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win – win – win für die Menschen, alle Wesen und die Umwelt

Ökologie ist außerordentlich komplex - daher ist der integrale Ansatz besonders gut geeignet, um Lösungen für die herausfordernden Probleme unserer Zeit zu finden. Das ist auch der Grund, warum das State of the World Forum mit diesem Ansatz arbeitet. Viele Entscheidungen, die z. B. das Weltklima betreffen, fallen im moralischen Dilemma, d. h. dass zwischen teils völlig entgegengesetzten und dennoch berechtigten Interessen ein praktikabler Ausgleich gefunden werden muss.

Daher gibt es die so sehr gewünschten einfachen Lösungen nicht. Meist geht es darum, dass alle Beteiligten auf Teile ihrer Wunschvorstellungen verzichten. Einzelindividuen und Interessengruppen haben durchaus berechtigte Anliegen und lernen manchmal erst über schwierige Erfahrungen, zu kommunizieren und Ergebnisse auszuhandeln. Wenn dabei aus AQAL-integraler Sicht wenigstens alle vier Perspektiven und einige Ebenen im Bewusstsein gehalten und berücksichtigt werden, sind die Chancen deutlich besser, in Richtung Win-Win-Win (für die betroffenen Parteien und die Umwelt) zu gehen.

Bislang sind die Machtunterschiede groß und weltweit wird der unverantwortliche Umgang mit Ressourcen nach wie vor eher belohnt als bestraft. F. J. Radermacher beschreibt es in ‚Global Impact‘ eindringlich, es ist manchmal wie ein Gefangenendilemma, wo diejenigen, die das eigentlich Richtige tun, dadurch zunächst Nachteile in Kauf nehmen und die anderen kurzfristig Vorteile erlangen. Dazu kommt, dass im ökologischen Umfeld die Retroromantik blüht, prä- und postmodern Orientierte pflegen hartnäckig antimoderne Ressentiments und favorisieren unterkomplexe Lösungsansätze. Monofokussierte Nichtregierungsorganisationen vertreten nicht selten nur partikulare Interessen, Perspektiven, Ebenen.

Wir können die Perspektiven der Quadranten nutzen, um Wissen zu generieren, Herausforderungen zu diagnostizieren und Lösungswege zu beschreiben.

WAS ICH ERFAHRE

Wir können die innerliche individuelle subjektive Realität von Menschen herausfinden (OL). Im inneren Kontext spielen Selbstidentität und Bewusstheit eine Rolle, Intentionen, Werte, Haltungen, (religiöse) Glaubenssätze, kognitive Kapazität, (Aus-)Bildungsstand, emotionale Intelligenz, Motivation, Wille, Verantwortung, Grad des Kümmerns um Andere und die Umgebung. Das sind überwiegend psychologische Einflüsse, es geht dabei auch um ein Verständnis über die eigene Rolle in der Gemeinschaft und den Einfluss auf die Umwelt, persönliche Ziele und Selbstwahrnehmung, hat jemand Verbindung zur Natur oder ist er/sie ein Stadtkind?

Als Veränderungswerkzeuge können hier Therapien eingesetzt werden, religiöse oder spirituelle Beratung, Typenanalysen nach Enneagramm, Myers-Briggs oder anderen, phänomenologische Innenschau, Selbstbefragung, Introspektion, Meditation, Tagebuchschreiben, Ziele setzen, Emotionstrainings, in die Natur gehen, Vision quest, Mitgefühlsübungen...

WAS ICH TUE

Die verhaltensgemäßen Einflüsse (OR) umfassen objektive externe Realitäten, Fähigkeiten, Gewohnheiten, Verhaltensweisen, Handlungen; empirisch messbare individuelle Qualitäten, sowie physische Gesundheit und biologisches Können. Es geht um Energielevel, Ernährungsgewohnheiten, prä- und postnatale Betreuung, Geburtenkontrolle, wie wird mit Gesetzen, mit Geld usw. umgegangen, ist sauberes Wasser verfügbar, werden Computer genutzt ...

Veränderung bewirken können hier u. a. Ernährungsumstellung, Hygienemaßnahmen, Sport, Medikamente, Gewichtskontrolle, allopathische und/oder alternative Medizin, Ausbildung, klare Regeln und Führung durch respektierte Autoritäten, Einsatz von Filter- und Umwelttechniken, alternative Strom- und Wärmeerzeugung.

Nur aus einer übergreifenden Sicht können Lösungen entstehen, die größere Kontexte umfassen und mehr Wesen fürsorglich einbeziehen.

WAS WIR ERFAHREN

Bei den kulturellen Einflüssen (UL) greifen die intersubjektiven inneren Realitäten von Gruppen, ihre Kulturen und Weltsichten, geteilten Werte, kulturelle Normen, Gewohnheiten, Übereinkünfte zu Ethik, Beziehungen, Symbole, Sprache, geteilte Bedeutung, Resonanz, Kommunikation. Es geht um kulturelles Passen, kollektive Visionen, Beziehungen innerhalb von und zur Gemeinschaft, familiäre Organisation, Tabus, Stigmatisierungen, Sprachbarrieren, kollektive Interpretation von Macht, Klassen-, Rassen-, Geschlechtsdifferenzen, kollektive Wahrnehmung der Umwelt und deren Verschmutzung.

Zur positiven Veränderung können hier beitragen: Dialog, regionale Entwicklung, Mitspracherechte, konsensorientierte strategische Planung, Organisationslernen, religiöse oder säkulare Unterstützungsgruppen, vertrauensbildende Maßnahmen, teilnehmende Beobachtung, gemeinsame Visionen, Geschichtenerzählen, kollektive Teilnahme und Introspektion, Gruppentherapie, Entwicklung von sprachlichen und kommunikativen Fähigkeiten.

WAS WIR TUN

Systemische Einflüsse (UR) betreffen die sozialen Systeme und ihre Umwelten, die interobjektiven äußerlichen Realitäten von Gruppen. Es geht um sichtbare Gesellschaftsstrukturen, Produktionsweisen (wie stabil sind sie ökonomisch, politisch, sozial, informationstechnisch, bildungsbezogen, technisch?). Was bewirken Strategien, Maßnahmen, Arbeitsprozesse, natürliche Systeme, Prozesse und Interaktionen in der Umwelt? Wie sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen, sind Rassen oder Geschlechterungleichheiten vorhanden, ist die Ernährung sichergestellt? Welche Rückmeldeschleifen, Schutzmechanismen, Aufbauprozesse funktionieren wie?

Hilfe zur Veränderung sind hier u. a. Thinktanks für systemisches und komplexes Denken, kybernetische und Chaostheorien, Organisation von Stakeholdern, Mikrokredite, Sozialunternehmen, Steuern für Umweltbelastungen, organisierter Protest, Einfluss auf Politik.

Ökologie und Bewusstseinsstrukturen

Sean Esbjörn-Hargens beschreibt, aufbauend auf Forschungen von Clare Graves, Don Beck und Chris Cowan, wie Menschen mit Stammes- und Kriegerbewusstsein, mit traditionellem, modernem und postmodernem Bewusstsein in ökologischen Fragen denken und handeln.

 

Öko-Radikale

vertreten eine Gleichheitsmentalität, sie sind postmodern, wollen die Natur für die Menschheit und um ihrer inneren Werte willen retten.

Motto: Befreie alle Menschen und alles Leben von Habgier und Herrschaft, schütze global die Bevölkerungen, fördere Gemeinschaft und Einheit, Konsens, soziale Verantwortung, Political Correctness, Tiefe Ökologie, Ökofeminismus, soziale Ökologie, Rechte für Tiere, Ökopsychologie, Umweltgerechtigkeit, teile die Ressourcen. Ist oft biozentriert.

Sie erzeugen einen Sinn von Dazugehörigkeit, Teilen, Harmonie, beweisen Sensibilität für menschliche Belange, Natur und andere, fordern ein verbessertes Bewusstsein, Selbst-Verstehen und Befreiung der Unterdrückten, benutzen Symbole der Gerechtigkeit, Menschlichkeit und Verbundenheit, eine einfühlsame Sprache und Naturmetaphorik, bauen auf Vertrauen, Offenheit, erforschen Wachstum, präsentieren echte Menschen und authentische emotionale Darbietungen, ermutigen zur Mitgestaltung, zu Teilen und Konsens, Teamarbeit und Gemeindemitarbeit.

 

Öko-Strategen
mit ihrer rationalen Mentalität geht es um Fortschritt, Wohlstand, Unabhängigkeit, finanziellen Erfolg und das „gute Leben“. Dafür benutzen sie die Natur, teils zum Spaß aber auch für den Gewinn. Sie wenden Wissenschaft und Technologie an, bringen universelle Rechte, glauben an die unsichtbare Hand im Wirtschaftsprozess, verbessern das Leben und fördern Wohlstand durch Wettbewerb. Sie etablieren die Wissenschaft der Ökologie, Städteplanung, Nützlichkeitsperspektive, Umweltpsychologie, industrielle Landwirtschaft.

Entscheidungen die das Weltklima betreffen, müssen im moralischen Dilemma zwischen teils völlig entgegengesetzten und dennoch berechtigten Interessen fallen.

Öko-Manager
haben eher eine Verwaltermentalität, halten die Ordnung aufrecht und folgen dem Gesetz (göttliches oder staatliches Gesetz), bewahren Harmonie und Stabilität, bewirtschaften die Natur für zukünftigen Nutzen, folgen höheren Autoritäten und Regeln, um Bestrafung zu vermeiden. Hier wird die Erde als Garten Eden gesehen, aus diesem Denken entstanden die Pfadfinder, erste Umweltgesetze und Umweltschutzorganisationen, sowie der Tierschutz.

Es geht um Pflicht, Ehre und Land, Disziplin und Gehorsam gegenüber einer höheren Autorität, Aufruf zur Bürgerpflicht, Verantwortung und Selbstaufopferung für eine höhere Sache oder Tradition, Gesetze, Stabilität, Ordnung.

 

Öko-Kämpfer
haben eine heroische Mentalität, sie erobern die Natur, wollen Selbstbehauptung über das System oder die Natur, Macht und Freiheit gewinnen, Respekt, achten nur das ‚Gesetz des Dschungels’, zeigen impulsive und umgehende Reaktion, Zähigkeit, Einsatzbereitschaft, Straßenkämpfermentalität, Überlebensfähigkeiten.

Bsp.: Earth First! Öko-Terrorismus, stoische Bergbesteiger, Extremsportler, Trophäensammler mit Frontmentalität, Autonomes Wohnen jenseits des Systems. Hören nur auf klare Ansagen, Personen mit anerkannter Macht, empfohlen oder gefürchtet von anderen, gefeiertes Idol mit Ruf.

Öko-Wächter

haben eine romantische Mentalität, Hochachtung vor der Natur, wollen Rückkehr zum verlorenen ökologischen Paradies, achten Stämme, Magie oder unsichtbare Kräfte, Methoden, Bräuche, Rituale, Übergangsrituale (rites of passage) der Ahnen. Wollen sich mit der natürlichen Welt verbinden, nutzen kulturell Phänomene wie Omen, Ältestenrat, Abstammung, Schamanen und Hexen, Erdgötter-Gruppen, Naturanbetung, Hexenkult, Ansichten der Ureinwohner. (Diese Beschreibung von Esbjörn-Hargens trifft weniger auf real stammeskulturelles Denken, sondern viel eher auf postmoderne romantische Sichten zu).

Hilde Weckmann, Mag. Rer. Soc. Oec.und Dipl. Pol., GF BioBrotBox gGmbh, über 20 Jahre Geschäftsführerin Naturkostgroßhandel, Leitung integraler Salons in Berlin, Vorstand Integrales Forum, div. Buch- und Zeitschriftenbeiträge zu politischen, ökologischen und wirtschaftsbezogenen Themen.

 

Quelle: IP 17, 2010

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