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In den letzten 20 Jahren habe ich mich mit vielen Entwicklungsmodellen beschäftigt (Piaget, Kohlberg, Graves, Beck/Cowan, Cook-Greuter, O’Fallon). In meiner Arbeit als integraler Coach & Berater nutze ich vor allem Spiral Dynamics (Beck/Cowan) und im Coaching zusätzlich StAGES von Terri O’Fallon. Letzteres ist aus meiner Sicht das zurzeit differenzierteste und gleichzeitig praktikabelste Modell, das alle fünf Dimensionen des AQAL-Modells von Ken Wilber integriert hat.

Mit dem Wissen aus StAGES ist Spiral Dynamics an manchen Stellen nicht ganz korrekt. Im Folgenden gehe ich zunächst auf die Wurzeln von Spiral Dynamics ein (das Graves Value System), beschreibe kurz die Stufen und danach die 12 Stufen von StAGES. Im letzten Abschnitt mache ich Vorschläge, wie Spiral Dynamics aus heutiger Sicht beschrieben werden könnte.

Dieser Artikel ist ein unter Zeitdruck entstandener erster Entwurf, der wahrscheinlich noch eine Reihe von Fehlern enthält. Ich bitte dies zu entschuldigen, glaube aber, dass die folgenden Ausführungen für viele Leserinnen und Leser spannend sein können. Weiterhin habe ich mich dazu entschieden, fast ausschließlich die männliche Form zu verwenden und bitte auch dieses mir nachzusehen (der grüne Teil in mir fühlt sich damit auch nicht ganz wohl).

Das Graves Value System

Clare W. Graves, amerikanischer Professor für Psychologie, erforschte von 1952 bis zu seinem Lebensende (1986) zunächst die Veränderung von Konzeptionen (Bewusstsein) über psychologische Gesundheit von Menschen. Später bezog er in sein Modell noch Bedürfnisse (Maslow), Werte und Ethik-Normen mit ein. Ausgangspunkt seiner Untersuchungen war seine Unzufriedenheit mit den Grabenkämpfen innerhalb der Psychologie Anfang der 50er-Jahre. Die ständigen Fragen seiner Studenten, welche der bestehenden Theorien denn nun richtig war, nervten ihn. Und sie motivierten ihn, eine eigene Theorie zu erforschen.

Da er durch seine Lehrtätigkeit nicht viel Zeit hatte, ließ er über viele Jahre die Studenten seines Kurses „Die normale Persönlichkeit“ Aufsätze schreiben über die psychologisch gesunde Persönlichkeit. Danach mussten die Studenten ihre Konzepte präsentieren und sich Fragen und Kritik von Kommilitonen und akademischen Autoritäten stellen. Graves interessierte es dabei, ob sie ihre Konzepte verteidigten oder aufgrund der Kritik anpassten.

Die Ergebnisse wurden durch unabhängige (und jedes Jahr neue) Juroren analysiert und klassifiziert. Schon im ersten Jahr und auch in den darauf folgenden Jahren wurden immer wieder dieselben zwei Hauptkategorien A (wir-orientiert) und B (ich-orientiert) erkannt mit jeweils zwei Unterkategorien a und b:

  1. Es ist förderlich, das Selbst zurückzuweisen/aufzuopfern (Wir-Orientierung)
    1. für spätere Belohnung.
    2. um jetzt Akzeptanz zu bekommen.
  2. Es ist förderlich, das Selbst zum Ausdruck zu bringen (Ich-Orientierung)
    1. in berechnender Weise und auf Kosten anderer.
    2. nicht auf Kosten anderer.

Studenten der Gruppe A-a verteidigten den Aufsatz gegenüber Kommilitonen, änderten ihn aber bei Kritik von Autoritäten. Daraus wurde dann später im Graves Value System die vierte Stufe D-Q (entspricht „blau“ in Spiral Dynamics). A-b-Studenten reagierten genau anders herum (daraus wurde dann die Stufe F-S, „grün“). Kategorie B-a ließ sich weder durch Kommilitonen noch durch Autoritäten beirren (später wurde daraus die Stufe E-R = „orange“). B-b-Studenten hingegen ließen sich sowohl durch Kommilitonen als auch Autoritäten beeinflussen und änderten ihre Konzepte (daraus wurde die Stufe A‘-N‘ = gelb).

Bis 1969 erfolgte eine Datenerhebung mit Personen zwischen 18 und 61 Jahren. 1959 begannen einige eine bisher nicht vorhandene Konzeption zu entwickeln: „Selbst zurückweisen/aufopfern für existenzielle Wirklichkeit“. Hier wurde psychologische Gesundheit als Zustand grundsätzlich in Frage gestellt und vermutet, dass es sich um einen offenen Prozess handelte. Dies ging über die Stufe A‘-N‘ hinaus (B‘-O‘, „türkis“) und damit auch über die ultimativen Stufen von Maslow (Selbstaktualisierung) und Rogers (voll funktionierende Persönlichkeit). Schließlich kam noch eine zusätzliche Kategorie „Selbst impulsiv um jeden Preis zum Ausdruck bringen“ (C-P, „rot“) hinzu. Graves stellte fest, dass psychologische Gesundheit ein offener, hierarchischer Prozess ist. Und dass es nicht nur um psychologische Gesundheit geht, sondern jede Kategorie ein eigenes Persönlichkeitssystem ist, das die Welt anders „sieht“ (interpretiert, bewertet) und damit anders agiert. Schließlich beschrieb er acht Stufen in zwei Rängen (eine neunte Stufe wurde von ihm schon angedeutet):

Erster Rang – 1st tier (Subsistenzlevel 1 bis 6

  • A-N – Der Existierende (survival)
  • B-O – Der Stammesmensch (kin spirits)
  • C-P – Der Einzelkämpfer (power gods)
  • D-Q – Der Loyale (truth force)
  • E-R – Der Erfolgssucher (strive drive)
  • F-S – Der Teammensch (human bond)

Zweiter Rang – 2nd tier (Seins-Level, Anzahl offen)

  • A‘-N‘ – Der Möglichkeitensucher (flex flow)
  • B‘-O‘ – Der Globalist (global view)
  • C‘-P‘ – ?

Bis zu seinem Lebensende entwickelte er sein Modell ständig weiter. Zunächst fehlte lange Zeit die Stufe B-O (purpur). A‘-N‘ (gelb) war in einem seiner Artikel Stufe 8 und wurde dann später Stufe 7. Im Buch „Clare W. Graves: Sein Leben, sein Werk“ von Rainer Krumm & Benedikt Parstorfer sind viele seiner Artikel der Jahre 1959 bis 1981 nachzulesen. Dieses Buch ist auch die Grundlage meiner bisherigen Ausführungen.

Aus meiner Sicht spannend ist die ständige Anpassung an neue Erkenntnisse und die zunehmende Differenzierung seines Modells. Wie sähe sein System heute aus, wenn er Bücher von Ken Wilber gelesen hätte und ihm die neuesten Erkenntnisse der Entwicklungspsychologie bekannt wären, insbesondere die Modelle Ego Development (Jane Loevinger, weiterentwickelt von Susanne Cook-Greuter) und StAGES von Terri O’Fallon? Dazu mehr im letzten Teil dieses Artikels.

Spiral Dynamics

Vor 20 Jahren erschien das Buch „Spiral Dynamics“ von Don Beck und Christopher Cowan. Die Beschreibungen basieren weitgehend auf den Erkenntnissen von Graves. Der auffälligste Unterschied ist, dass die Stufen (Level) jetzt mit Farben bezeichnet sind und nicht mehr mit Buchstaben. Hier eine kurze Beschreibung der Level, wobei ich hoffentlich möglichst nah noch am Original bin, was ich aber nicht garantieren kann (Ergänzungen und Kommentare sind in Kursivschrift):

  • Level 1 – Beige (die Farbe der Sahara und Savanne, Wiege der Menschheit): Überleben, archaisches Bewusstsein - Hier geht es um die "nackte" Existenz, das automatische Überleben, um die instinktive Erfüllung der Grundbedürfnisse (Nahrung, Sicherheit). Strukturen sind noch lose Verbände (Horden). Auf dieser noch völlig unbewussten Stufe wird jeder Mensch als Säugling geboren. Erwachsene befinden sich nur bei Gehirnpathologien (z.B. Demenz) hier.
  • Level 2 – Purpur (die Farbe von Schamanenmänteln): Ahnengeister, magisches Bewusstsein – Alles ist belebt und voller Geister (animistisches Weltbild). Bildung einer Gemeinschaft mit "Stammes"-Bewusstsein, Riten, Ritualen und Tabus, die Schutz und Sicherheit vor unerklärlichen Phänomenen liefern soll. Es geht um Ehrung der Alten, der Bräuche und des Clans. Ab dem 6.-8. Lebensmonat. Auch von der Zivilisation noch nicht beeinflusste Naturvölker sind auf dieser Stufe.
  • Level 3 – Rot (die Farbe des Feuers): Machtvolle Götter, mythisches Bewusstsein - Egozentrik und Macht stehen im Vordergrund. Nur der eigene Vorteil ist wichtig. Eine Welt voller Mythen, (rücksichtslosen) Machtkämpfen, Abenteuer und Heldengestalten. Entstehung ausbeuterischer Imperien. Beginnt im Alter von 2-3 Jahren, wenn erstmals das eigene „Ich“ bewusst wird (Trotzkopf).
  • Level 4 – Blau (das Königsblau): Kraft der Wahrheit, Sinn, mythisch-rationales Bewusstsein - Es bilden sich Regeln, Gesetze, hierarchische Rollen & Strukturen und Tugenden. Alles hat einen von oben festgelegten Sinn. Die Obrigkeit verkündet die Wahrheit, an die man glauben muss. Hierarchien sorgen für Ordnung. Treue und Loyalität wird belohnt. Diese konservative, konformistische Sicht umfasst ca. 30% der Erwachsenen der westlichen Welt und beginnt im Grundschulalter.
  • Level 5 – Orange (Farbe von schmelzendem Stahl): Erfolgsstreben, rationales Bewusstsein - Die Welt der Wissenschaft, der Leistung und des Materialismus. Hier finden wir Streben nach persönlichem, maximalem Erfolg, Wissen und Freiheit. Hier gilt: "Leistung muss belohnt werden" und "Jeder kann gewinnen". Wahrheit wird jetzt erforscht und es werden Strategien für effiziente und effektive Zielerreichung entwickelt. Ca. 40% der westlichen Welt. Beginnt zum Ende der Schulzeit oder als junger Erwachsener.
  • Level 6 – Grün (die grüne Natur): Menschliche Beziehungen, systemisch-konstruktivistisches Bewusstsein - Diese Sicht steht für multikulturelles Bewusstsein, Pluralismus, Ökologie, Gleichberechtigung und Gemeinwohl. Das "Wir" rückt (wieder) in den Vordergrund. Es entsteht ein Sensibles Selbst, das gefühlsorientiert ist und Intuition für wichtiger als den „Kopf“ hält. Jeder Mensch kreiert sich seine eigene Welt, d.h. Wahrheit ist relativ. Anteil ca. 20-25%. Diese Stufe beginnt meistens (wenn überhaupt) im Alter zwischen 35 und 45 Jahren (Auslöser ist vielfach die sog. Midlife-Crisis).

Jeder Mensch, der sich auf einer dieser ersten sechs Stufen befindet (erste Schicht, 1st tier), hält die eigene Sicht für die einzig richtige und bekämpft die anderen. Konflikte sind daher vorprogrammiert. Die Orangen lehnen die Blauen ab, die aus ihrer Sicht Veränderungen blockieren, und sie lehnen Grüne ab, die immer alle Meinungen integrieren wollen und daher endlos diskutieren. Grüne mögen die herzlosen, materialistischen Orangen nicht und misstrauen blauen Herrschafts-Hierarchien, usw.

Ab Level 7 beginnt ein neuer Rang, die Graves Seins-Level genannt hat:

  • Level 7 – Gelb (Farbe der Sonne): Flex-flow, integrales Bewusstsein – Systemisches, integratives "Big Picture"-Denken und flexibles Handeln sind die Antwort auf komplexe Probleme, wie etwa globale Ökologie und sich zusehends rascher entwickelnde Technologien. Das Leben ist ein Kaleidoskop natürlicher Hierarchien, Systeme und Formen. Es geht um umfassendes Leben. Sei, der Du bist, sei flexibel und schätze die großartige Existenz. Diese Stufe ist in der Menschheitsgeschichte noch sehr jung (Anteil vielleicht 1-2% in der westlichen Welt).
  • Level 8 – Türkis (die Farbe des Planeten aus dem Weltall betrachtet): Holonisches Bewusstsein - Globale Zusammenhänge werden nun wahrgenommen und alles danach ausgerichtet. Die Welt ist ein einziger, dynamischer Organismus mit kollektiver Intelligenz. Vereinigung von Fühlen und Wissen; multiple Ebenen, verwoben in ein bewusstes System. Eine universelle Ordnung, in einer lebendigen, bewussten Weise, die nicht auf äußeren Regeln (blau) oder Gruppenbindungen (grün), beruht. Hier befinden sich weniger als 0,1% der Bevölkerung.

 Lutterbeck 1

 StAGES von Terri O’Fallon

Terris Modell basiert auf dem Modell Ego Development von Susanne Cook.-Greuter, beschreibt aber die Stufen in neuer Form und differenziert mehr Stufen. Sie beschreibt, dass die Entwicklung des Ich sich im Laufe des Lebens durch drei Schichten läuft, die konkrete, die subtile und die meta-bewusste. Dabei erlangt das Ich immer mehr Perspektiven. Eine erste und zweite Perspektive bilden die erste, konkrete Schicht, die dritte und vierte die subtile Schicht und schließlich die fünfte und sechste die meta-bewusste Schicht.

In jeder Schicht muss ein Mensch erst einmal ein „Ich“ entwickeln, d.h. die 1., 3. und 5. Perspektive sind ich-orientiert. Danach wird das Wir „gelernt“ (2., 4. und 6. Perspektive). Schließlich gibt es bei jeder Perspektive eine frühe und eine späte Stufe. In der frühen Stufe „überfällt“ mich quasi die Perspektive. Sie ist da (man empfängt sie), aber man kann sie nicht steuern (priorisieren). Alles, was mich die Perspektive erkennen lässt ist gleich wichtig (heterarchisches Bewusstsein). In der späten Stufe kann ich die Perspektive aktiv-priorisierend nutzen und mich auf das (in dieser Stufe) Wesentliche fokussieren.

Somit gibt es vier Stufen je Schicht, insgesamt also 12 Stufen:

1. Perspektive: Egozentrische Ich-Perspektive. Es entwickelt sich ein Körper-Ich in der konkreten Schicht. Hier glaube ich, dass jede/r das sieht, was ich sehe. Zeitlich lebt die Person nur in der Gegenwart (Hier & Jetzt), d.h. es gibt keine Er-Innerung an Vergangenes.

  • Frühe Stufe 1.0: Meine Impulse steuern und beherrschen mich – ich BIN meine Impulse (ca. ab 6. Lebensmonat) und drücke sie spontan aus. Dies entspricht der Stufe Purpur in Spiral Dynamics.
  • Späte Stufe 1.5: Ich werde jetzt ein aktiver Egozentriker (Spiral Dynamics: Rot), kann meine Impulse steuern und sorge im Endeffekt nur für mich (ab 2-3 Jahre, viel Jugendliche, erwachsene Soziopathen). Entspricht dem roten Level.

2. Perspektive: Soziozentrische (regionale) Du-Perspektive. Die erste bewusste, konkrete Wir-Orientierung. Jetzt nehme ich Rücksicht, beachte Andere und will dazu gehören. Ich kann jetzt in den Schuhen des Anderen stehen („konkrete“ Empathie). Ich erinnere jetzt die Vergangenheit, d.h. jetzt ist ein Lernen aus Fehlern möglich. Die Zukunft ist nachgeplappert bzw. aus Vergangenem abgeleitet (zyklisches Zeitbewusstsein, Jahreszeiten, Bauernregeln). Entspricht dem blauen Level.

  • Frühe Stufe 2.0 (Regelorientiert): Andere Personen (Familie, Freunde, Kollegen) werden wichtig. Meine Zugehörigkeits-Bedürfnisse steuern und beherrschen mich – ich passe mich Anderen an, beachte sie, lasse mich von der Gruppe beeinflussen (auch mobben), lerne Regeln. Es entstehen Schuldgefühle, die mir signalisieren, wenn ich Fehler mache (meist ab Grundschulalter).
  • Späte Stufe 2.5 (Konformist): Die Person hat die kulturellen Regeln jetzt in sich (innere Stimmen, Selbstkontrolle), die Kontrolle von außen kann nun abnehmen. Notfalls erinnern mich andere an Regeln und ich tue das gleich mit Anderen. Bei Fehlern spüre ich Schuld- oder auch Schamgefühle. Ich bin unbeirrbar mein (mythisches) Glaubenssystem (ab Jugendlicher, viele Erwachsene).

3. Perspektive (Subtiles Ich): Weltzentrische Meta-Perspektive (alle Menschen). Analyse, Reflexion, Abstraktion. Die Identifikation mit einem mentalen Seelen-Ich löst das Körper-Ich ab. Entspricht dem orangen Level.

  • Frühe Stufe 3.0 (Experte): Ich werde von (subtilen) Ideen überflutet, kann sie aber nicht steuern/priorisieren (ab Pubertät/Volljährigkeit). Ich erkenne, wie man alles auch anders, vor allem besser machen könnte.
  • Späte Stufe 3.5 (Achiever): Jetzt kann ich meine Ideen priorisieren, mir Ziele setzen, Strategien entwickeln, mich und Andere (Prozesse) managen, sich selbst optimieren (sucht Coach). Idealer Manager, Unternehmer (Erwachsener).

4. Perspektive: Ökozentrische Perspektive umfasst alle fühlende Wesen. Ich werde zum Beobachter des Beobachters, bin kontextbewusst und denke systemisch-konstruktivistisch (Dekonstruktion bisheriger „Wahrheiten“). Erforschung von Innerlichkeit & Gefühlen (viele innere Stimmen). Bewusstes Hier&Jetzt umfasst Vergangenheit/Zukunft.

  • Frühe Stufe 4.0 (Pluralist): Das subtile Wir steuert mich, alle (auch alle inneren Stimmen) müssen gehört werden (keine Marginalisierung, multikulturell), Gefühle & Intuition sind wichtiger als der Kopf (meist erst ab 35.-45. Lebensjahr). Entspricht dem grünen Level.
  • Späte Stufe 4.5 ([integraler] Strategist): Die (funktionale) Steuerung des subtilen Wir ist jetzt möglich. Bewusste Integration aller bisherigen Stufen (jeder hat Recht, aber übersieht etwas). Idealer Coach und Berater von wertebewussten Menschen und Unternehmen. Entspricht dem gelben Level.

5. Perspektive (metabew. Ich): Transplanetare Perspektive, unmittelbare Wahrnehmung der eigenen Wahrnehmungs-Konstruktionen (konstruktbewusst) und Projektionen; Zeugenbewusstsein (zeitlos, ewig).

  • Frühe Stufe 5.0 (Konstruktbewusst): Ich nehme ständig meine eigenen Konstruktionen z.B. beim Sprechen wahr. Ich falle flashartig, unkontrolliert aus meiner Ich-Vorstellung (Übergang zum transpersonalen Bewusstsein). Entspricht dem türkisen Level.
  • Späte Stufe 5.5 (Transpersonal): Ich kann jetzt die 5.Perspektive steuern. Idealer spiritueller Coach & Lehrer.

6. Perspektive (metabewusstes Wir): Universelles Kollektiv. Vereinigung aller Polaritäten (bis zur Transzendenz und Immanenz), Ausstieg aus dem Wirbelsturm des komplexen Geistes des Konstrukt-Bewusstseins (Ruhe im Auge des Wirbelsturms). Metavisionen des grenzenlosen, ewigen EINEN.

  • Frühe Stufe 6.0 (Unitär): Zentrum im höheren Selbst (nicht Ego), ständige Multiperspektivität im Raum/Zeit-Kontinuum, …
  • Späte Stufe 6.5 (Illuminiert): Das Kollektive ist der Kósmós (materielle Welt, lebendige Welt, mentale Welt), universelle Evolution, häufig erscheinende Nondualität von Leere und Fülle (ewig, unendlich), Projektion von Leere in Fülle und umgekehrt (interpenetrativ).

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Revised Spiral Dynamics

Die Entwicklung der einzelnen Stufen von Spiral Dynamics werden verständlicher, wenn man sich bewusst macht, dass eine wachsende Perspektivfähigkeit die Grundlage von unterschiedlichen Stufen bildet. Nach einem archaischen Stadium (beige) beginnt in Purpur sich die erste Wahrnehmungsperspektive in impuls-gesteuerten Verhalten zu zeigen um dann voll ausgeprägt als (bewusste) Egozentrik in Rot zu erscheinen. Die 2. Perspektive (Du/Wir) führt zu Respekt und Anpassung (blaue Stufe). Die 3. Perspektive (sog. Metaperspektive) ermöglicht rationale Erkenntnisse und Reflexion (orange Stufe). Die 4. Perspektive beginnt in Grün (systemisch-konstruktivistische Sicht) und wird in Gelb funktionalisiert. Türkis basiert auf einer 5. Perspektive (awareness of awareness). Ein Pendant zur 6. Perspektive ist in Spiral Dynamics noch nicht definiert.

Was bei Graves und in Spiral Dynamics fehlt, sind die frühe (blaue) Stufe 2.0 und die frühe (orange) Stufe 3.0. Graves erkannte zwar richtig den ständigen Wechsel zwischen Ich- und Wir-Orientierung. In StAGES wird klar, dass die Abfolge ein Ich-Ich-Wir-Wir-Ich-Ich-Wir-Wir-… ist.

Außerdem entdeckte der Psychotherapeut Kim Barta, der Bruder von Terri O’Fallon, dass sich auf einer Stufe ungelöste Themen (sog. Schatten) der gleichen Stufe auf den vorherigen Schichten zeigen. Z.B. werden auf Stufe 3.5 (Achiever, spätes Orange) „alte“ 1.5er-Themen des roten Egozentrikers reaktiviert (ich glaube, jede/r hat schon 3.5-Manager erlebt, die manchmal sehr rot wirken). Oder bei 4.0 (grün) treten unbearbeitete 2.0-Themen (Angst, nicht dazu zu gehören; Anpassung an Gruppenmeinung) wieder hervor. Dadurch werden die von Graves zu Beginn der Forschungen gefundenen Kategorien (A, B mit Untergruppen a, b) nicht ganz richtig den vier Stufen D-Q (blau), E-R (orange), F-S (grün) und A‘-N‘ (gelb) zugeordnet.

  • Die autoritätshörige, selbstaufopfernde Haltung der Kategorie A-a ist aus meiner Sicht korrekt der Stufe Blau zugeordnet, wobei es sich dabei um die „späte“ zweite Wahrnehmungsperspektive (Blau, 2.5) handelt.
  • Personen der Kategorie A-b halten es für förderlich, das Selbst zurückzuweisen/aufzuopfern, um jetzt (von Kollegen, aber nicht Autoritäten) Akzeptanz zu bekommen (heterarchische Wir-Orientierung). Diese Orientierung gibt es sowohl im grünen Level (wie Graves es zugeordnet hat), aber auch in der frühen blauen Stufe 2.0, die sich extrem an ihre Peer-Gruppe (Freunde, Kommilitonen) heterarchisch ausrichtet, gleichzeitig noch kein hierarchisches (Autoritäts-)Bewusstsein hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass einige Studenten von Graves noch auf dieser Stufe waren, halte ich für hoch.
  • Die Kategorie B-a (bei Graves später Stufe E-R, orange) bringt das Selbst in berechnender Form und auch auf Kosten Anderer zum Ausdruck und lässt sich durch keinerlei Kritik beeinflussen. Das würde für mich am besten zur Stufe Rot (1.5) passen, evtl. auch zu den beiden Orange-Stufen (3.0, 3.5), dann ist es aber eher ein pathologische Form von Orange („roter Schatten“?).
  • B-b-Personen drücken ihr Selbst nicht auf Kosten Anderer aus, lassen sich aber durch die Kritik von Kommilitonen und Autoritäten beeinflussen. Bei Graves wurde daraus die Stufe A‘-N‘ (gelb). Es würde mich wundern, wenn in den 60er-Jahren schon Studenten auf dieser sehr reifen Stufe waren. Außerdem hat der „Gelbe“ ein autonomes Selbst, das sich zwar die Meinungen von Anderen anhört, sie aber auch einordnen kann, ob die Kritiker sein Konzept überhaupt verstanden haben. Vermutlich entspricht die Kategorie B-b einem gesundem Orange, tendenziell mehr 3.5 (vielleicht schon im Übergang zu grün) als dem besserwisserischen Experten (3.0), der maximal auf Menschen mit noch mehr Expertenwissen hört.

Später entdeckte Graves noch ein „Selbst impulsiv um jeden Preis zum Ausdruck bringen“ und bildete daraus die Stufe C-P (rot). Für mich hört sich das fast wie 1.0 (Purpur) an, was aber bei Psychologie-Studenten unwahrscheinlich ist. Es kann Rot sein oder eine andere Stufe mit 1.0-Pathologie, wie z.B. 3.0 (früh-oranger Experte).

Die Kategorie „Selbst aufopfern für existenzielle Wirklichkeit“ wurde zu B‘-O‘ (türkis). Aus meiner Sicht würde das auch zu einer gesunden grünen Stufe passen. Oder aber zu Gelb.

Meine vorsichtige Hypothese zu Graves ist, dass er vielleicht nicht bei Gelb, sondern im Übergang zu Grün war.

Kommen wir nun zu den einzelnen Spiral Dynamics-Leveln und wie diese an vielen Stellen beschrieben werden:

  • Beige: Immer wieder lese ich, dass Menschen in Kriegs- und Katastrophengebieten auf beige regredieren. Der Kontext wird zwar jetzt sehr beige (wie kann ich überleben?) und instinkthafte Überlebensstrategien (beige Fähigkeiten) sind jetzt nützlich, die Personen verlieren aber dabei nicht ihre höhere Weltsicht (Stufe). D.h. ein rationaler Mensch kann z. B. weiterhin, sofern ihn die Angst denken lässt, die Situation reflektieren. Aber Stammhirn und limbisches System können eine Zeitlang den Neokortex blockieren (und das lässt einen dann „beige“ erscheinen).
  • Purpur: Hier sind Menschen im Übergang zur ersten Wahrnehmungsperspektive, sie handeln aber weitgehend unbewusst impulsiv. Menschen auf dieser Stufe sind noch Teil ihres Stammes ohne bewusste Identität und Individualität. Viele Beschreibungen zu Purpur sind daher unzutreffend.
  • Rot: Das priorisierende Ich, der Machtmensch, Kämpfer, Held, Egoist wird in den meisten Fällen zutreffend dargestellt.
  • Blau: Hier wird das reife Blau (2.5.) im Wesentlichen korrekt beschrieben. Die frühe blaue Stufe (2.0) fehlt hingegen. Allerdings werden viele Experten/Technokraten (3.0, frühorange) für blau gehalten, da diese sich in vielen Kontexten gewohnheitsmäßig blau verhalten. Sie sind ja gerade dabei, sich aus der konkreten Schicht zu lösen und entdecken ein neues, subtiles Ich in sich – im Miteinander leben sie nach wie vor ein konkretes, blaues Wir. Dadurch enthalten einige Beschreibungen der blauen Ebene Elemente aus dem frühen Orange.
  • Orange: Die Differenzierung zwischen frühem Orange (3.0, Experte) und spätem Orange (3.5, Achiever) lässt die rationale Welt besser verstehen. Experten sind mit ihren Spezialkenntnissen wertvolle Mitarbeiter/innen im Unternehmen, sie verzetteln sich aber in ihren Ideen, da sie nicht priorisieren können. Sie haben daher Probleme mit Zeitplanung, Projekt-Management und Mitarbeiterführung. Einem Achiever hingegen fallen diese Aufgaben leicht und er ist daher ein guter Manager oder auch Unternehmer. Die Fähigkeiten eines 3.5er geht allerdings weit über das hinaus, was meistens in der Definition von orange steht. Ein Achiever ist offen für Neues, interessiert an Psycho-Logik, will sich selbst optimieren (und sucht erstmals aktiv einen Coach für sich) u.v.m. Aus dieser Seite wird dann die Beschreibung für gelb, insbesondere wenn der 3.5er im Übergang zu grün ist.
  • Grün: Hier wird vieles richtig dargestellt (Pluralismus, Relativismus, Ökologie-Denken, Gefühls-Orientierung, etc.). Aber die Großartigkeit dieser reifen Stufe, die man in dem Buch „In Over Our Heads“ von Robert Kegan nachlesen kann, wird zur Stufe türkis erklärt. Menschen auf der grünen Stufe 4.0 sind in der Lage, in intimen Beziehungen zu verschmelzen, können eine reife Spiritualität leben und sehen ihren Sinn darin, die Welt mit ihrem Licht zu erleuchten.
  • Gelb: Durch die falsche Kategorien-Zuordnung von Graves (s.o.) sind viele Beschreibungen dieser Stufe für mich Beschreibungen eines gesunden, reifen Orangen (s.o.). Das ist vermutlich auch der Grund, warum sich so viele für integral halten. Die Bezeichnung „systemisch“ für Gelb übersieht, dass auch spätes Orange im inter-objektiven Außen durchaus schon systemisch denkt (Kybernetik) und Grün mit der 4. Wahrnehmungsperspektive Kontexte in Kontexten erkennt und systemisch-konstruktivistisch (inter-subjektiv) denkt.
    Gelb denkt aus meiner Sicht meta-systemisch, sieht Systeme in Systemen in Systemen und kann daher jetzt alle Level bewusst differenzieren, wertschätzen und integrieren. Jede/r hat Recht, aber nur teilweise: ein Mensch braucht Nahrung und Schlaf (beige), die Kraft der purpurnen Wurzeln (Ahnen) , rote Durchsetzungsstärke, blaue Ordnung für ein respektvolles Miteinander, orange Vernunft und grüne Sensibilität. Neu ist, dass Gelb als späte 4. Wahrnehmungsperspektive eine aktiv, priorisierende Wir-Stufe ist. Die Wir-Orientierung ist bei Gelb nicht so sichtbar, wie bei Grün, das gerne in Gruppen zusammen ist (despektierlich: Kuschelgruppen). Im tiefsten Inneren macht sich Gelb ständig Gedanken über Andere, über funktionierendes subtiles Wir, beobachtet und bewertet (priorisiert) Intuitionen, Gefühle und hierarchisiert innere Stimmen und deren Bedürfnisse. Da im komplexen Big Picture-Denken wieder viel von außen sichtbare Kopfigkeit hinzu kommt, sieht, wie Wilber so schön sagt, Grün bei Gelb rot. Dadurch dass Gelb bewertend (hierarchisierend) aktiv ist hat die Stufe Ähnlichkeit zum Achiever, der auch aktiv priorisiert.
  • Türkis ist die frühe 5. Perspektive und damit eine Ich- und keine Wir-Stufe. Hier beginnt eine neue Schicht, d.h. der Übergang von Gelb nach Türkis ist ein großer Entwicklungsschritt, weil ich wieder (wie schon beim frühen orange) eine durch vier Stufen gebildete Ich-Illusion aufgeben muss: durch den Wechsel in die metabewusste Schicht verliere ich jetzt mein subtiles (Seelen-)Ich und erlebe flashartig immer häufiger sog. Zeugenbewusstseinszustände, in denen ich mich in der Drolligkeit meiner Ich-Illusion erlebe. Die Beschreibungen zu türkis sind in den meisten Fällen die Beschreibung einer gesunden grünen Stufe.

Eine bildliche Darstellung der erweiterten Spirale könnte folgendermaßen dargestellt werden:

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Autor

Lutterbeck Rolf

Rolf Lutterbeck studierte Anfang der 70er-Jahre Informatik an der Universität Dortmund (Abschluss als Diplom-Informatiker). Als Projektleiter von vielen Entwicklungsprojekten und später als Leiter der Software-Entwicklung (in einem internationalen TK-Unternehmen) sammelte er Führungserfahrung. 1990 wechselte er in die Unternehmensberatung (zunächst IT- und Organisationsberatung). Er begann in dieser Zeit zu meditieren und sich mit neuen Themen (NLP, visionsorientierte Veränderungsarbeit) zu beschäftigen. Dies führte dazu, dass er sich 1996 selbständig machte als Berater, Coach und Trainer für Unternehmer, Geschäftsführer, Führungskräfte, Selbständige und Privatpersonen.

Seit dem Jahr 2000 beschäftigt er sich mit Systemischen Strukturaufstellungen nach Prof. Varga von Kibéd und dem Integralen Ansatz von Ken Wilber. Daraus entwickelte er einen eigenen integral-systemischen Coaching- und Beratungsansatz, der auch spirituelle Aspekte umfasst und den er in seinen Seminaren vermittelt. Seine spirituelle Arbeit ist beeinflusst durch Ken Wilber (Integrale Spiritualität), Wulf Mirko Weinreich (u.a. Das neue Totenbuch) und Gerhard Höberth (Die Welt von innen).

Er ist Mit-Gründer und Dozent der DIA (Die Integrale Akademie), Mitglied im Integralen Forum, im infosyon (Internat. Forum für Systemaufstellungen in Organisationen und Arbeitskontexten) und er ist zertifizierter DVNLP-Lehrtrainer und Master Coach DVNLP. Neben Integralen Strukturaufstellungen und integralen Seminaren (z.B. Spiral Dynamics, StAGES, Retreats) bietet er kompakte Ausbildungen zum Integralen Strukturaufsteller (Practitioner- und Master-Stufe), zum Integralen (Business) Practitioner und zum Integralen Coach an.        

Aus- und Weiterbildung

  • Diplom-Informatik (Uni Dortmund)
  • Prozessberatung (TEMA)
  • DVNLP-Lehrtrainerausbildung (DVNLP-Zertifikat) und Master Coach DVNLP
  • Visionsorientierte Veränderungsberatung VoVa (Annegret Hallanzy)
  • Systemische Strukturaufstellung (ca. 30 Tage bei Prof. Varga von Kibéd, Uni München)
  • Kloptechnik PEP I und II (Dr. Michael Bohne)

Themenschwerpunkte

Integral-systemisches Coaching

Allparteiliche Lösungsfindung durch Einsatz u.a. von Quadrantenmodell, Spiral Dynamics, StAGES und Integralen Strukturaufstellungen

  • im Businessbereich für Geschäftsführer, Unternehmer, Führungskräfte, etc.
  • und privates Coaching (systemische Blockaden, [spirituelle] Sinnsuche, Persönlichkeitsentwicklung,..)
  • Einzelaufstellungen und offene Aufstellungs(halb)tage

Ausbildungen, Seminare

  • Ausb. zum Integralen Organisations- und Strukturaufsteller (IOSA) - Practitioner und Master,
  • Ausb. zum Integralen Anwender, Integralen Business-Practitioner und zum Integralen Coach
  • Spezialseminare zu den Themen Bewusstseinsentwicklung und Spiritualität
  • Retreats und Meditations-Workshops

Integral-systemische Beratung (für sinnsuchende Unternehmen)

  • Integrale, systemdynamische Businessanalyse
  • Begleitung postkonventioneller Unternehmen durch Aufstellungen, Coachings und Teamentwicklungs-Workshops
  • Vorträge über Werte, Bewusstsein, Führung, ...

Branchenkenntnisse (Referenzen)

  • Finanzdienstleister (Großbanken, Versicherungen), Konzerne, GKV, IT-Dienstleister, Institute
  • Beratungs- und Trainingsunternehmen, Anwaltskanzleien, Freiberufler, Coaches, Therapeuten
  • Non-Profit-Unternehmen

Veröffentlichungen

  • Artikel „Strukturaufstellungen – Eine ‚integrale’ und nützliche Analyse- und Problemlösungsmethode" in "Raus aus der Führungskrise" von Hans Wielens (Hrsg.), Kamphausen Verlag, Herbst 2006 (siehe hier)
  • Artikel "Integrale Aufstellungen für die persönliche Evolution" im Landsiedel Kongressband 2011
  • Vorträge über "Integrales Coaching" und "Integrales Business" auf DVD oder Youtube
  • Weitere Veröffentlichungen finden Sie hier.

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