Linien und Zustände.

Kranker Junge, krankes Mädchen

Bemerkenswert bei Typen ist: es gibt gesunde und ungesunde Versionen davon. Wenn man sagt, dass jemand einen ungesunden Typus lebt, dann geht es nicht darum, ihn zu verurteilen, sondern ihn besser zu verstehen, um klarer und effektiver mit ihm kommunizieren zu können.

Jede Entwicklungsstufe hat beispielsweise eine maskuline und eine feminine Dimension, und jede davon kann gesund oder ungesund sein, was wir manchmal ?kranker Junge, krankes Mädchen" nennen. Dies ist lediglich ein weiteres Beispiel einer horizontalen Typologie, aber eines, welches extrem hilfreich sein kann. Tendiert das gesunde maskuline Prinzip zu Autonomie, Stärke, Unabhängigkeit und Freiheit, dann können sich diese positiven Tugenden ins Negative verkehren, wenn das Prinzip ungesund bzw. pathologisch wird. Aus Autonomie wird Entfremdung; aus Stärke wird Dominanz; aus Unabhängigkeit wird eine morbide Angst vor Beziehung und Verpflichtung; aus einem Freiheitsdrang wird ein Drang zur Zerstörung. Das ungesunde maskuline Prinzip transzendiert nicht durch Freiheit, es dominiert durch Angst.

Tendiert das gesunde feminine Prinzip zum Fließen lassen, zu Beziehung, Fürsorge und Mitgefühl, geht das ungesunde Feminine darin unter. Statt in Beziehungen zu sein, verliert es sich in Beziehungen. Aus einem gesunden Selbst in Kommunion mit anderen wird ein Selbst-Verlust und ein Erleiden von Dominanz in Beziehungen. Aus Verbindung wird Fusion; aus einem fließenden Zustand wird ein Panik-Zustand; nicht mehr Kommunion, sondern Verschmelzung. Das ungesunde feminine Prinzip findet keine Fülle durch Verbindung, sondern Chaos in der Fusion.

Mit dem IOS gibt es die Möglichkeit, sowohl gesunde wie auch ungesunde maskuline und feminine Dimensionen zu finden, die in einem selbst und in anderen wirken. Doch das, worum es in diesem Anschnitt geht, ist einfach zu verstehen: Verschiedenen Typologien haben ihren Nutzen, indem sie uns dabei helfen, andere besser zu verstehen, um besser mit ihnen zu kommunizieren. Und jede Typologie hat eine gesunde und eine ungesunde Version. Beim Hinweis auf einen ungesunden Typus geht es nicht darum, andere Menschen zu verurteilen, sondern darum, Wege des Verständnisses und zu einer klareren und effektiveren Kommunikation zu finden.

Es gibt sogar Platz für viele Körper

Kehren wir nun zu den Bewusstseinszuständen zurück, für eine letzte Bemerkung, bevor wir dies alles in einer integralen Schlussfolgerung zusammenführen.

Bewusstseinszustände schweben nicht einfach körperlos in der Luft. Im Gegenteil, jeder Geist hat seinen Körper. Zu jedem Bewusstseinszustand gibt eine gefühlte energetische Komponente, ein verkörpertes Gefühl, eine konkretes Vehikel, welches die Grundlage für einen jeden Bewusstseinszustand liefert.

Nehmen wir ein einfaches Beispiel aus den Weisheitstraditionen. Da jeder von uns über drei große Bewusstseinzustände verfügt ? Wachen, Träumen und formloser Tiefschlaf ? sagen die Weisheitstraditionen, dass jeder von uns drei Körper hat, welche oft mit grobstofflicher Körper, subtiler Körper und kausaler Körper bezeichnet werden.

Drei Körper? Soll das ein Witz sein? Ist ein Körper nicht genug? Doch bedenken wir dabei Folgendes: Für die Weisheitstraditionen bezeichnet ?Körper" einen Modus der Erfahrung oder eines energetischen Fühlens. So gibt es grobe oder grobstoffliche Erfahrung, subtile oder verfeinerte Erfahrung und sehr subtile oder kausale Erfahrung. Dies wird von den Philosophen mit ?phänomenologischen Realitäten" bezeichnet, Realitäten, wie sie sich unserer unmittelbaren Bewusstheit zeigen. Jetzt, in diesem Moment, haben Sie Zugang zu einem grobstofflichen Körper und seiner grobstofflichen Energie, einem subtilen Körper und seinen subtileren Energien und einem kausalen Körper und dessen kausaler Energie.

Was wäre ein Beispiel für diese drei Körper? Bemerken Sie, dass Sie sich - in diesem Augenblick ?in einem Wachzustand des Bewusstseins befinden; Sie sind sich daher ihres grobstofflichen Körpers bewusst ? des physisch-materiellen, sensomotorischen Körpers. Doch wenn Sie nachts träumen, gibt es keinen grobstofflichen physischen Körper; er scheint sich aufgelöst zu haben. Sie sind im Traumzustand bewusst, haben aber keinen grobstofflichen Körper von dichter Materie, sondern einen subtilen Körper von Licht, Energie, emotionalen Gefühlen und bewegten, fließenden Bildern. Im Traumzustand sind der Geist [mind] und die Seele befreit und können in der Vorstellung erschaffen, was sie wollen, gewaltige Welten, die nicht an die groben sensorischen Gegebenheiten gebunden sind, sondern ? beinahe schon auf eine magische Weise ? sich zu anderen Seelen, Menschen und weit entfernten Orten hin ausdehnen -, wilde und strahlende Bilder, pulsierend im Rhythmus eines verlangenden Herzens. Wenn jemand wie Martin Luther King sagt: ?Ich habe einen Traum", dann ist das ein gutes Beispiel für ein Anzapfen der gewaltigen Potenziale visionärer Träume durch einen befreiten Geist, der sich zu seinen höchsten Möglichkeiten aufschwingt.

Tritt man vom Traumzustand mit einem subtilen Körper in den Zustand des traumlosen Tiefschlafes über, treten auch die Gedanken und Bilder zurück, und es bleibt eine unermessliche Leere, eine formlose Ausdehnung jenseits jeglichen individuellen ?Ichs" oder Egos oder Selbst. Die großen Weisheitstraditionen sagen, dass wir in diesem Zustand ? welcher lediglich eine Abwesenheit oder Nicht-heit zu sein scheint, Anschluss haben an einen gewaltigen formlosen Bereich, eine große Leere bzw. an den Seinsgrund, eine Ausdehnung des Bewusstseins, die grenzenlos zu sein scheint. Zusammen mit dieser unendlichen Ausdehnung existiert ein unendlicher Körper bzw. eine unendliche Energie ? der kausale Körper, der Körper der feinsten, subtilsten Erfahrung überhaupt, eine riesige Formlosigkeit, aus der die kreativen Möglichkeiten auftauchen können.

Natürlich erfahren viele Menschen diesen tiefen Zustand nicht auf diese Weise. Doch die Traditionen stimmen darin überein, dass dieser formlose Zustand und sein kausaler Körper bei vollem Bewusstsein erfahren werden können, wobei dann die außerordentlichen Potenziale für Wachstum und Bewusstheit zum Vorschein kommen.

Worum es wiederum geht ist, dass wir uns bei Verwendung eines IOS an unseren Wirklichkeiten des Wachzustandes, der subtilen Traumzustände, Visionen und innovativen Ideen und an unseren offenen, formlosen Ursprung aller Möglichkeiten erinnern, welcher die Quelle so vieler Kreativität ist. Die Bedeutung des integralen Ansatzes liegt in der Kontaktaufnahme mit so vielen Potenzialen wie nur möglich, um in Hinblick auf mögliche Lösungen nichts zu übersehen.

Bewusstsein und Komplexität

Sind drei Körper nicht doch etwas abwegig? Nun, erinnern wir uns daran, dass wir es hier mit phänomenologischen Wirklichkeiten bzw. Erfahrungswirklichkeiten zu tun haben -, doch es gibt noch eine einfachere, weniger ?hergeholte" Weise, das Thema zu betrachten, diesmal mit den harten Fakten der Wissenschaft. Jeder Ebene innerer Bewusstheit entspricht eine Ebene äußerer physischer Komplexität. Je größer das Bewusstsein, desto komplexer das System, welches es beherbergt.

In lebendigen Organismen beispielsweise wird der Reptilien-Gehirnstamm begleitetet von einem rudimentären inneren Bewusstsein von Basis-Antrieben wie Nahrung und Hunger, physiologischen Reizen und sensomotorischen Handlungen (also das, was wir bereits mit ?grobstofflich" oder ich-zentriert bezeichnet haben). Wenn wir zum komplexeren limbischen System kommen, haben sich diese grundlegenden Wahrnehmungen zu anspruchsvolleren Gefühlen, Verlangen, emotional-sexuellen Impulsen und Bedürfnissen erweitert und entwickelt (dies ist der Beginn dessen, was wir den subtilen Körper genannt haben, der sich vom ?Ich" zum ?Wir" erstrecken kann). Mit dem Fortschreiten der Evolution zu noch komplexeren physikalischen Strukturen, wie dem Dreifachhirn und seinem Neokortex, erweitert das Bewusstsein sich erneut zu einer weltzentrischen Bewusstheit, die ?uns alle" umfasst (und hier beginnt der Eintritt in das, was wir den kausalen Körper genannt haben).

Dies ist ein sehr einfaches Beispiel für die Tatsache, dass eine Zunahme innerlicher Bewusstheit von einer zunehmenden äußeren Komplexität des Systems begleitet wird, welches dieses Bewusstsein beherbergt. Wenn wir ein IOS verwenden, betrachten wir meist sowohl die inneren Bewusstseinsebenen als auch die entsprechenden äußeren Ebenen physischer Komplexität, weil die Berücksichtigung von beidem zu einem sehr viel ausgewogenerem undumfassenderem Ansatz führt. Was genau das bedeutet, werden wir gleich sehen.

Und jetzt: Wie passt das alles zusammen?

Ein Integral Operating System und das integrale Modell wären lediglich ein "Haufen"(*), wenn es keinen Weg gäbe zu zeigen, wie diese verschiedenen Komponenten zusammenhängen. In welcher Beziehung stehen sie zueinander? Es ist eine Sache, alle Teile der kulturübergreifenden Betrachtungen auf den Tisch zu legen und zu sagen, sie sind alle wichtig, und es ist etwas anderes, die Muster zu erkennen, welche alle Teile miteinander verbinden. Die Entdeckung all der wesentlichen Muster, die verbinden, ist ein bedeutender Beitrag des integralen Ansatzes.

In diesem Schlussabschnitt werden wir diese Muster skizzieren, welche insgesamt auch als A-Q-A-L (ausgesprochen: a-qual) bezeichnet werden, eine Abkürzung für "alle Quadranten, alle Ebenen, alle Linien, alle Zustände, alle Typen" ? und das sind genau diejenigen Komponenten, die wir gerade beschrieben haben (außer den Quadranten, auf die wir gleich zu sprechen kommen). AQAL ist lediglich ein anderer Begriff für IOS oder das Integrale Modell, aber einer, der oft verwendet wird, um diesen speziellen Ansatz zu bezeichnen.

Am Beginn dieser Einführung sagten wir, dass alle fünf Komponenten des integralen Modells etwas beschreiben, was hier und jetzt in Ihrem Bewusstsein verfügbar ist, und dies gilt ebenso für die Quadranten.

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass die am meisten verbreiteten Sprachen Pronomen der ersten, zweiten und dritten Person haben? Pronomen der ersten Person beziehen sich auf "die Person, die spricht", und das beinhaltet Pronomen wie ich, mir, mein (im Singular), und wir, uns, unser (im Plural). Pronomen der zweiten Person beziehen sich auf "die Person, zu der gesprochen wird", und das sind Pronomen wie du und ihr. Pronomen der dritten Person beziehen sich auf ?die Person oder die Sache, über die gesprochen wird", also er, sie, ihr, sie [plural], ihnen, es.

Wenn ich mit Ihnen über mein neues Auto spreche, bin "ich" die erste Person, "Sie" sind zweite Person, und das neue Auto (oder "es") ist dritte Person. Wenn Sie und ich uns also unterhalten und miteinander kommunizieren, werden wir das ausdrücken, indem wir beispielsweise das Wort ?wir" verwenden, und vielleicht sagen ?wir verstehen einander". "Wir" ist technisch gesprochen erste Person Plural, doch wenn Sie und ich miteinander kommunizieren, dann sind Sie als zweite Person und ich als erste Person Teil dieses außerordentlichen "Wir". Die zweite Person wird daher manchmal auch mit "du/wir" oder einfach nur mit "wir" bezeichnet.

Wir vereinfachen daher erste, zweite und dritte Person zu "Ich", "Wir" und "Es". Das scheint trivial zu sein, oder? Vielleicht sogar langweilig? Machen wir einen Versuch. Anstatt "wir", "es" und "ich" zu sagen - wie wäre es mit das Gute, das Wahre und das Schöne? Und was wäre, wenn wir sagen würden, dass das Gute, das Wahre und das Schöne Dimension ihres eigenen Seins wären und zwar auf jeder Ebene des Wachstums und der Entwicklung? Und dass man durch eine integral transformative Praxis tiefere und immer tiefere Dimensionen der eigenen Gutheit, der eigene Wahrheit und der eigenen Schönheit entdecken könnte?

Hmm, das beginnt interessant zu werden. Das Gute, das Wahre und das Schöne sind einfach eine Variation der Pronomen der ersten, zweiten und dritten Person, die sich in allen Hauptsprachen wiederfinden, und sie finden sich deshalb in allen Hautsprachen, weil Wahrheit, Gutheit und Schönheit sehr reale Dimensionen der Wirklichkeit sind, an die sich die Sprache angepasst hat.

Dritte Person (oder "es") bezieht sich auf objektive Wahrheit, welche durch die Wissenschaft am besten untersucht wird. Zweite Person (oder "du") bezieht sich auf Gutheit, bzw. die Wege wie wir - Sie und ich - miteinander umgehen und ob wir das auf eine anständige, ehrliche und respektvolle Weise tun. Es geht - mit anderen Worten - um Moral. Und die erste Person beschäftigt sich mit dem "Ich", mit dem Selbst und dem Selbstausdruck, mit Kunst und Ästhetik, und der Schönheit (oder dem "Ich") im Auge des Betrachters.

Die "ich", "wir" und "es" Dimensionen der Erfahrung beziehen sich also auf: Kunst, Moral und Wissenschaft. Oder auf Selbst, Kultur und Natur. Oder auf das Schöne, das Gute und das Wahre.

Worum es dabei geht ist, dass jedes Ereignis in der manifesten Welt alle diese drei Dimensionen hat. Man kann jedes Ereignis vom Standpunkt des ?Ich" (wie ich persönlich das Ereignis sehe und erlebe); vom Standpunkt des ?Wir" (nicht nur wie ich, sondern auch andere das Ereignis sehen); und als ein "Es" (die objektiven Gegebenheiten des Ereignisses).

Ein integral informierter Weg wird alle diese Dimensionen berücksichtigen, und so zu umfassenderen und effektiveren Ansätzen gelangen - bezüglich des "Ich", des "Wir" und des "Es" - in Selbst, Kultur und Natur.

Lässt man nun die Wissenschaft weg, oder die Kunst, oder die Moral, dann wird etwas fehlen und fragmentarisch bleiben. Selbst, Kultur und Natur werden gemeinsam befreit - oder überhaupt nicht. Diese Dimensionen des "Ich", des "Wir" und des "Es" sind so grundlegend, dass wir sie die vier Quadranten nennen, und sie zur Basis des integralen Rahmenwerkes bzw. IOS machen. (Wir gelangen zu "vier" Quadranten, indem wir das "Es" unterteilen in "Es" singular und "Es" plural, wie wir noch sehen werden.) Ein paar Diagramme sollen das erläutern.

 

Abb. 3: Die Quadranten

Abb. 3 zeigt schematisch die vier Quadranten. Sie zeigt das "ICH" (das Innere eines Individuums), das "ES" (dass Äußere eines Individuums), das "WIR" (das Innere des Kollektiven), und die "ES" Plural (das Äußere des Kollektiven). Die vier Quadranten, als die vier grundlegenden Perspektiven eines jeden Ereignisses (bzw. die vier grundlegenden Arten, auf etwas zu schauen) zeigen also ? mit anderen Worten ? etwas sehr Einfaches: Es gibt das Innere und das Äußere des Individuellen und des Kollektiven.

Abb. 4 und 5 zeigen ein paar Details der vier Quadranten. (Einige davon sind technische Ausdrücke, mit denen wir uns in dieser allgemeinen Einführung nicht beschäftigen müssen; betrachten Sie einfach das Diagramm, und Sie bekommen einen Eindruck von dem, was jeweils in den einzelnen Quadranten gefunden wird).


Abb. 4: Die Quadranten im Bezug zum Menschen

Im oberen linken Quadranten beispielsweise (OL - dem Inneren des Individuums), findet man die eigenen unmittelbaren Gedanken, Gefühle, Wahrnehmungen und so weiter (die alle in Begriffen der ersten Person beschrieben werden). Betrachtet man jedoch sein eigenes individuelles Sein von außen, nicht in den Begriffen subjektiver Bewusstheit, sondern in denen objektiver Wissenschaft, dann findet man Neurotransmitter, ein limbisches System, den Neokortex, komplexe molekulare Strukturen, Zellen, Organsysteme, DNA, und so weiter - und sie alle werden in objektiven Begriffen der dritten Person beschrieben ("Es" singular und "Es" plural). Der obere rechte Quadrant (OR) betrachtet daher die Außenseite eines jeden Ereignisses. Dies schließt speziell das physische Verhalten mit ein; seine materiellen Komponenten; die Materie und Energie; und den konkreten Körper - weil man sich auf alles das auf eine objektive Weise einer dritten Person beziehen kann.

Das ist die Weise, wie ihr Organismus von außen betrachtet aussieht, von einem objektiven Standpunkt aus, bestehend aus Materie, Energie und Objekten; wohingegen von innen her betrachtet man keine Neurotransmitter, sondern Gefühle findet, kein limbisches System, sondern intensives Verlangen, keinen Neokortex, sondern innere Visionen, keine Materie-Energie, sondern Bewusstheit, und das alles beschrieben in der Unmittelbarkeit einer ersten Person. Welche dieser Ansichten ist richtig? Nach dem integralen Ansatz beide. Es sind zwei unterschiedliche Ansichten auf dasselbe Ereignis - Sie selbst. Die Probleme beginnen, wenn man versucht, eine dieser Perspektiven zu verleugnen oder zu vernachlässigen. Alle vier Quadranten müssen in eine integrale Sichtweise aufgenommen werden.

Es gibt weitere Zusammenhänge. Machen wir uns klar, dass jedes "Ich" in einer Beziehung mit anderen "Ichs" ist, was bedeutet, dass jedes "Ich" ein Mitglied zahlreicher "Wirs" ist. Diese "Wir" repräsentieren nicht individuelles sondern kollektives (oder Gruppen-) Bewusstsein, nicht subjektive, sondern intersubjektive Bewusstheit - bzw. Kultur im weitesten Sinn. Dies wird im unteren linken Quadranten (UL) aufgeführt. Analog hat jedes "Wir" eine Äußerlichkeit, so wie es von außen betrachtet erscheint, und dies ist der untere rechte Quadrant (UR). UL wird oft auch die kulturelle Dimension genannt (bzw. die innere Bewusstheit einer Gruppe ? ihre Weltsicht, ihre gemeinschaftlich geteilten Werte, geteilte Gefühle und so weiter), und UR die soziale Dimension (bzw. die äußeren Formen und das Verhalten der Gruppe, welche von den Wissenschaften der dritten Person - wie Systemtheorie -studiert werden).

Noch einmal: Die Quadranten sind einfach nur das Innere und das Äußere des Individuellen und des Kollektiven, und worum es geht ist, dass jeweils alle vier Quadranten berücksichtigt werden müssen, wenn man so integral wie möglich sein will.

Wir sind jetzt an einen Punkt angelangt, wo man damit beginnen kann, die einzelnen Teile zusammenzufügen. Die Hauptkomponenten, welche wir untersucht haben, waren Zustände, Ebenen, Linien und Typen.

Beginnen wir mit den Ebenen oder Stufen.

In allen vier Quadranten findet Wachstum, Entwicklung bzw. Evolution statt. Das heißt, sie alle weisen auf eine Art von Stufen oder Ebenen oder Entwicklung hin, nicht als rigide Sprossen in einer Leiter, sondern als bewegliche, fließende Wellen der Entfaltung. Dies geschieht überall in der natürlichen Welt, so wie eine Eiche sich von einer Eichel zu einem ausgewachsenen Baum durch die unterschiedlichen Entwicklungsstufen entfaltet, oder wie ein sibirischer Tiger sich von einem befruchteten Ei zu einem ausgewachsenen Tier durch unterschiedliche, genau definierte Entwicklungsstadien entwickelt. Ebenso verhält es sich auch mit menschlichen Wesen. Im oberen linken Quadranten zum Beispiel, dem ?Ich", entfaltet sich das Selbst vom Körper über den Geist zum GEIST. Im oberen rechten Quadranten erweitern sich die körperlichen Energien phänomenologisch von Grobstofflichen zum Subtilen zum Kausalen. Im unteren linken Quadranten, expandiert das ?Wir" von egozentrisch zu ethnozentrisch zu weltzentrisch. Diese Ausdehnung einer Gruppenbewusstheit ermöglicht es sozialen Systemen - im unteren rechten Quadranten - sich von einfachen Gruppen zu komplexeren Systemen wie Nationen zu erweitern und schließlich auch zu globalen Systemen. Diese drei einfachen Stufen in jedem Quadranten werden in Abb. 5 veranschaulicht.


Abb. 5: Stufen in jedem Quadranten

Gehen wir jetzt von den Ebenen zu den Linien. Entwicklungslinien gibt es in allen vier Quadranten, doch weil wir uns auf die persönliche Entwicklung konzentrieren, schauen wir uns einige dieser Linien im oberen linken Quadranten an. Wie wir gesehen haben, gibt es über ein Dutzend verschiedener "multipler Intelligenzen" bzw. Entwicklungslinien. Hier einige der bedeutenderen:

  • Die kognitive Linie (bzw. Bewusstheit dessen, was ist)
  • Die moralische Line (bzw. die Bewusstheit dessen, was sein sollte)
  • Die emotionale bzw. Affekt-Linie (das Spektrum der Emotionen)
  • Die interpersonelle Linie (wie stehe ich in Beziehungen zu anderen?)
  • Die Bedürfnislinie (wie z.B. Maslows Bedürfnispyramide)
  • Die Linie der Selbst-Identität (oder ?Wer bin ich?", wie z.B. Loevingers Ego ? Entwicklung)
  • Die ästhetische Linie (bzw. die Linie des Selbstausdrucks, Schönheit, Kunst, und gefühlte Bedeutung)
  • Die psychosexuelle Linie, welche im weitesten Sinn das gesamte Spektrum von Eros umfasst (grobstofflich zu subtil zu kausal)
  • Die spirituelle Linie (wo ?Spirit" nicht nur als Urgrund und nicht nur als höchste Stufe, sondern als eine eigene Linie bzw. Entfaltung gesehen wird).
  • Die Wertelinie (das, was ein Mensch als das Wichtigste betrachtet, eine Linie, die von Clare Graves untersucht, und von Spiral Dynamics bekannt gemacht wurde)
Alle diese Entwicklungslinien können sich durch die grundlegenden Stufen oder Ebenen entwickeln. Sie alle können im Psychograph dargestellt werden. Verwenden wir Stufen- oder Ebenenkonzeptionen wie die von Robert Kegan, Jan Loevinger oder Clare Graves, dann erhalten wir 5, 8 oder sogar noch mehr Entwicklungsebenen, mit denen wir die natürliche Entfaltung der Entwicklungslinien oder ?ströme verfolgen können. Es geht ? noch einmal ? nicht darum, welches Modell davon richtig oder falsch ist; es ist eine Frage, in welchem Umfang ?Feinkörnigkeit " oder ?Komplexität" zum Verständnis einer gegeben Situation erforderlich ist.

Wir haben bereits ein Beispiel für eine Darstellung eines Psychograph gegeben (Abb. 1). Abb. 7 ist eine weitere Darstellung, aus einer Präsentation von AQAL im Geschäftsleben der Notre Dame Business Schule.


Abb. 6: Eine weitere Version des Psychograph

Wie schon gesagt, gibt es Entwicklungslinien in allen Quadranten. Wir haben uns bis jetzt auf den oberen linken Quadranten konzentriert. Im oberen rechten Quadranten ist ? im Bezug auf den Menschen ? eine der wichtigsten Entwicklungslinien die körperliche Linie von Materie/Energie, welche, wie wir gesehen haben, von grobstofflicher Energie zu subtiler Energie zu kausaler Energie verläuft. Als eine Entwicklungsabfolge geht es dabei um die fortwährende Aneignung der Fähigkeit, diese Komponenten des eigenen Wesens bewusst zu meistern (anderenfalls treten sie lediglich als Zustände auf). Der obere rechte Quadrant bezieht sich ebenso auf äußerliches Verhalten, auf Handlungen und Bewegungen des eigenen objektiven Körpers (grobstofflich, subtil oder kausal).

Im unteren linken Quadranten entfaltet sich die kulturelle Entwicklung oft in Wellen, und bewegt sich - in den Begriffen der Pioniers Jean Gebser ? von archaisch zu magisch zu mythisch zu mental zu integral und höher. Im unteren rechten Quadranten untersucht die Systemtheorie die sich entwickelnden kollektiven sozialen Systeme (und das beinhaltet beim Menschen Stufen vom Jagen und Sammeln zu industriell zu informationellen Systemen). In Abb. 5 haben wir das vereinfacht zu ?Gruppe, Nation und global," und die allgemeine Idee dahinter ist einfach die von sich entfaltenden Ebenen einer immer größeren sozialen Komplexität, die in immer umfassenderen Systemen integriert wird. Noch einmal ? für diesen einfachen Überblick sind die Details nicht wichtig. Worum es geht, ist das Erfassen der sich entfaltende Natur aller vier Quadranten, mit der Erweiterung der Bereiche von Bewusstheit, Fürsorge, Kultur und Natur. In einem Satz: Das Ich, das Wir und das Es können sich entwickeln. Selbst, Kultur und Natur können sich entwickeln und tun dies auch.

IOS Anwendungen

Aus dieser Einführung gewinnen wir ein paar kurze Anwendungsbeispiele zum Integralen Modell.

Integrale Medizin

Das Integrale Modell ist nirgendwo direkter anzuwenden als in der Medizin und es wird verstärkt von Gesundheitseinrichtungen überall in der Welt angewendet. Eine kurze Betrachtung der Quadranten zeigt, warum ein Integrales Modell hier hilfreich sein kann.

Orthodoxe oder konventionelle Medizin ist ein klassischer Oben-Rechts-Ansatz. Er arbeitet fast ausschließlich mit dem physischen Organismus und interveniert auf einer physischen Ebene: Operationen, Medikamente und Veränderung von Verhaltensweisen. Die herkömmliche Medizin glaubt zutiefst an physische Gründe für physische Erkrankungen und verschreibt daher mehrheitlich physikalische Maßnahmen. Das Integrale Modell schlägt jedoch vor, dass man jedem physikalischen Vorgang (Oberer Rechter Quadrant) mindestens vier Dimensionen (die Quadranten) zuordnen kann und daher jede physische Krankheit aus all diesen vier Perspektiven (ohne noch die verschiedenen Ebenen einzubeziehen, die wir später erwähnen) aus betrachtet werden muss. Das Integrale Modell behauptet nicht, dass der Obere Rechte Quadrant nicht wichtig ist, nur dass er eben nur ein Viertel der ganzen Thematik ausmacht.

Die rasante Zunahme des Interesses an alternativen Heilmethoden ? ohne auf Ansätze wie Psychoneuroimmunologie einzugehen ? hat sehr klar gemacht, dass die inneren Zustände einer Person (Emotionen, psychologische Grundeinstellung, Bildsprache, Absichten) eine entscheidende Rolle bei zwei Aspekten der physischen Krankheit spielen: der Entstehung und der Heilung. In anderen Worten: der Obere Linke Quadrant ist ein Schlüsselelement einer umfassenden medizinischen Versorgung. Visualisierung, Affirmation und der bewusste Einsatz von Bildern haben gezeigt, dass sie eine wichtige Rolle bei der Behandlung der meisten Krankheiten spielen und dass die Ergebnisse hier stark von emotionalen und mentalen Zuständen abhängen.

Aber so wichtig diese subjektiven Faktoren auch sind, das individuelle Bewusstsein existiert nicht in einem Vakuum; es existiert untrennbar verbunden in gemeinsamen kulturellen Werten, Glaubensätzen und Weltsichten. Wie eine Kultur (Unten Links) eine bestimmte Krankheit betrachtet ? mit Fürsorge und Mitgefühl oder mit Spott und Hohn ? kann einen grundlegenden Einfluss darauf haben, wie ein Individuum mit der Krankheit (Oben Links) umgeht, und dies kann direkt auf den Verlauf des physischen Krankheitssymptoms (Oben Rechts) selbst einwirken. Der Untere Linke Quadrant beinhaltet all die zahlreichen intersubjektiven Faktoren, die ausschlaggebend bei jedem zwischenmenschlichen Austausch sind, wie zum Beispiel die Kommunikation zwischen Arzt und Patient; die Einstellung von Freunden und der Familie und wie diese dem Patienten vermittelt wird; die kulturelle Akzeptanz (oder Ablehnung) einer bestimmten Krankheit (z.B. AIDS); die Grundwerte einer Kultur, die durch die Krankheit bedroht werden. Alle diese Faktoren sind auf gewisse Weise ursächlich für jede physische Erkrankung und Heilung (einfach, da jedes Ereignis in vier Quadranten erscheint).

In der Praxis natürlich muss dieser Quadrant auf die Faktoren limitiert werden, die wirksamangewendet werden können, wie vielleicht die Fähigkeit der Kommunikation zwischen Arzt und Patient, Selbsthilfegruppen innerhalb der Familie und des Freundeskreises, ein allgemeines Verständnis der kulturellen Beurteilung und deren Einwirkung auf die Krankheit. Studien zeigen durchgängig, dass zum Beispiel Krebs-Patienten, die an Selbsthilfegruppen teilnehmen, länger leben als Patienten ohne eine ähnliche kulturelle Unterstützung. Einige der maßgeblicheren Faktoren des Unteren Rechten Quadranten sind besonders wichtig für eine umfassende medizinische Versorgung.

Der Untere Rechte Quadrant betrifft alle materiellen, wirtschaftlichen und sozialen Faktoren, die normalerweise nie als Teil des Krankheitsbildes gesehen werden, aber tatsächlich ? wie die Aspekte jedes Quadranten ? ursächlich für Krankheit wie auch Heilung sind. Ein soziales System, das keine Nahrung bereitstellen kann, wird die Menschen umbringen (wie leider täglich in Ländern, die von Hungersnöten geplagt werden, gesehen werden kann). In der realen Welt, in der jedes Wesen in allen vier Quadranten existiert, konzentriert man sich vielleicht auf einen Virus im Oberen Rechten Quadranten, aber ohne ein soziales System (Unten Rechts), das eine Behandlung zur Verfügung stellen kann, stirbt man. Dies ist keine isolierte Angelegenheit, sondern sie ist zentral für dieses Thema, da alle Ereignisse innerhalb der vier Quadranten existieren. Der Untere Rechte Quadrant beinhaltet Faktoren wie Ökonomie, Versicherung, soziale Fürsorgesysteme und auch so simple Dinge, wie ein Krankenhauszimmer gestaltet ist (erlaubt es Bewegungsfreiheit, haben Besucher freien Zugang? usw.) ? von Faktoren wie zum Beispiel Umweltgiften ganz zu schweigen.

Die vorangegangenen Punkte beziehen sich auf die Aspekte, wie alle Quadranten auf Ursache und Behandlung von Krankheiten einwirken. Der Teil, der sich mit allen Ebenen auseinandersetzt, bezieht sich darauf, dass sich alle Individuen in ? mindestens ? einer physischen, emotionalen, mentalen und spirituellen Ebene in diesen Quadranten ausdrücken (siehe Abb.6). Einige Krankheiten haben zum größten Teil physische Ursachen und physische Heilungsansätze (von einem Bus angefahren zu werden, ein Bein zu brechen). Aber die meisten Krankheiten haben Ursachen und Heilmethoden, die emotionale, mentale und spirituelle Komponenten mit einschließen. Buchstäblich Hunderte von Forschern aus der ganzen Welt haben auf unschätzbare Weise dazu beigetragen, dass wir ein Verständnis dieses mehrschichtigen Aufbaus von Krankheit und Heilung (einschließlich sehr wertvolle Beiträge der großen Weisheitstraditionen, Schamanistisch oder Tibetanisch) gewinnen konnten. Der Punkt besteht darin, dass durch die Hinzunahme der Ebenen zu den Quadranten ein umfassenderes - und wirksameres ? medizinisches Modell zu entstehen beginnt.

Kurz gesagt, ein wirklich effektiver und umfassender Gesundheitsplan würde alle Quadranten und alle Ebenen beinhalten: die Idee ist einfach die, dass jeder Quadrant oder jede Dimension (Abb. 3) ? ich, wir, es ? physische, emotionale, mentale und spirituelle Ebenen oder Schwingungen (Abb. 6) hat, und eine wirklich integrale Behandlung all diese Formen der Realität in Betracht ziehen würde. Es ist nicht nur so, dass diese Art der integralen Behandlung wirksamer ist, genau dadurch ist sie auch kostengünstiger ? was sogar schon die institutionalisierte Medizin dazu gebracht hat, sich mit dem Modell zu befassen.

Integrale Wirtschaft

Anwendungen des Integralen Modells haben in der Wirtschaft in letzter Zeit rasant zugenommen, vielleicht auch, weil sie so direkt und offensichtlich sind.Die Quadranten geben die vier ?Umwelten" oder Dimensionen ab, in denen ein Produkt überleben muss, und die Ebenen drücken die verschiedenen Werte aus, aus denen heraus das Produkt hergestellt und auch gekauft wird. Forschung zu Werte-Hierarchien ? wie zum Beispiel von Maslows und Graves (Spiral Dynamics), die bis jetzt schon einen gewaltigen Einfluss auf die Wirtschaft und deren Wertestruktur hatte ? können nun mit den Quadranten kombiniert werden. Dies zeigt, wie die Werte-Ebenen in den vier verschiedenen Umwelten erscheinen und ergibt daher eine wirklich übergreifende Landkarte des Marktes ab (die sich auf traditionelle wie auch Online-Märkte bezieht).

Darüber hinaus haben auf dem Integralen Modell basierende Ausbildungen für Führungskräfte gerade begonnen zu gedeihen. Es gibt heute vier bedeutende betriebswirtschaftliche Theorien: Theorie X, die sich auf individuelles Verhalten konzentriert; Theorie Y, die sich mit psychologischem Verständnis befasst; kulturelles Management, das sich mit Organisationskultur befasst; und System-Management, das soziale Systeme und deren Steuerung betont. Diese vier Ansätze spiegeln tatsächlich die vier Quadranten wider und ein integrales Modell würde notwendigerweise alle vier Ansätze beinhalten. Wenn man Ebenen und Entwicklungslinien hinzunimmt, entsteht ein unglaublich reichhaltiges und anspruchsvolles Modell, das mit Sicherheit das umfassendste ist, das uns heute zur Verfügung steht.

Spiritualität in Beziehungen und in sozialem Engagement

Die wichtigste Auswirkung eines spirituellen Ansatzes, der alle Quadranten und alle Ebenen mit einbezieht, ist, dass physische, emotionale, mentale und spirituelle Aspekte gleichzeitig im Selbst, der Kultur und der Natur (den "Ich-", "Wir-" und "Es-" Quadranten) praktiziert werden sollten. Es gibt viele Varianten dieses Themas, von der Integralen Spirituellen Praxis hin zur sozial engagierten Spiritualität und zu persönlichen Beziehungen als spirituellen Pfad. Die Auswirkungen einer integralen Spiritualität sind tiefgreifend und umfassend und fangen gerade erst an, an Bedeutung zu gewinnen.

Integrale Ökologie

Der integralen (oder AQAL-) Ökologie wird bereits von verschiedenen Kollegen am Integralen Institut www.integralinstitute.org der Weg bereitet und sie verspricht, sowohl die Art und Weise zu revolutionieren, wie wir über Umweltfragen denken als auch, wie wir diese pragmatisch angehen und sie lösen können.

Die Grundidee ist einfach: Jede Betrachtungsweise, die kürzer greift als der integrale oder umfassende Ansatz, ist zum Scheitern verurteilt. Beide, die inneren (linken) und äußeren (rechten) Quadranten müssen in Betracht gezogen werden. Äußere umweltbezogene Nachhaltigkeit wird klar gebraucht; aber ohne Wachstum und Entwicklung im Inneren zu weltzentrischen Ebenen von Werten und Bewusstsein bleibt die Umwelt stark in Gefahr. Wenn man sich nur auf außenseitige Lösungen konzentriert, trägt man eher zum Problem bei. Selbst, Kultur und Natur können nur gemeinsam befreit werden. Wie das zu tun ist, ist der Fokus der Integralen Ökologie.

Zusammenfassung und Schlussfolgerung

Dies sind einige der Anwendungsbereiche des Integralen Modells. Wir können nun in einer kurzen Zusammenfassung Schlüsse aus den Hauptpunkten des eigentlichen Modells ziehen.

AQAL ist die Abkürzung für "Alle Quadranten, Alle Level (Ebenen)""
Wenn man AQAL als Rahmen dafür verwendet, jede Aktivität zu organisieren und zu verstehen, können wir dies als ein Integral Operierendes System (IOS Basismodell) bezeichnen. Es gibt weiter fortgeschrittene Formen von IOS, aber das "IOS Basismodell" hat alle grundlegenden Elemente, mit denen man beginnen kann, einen umfassenderen, weiter gefassten und nachhaltigeren Ansatz zu leben.

Natürlich ist IOS nur eine Landkarte und nicht mehr. Es ist nicht das Territorium. Aber, soweit wir sagen können, ist es die umfassendste Landkarte, die wir momentan besitzen. Darüber hinaus - und dies ist wichtig - besteht diese Integrale Landkarte darauf, dass wir uns im realen Territorium bewegen und uns nicht in bloßen Worten, Ideen oder Konzepten verlieren.

Erinnern Sie sich, dass die Quadranten nur eine Versionder Realität der ersten, zweiten oder dritten Person (Ich, Wir, Es) sind. Nun, die Integrale Landkarte und das IOS sind selbst nur Begriffe in der dritten Person, sie sind Abstraktionen, eine Serie von "Es"-Zeichen und Symbolen. Aber diese Begriffe der dritten Person fordern, dass wir direkte Gefühle, Erfahrungen und Bewusstsein der ersten Person sowie auch Dialog, Kontakt und zwischenmenschliche Fürsorge der zweiten Person mit einbeziehen. Die Integrale Landkarte selbst sagt: Diese Landkarte ist nur eine Landkarte der dritten Person, also vergiss nicht die anderen wichtigen Formen der Realität in einen umfassenden Ansatz mit einzubeziehen.

Hier noch eine andere wichtige Schlussfolgerung: IOS ist ein neutraler Rahmen; es sagt einem nicht, was man denken soll, zwingt einem keine bestimmte Ideologie auf oder schränkt die Aufmerksamkeit auf irgendeine Weise ein. Zum Bespiel zu sagen, dass Menschen Zustände von Wachsein, Träumen und Tiefschlaf durchlaufen, heißt nicht zu sagen, was sie denken, wenn sie wach sind und was sie sehen, wenn sie träumen. Es sagt nur, dass man, wenn man eine umfassende Betrachtung haben möchte, alle drei Zustände mit einbeziehen sollte. Genauso bedeutet zu sagen, dass alle Ereignisse in vier Quadranten stattfinden - oder einfach in den "Ich", "Wir" uns "Es" -Dimensionen ? nicht, damit bestimmen zu wollen, was "Ich" oder "Wir" oder "Es" tun sollten. Es sagt nur, dass ? sofern wir alle wichtigen Möglichkeitenmit einbeziehen wollen - wir sicherstellen müssen, dass die Perspektiven der ersten, zweiten und dritten Person berücksichtigt werden, da diese in allen wichtigen Sprachen der Welt vorkommen.

Gerade weil das IOS ein neutraler Rahmen ist, kann es genutzt werden, um mehr Klarheit, Achtsamkeit und Erweiterungsfähigkeit zu beinahe jeder Situation beizutragen und Erfolge wahrscheinlicher zu machen, sei es, dass diese Erfolge sich durch persönliche Transformation, sozialen Wandel, Zielerreichung in wirtschaftlichen Fragen, Hilfe für Andere oder einfach Glück im Leben messen lassen.

Am Wichtigsten ist jedoch vielleicht, dass wir zum ersten Mal in der Geschichte einen ausführlichen und fruchtbaren Dialog zwischen den verschiedenen Disziplinen - von Medizin zu Kunst zu Wirtschaft zu Spiritualität zu Politik zu Ökologie - beginnen können, gerade weil IOS in jeder Disziplin genutzt werden kann. Eine Person, die IOS in einem Wirtschaftsumfeld nutzt, kann sich leicht und auch effizient mit einer anderen Person, die IOS verwendet über Poesie, Tanz oder Kunst unterhalten, da sie nun eine gemeinsame Sprache - oder ein gemeinsames "Betriebssystem" - haben, mit dem sie kommunizieren. Wenn man IOS nutzt, kann man nicht nur hunderte verschiedene Programme auf ihm laufen lassen, alle diese Programme können untereinander kommunizieren und gegenseitig von einander lernen und dadurch eine evolutionäre Entfaltung zu größeren Dimensionen des Seins, des Wissens und des Handelns erreichen. Darum handelt es sich bei der Integralen Universität um die erste wirklich integrale Lerngemeinschaft der Welt.

Weil all diese verschiedenen menschlichen Aktivitäten, die zuvor durch unüberbrückbare Unterschiede in Sprache und Terminologie getrennt waren, nun beginnen können, wirkungsvoll miteinander zu kommunizieren, indem sie IOS nutzen, können sich all diese Disziplinen nun austauschen und voneinander lernen. Dies hat noch nie in der Geschichte stattgefunden und das ist es, warum das integrale Abenteuer nun beginnt.

Wie wir es auch betrachten, es sind nur einige wenige Punkte: In seinem eigenen Wachstum und seiner eigenen Entwicklung hat man die Möglichkeit, Selbst, Natur und Kultur zu immer höheren, weiteren und tieferen Weisen des Daseins zu führen; sich ausweitend von einer isolierten Identität des "Ich" zu einer erweiterten Identität des "Wir" zu einer noch weiter gefassten Identität des "Wir alle" - einschließlich aller fühlenden Wesen, überall - so wie sich die eigene Kapazität für das Wahre, Gute und Schöne vertieft und in ein immer weiteres Bewusstsein in einer noch weiteren Umarmung einmündet, das sich im eigenen Selbst erkennt, sich in der Natur verkörpert und sich in der Kultur ausdrückt.

Darum gilt es, Körper, Verstand und Geist im Selbst, der Kultur und der Natur zu kultivieren. Dies ist die außergewöhnliche Absicht und das Ziel der Integralen Universität und wir laden sie herzlich ein, dieses aufregende Abenteuer mit uns zu teilen.

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(*) zum Unterschied zu "Holons" und "Artefakten" (A.d.Ü.)

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