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Der Schlüssel, um einen Ausweg aus der Angst und einer von Angst geprägten Gesellschaft zu finden, liegt nach meinem Eindruck im Reichtum der gemeinsamen Gesellschaftsgestaltung – bei der es darum geht, dass es allen gut geht, nicht nur materiell, sondern dass wir alle das bekommen, was wir brauchen, und das beitragen können, was wir beitragen wollen. Der Reichtum, den wir erleben, wenn wir unser Inneres frei mit anderen teilen (also den gesellschaftlichen inneren Quadranten überhaupt erst wirklich beleben), ist grenzenlos. Ich vermute, dass wir Reichen und die Superreichen, wenn wir diese Erfahrung machen, dahin kommen, die materielle Unersättlichkeit als einen schalen Ersatz zu erkennen. Bekämpfen wir die Unersättlichkeit, schaffen wir Angst, stauchen andere (und uns selbst) in sie zurück und schaffen mit Sicherheit das Gegenteil dessen, was wir zu wollen meinen.

Auch das ist nach meinem Verständnis ein Weg der Liebe. Sie bringt allerdings im Gesellschaftlichen wie im Persönlichen eine Menge Schwierigkeiten mit sich. Je mehr ich mich öffne, umso lebendiger werde ich, aber auch umso verletzbarer. Und ich werde unausweichlich mit allen Schattenseiten konfrontiert. Nicht auf einmal, aber nach und nach – was gereicht hat, um vor der Liebe immer wieder Reißaus zu nehmen. Es ist also ein Weg des Kampfes. Der Unterschied ist (er könnte nicht wesentlicher sein): Diese Kämpfe habe ich in mir auszutragen – und das Schwierigste in ihnen besteht darin, die eigene Angst auszuhalten und dann allmählich zu halten, das heißt, sich selbst zum Gefäß zu werden.

Carl Polonyi

 

Liebe Leserinnen und Leser der Integralen Perspektiven,

in dieser reichhaltigen Sommerausgabe freuen wir uns, Ihnen in Zusammenarbeit mit unserem DIA-Partner IFIS (Institut für Integrale Studien) und dessen LiFT-Projekt sowie der IP Schweiz Beiträge zur Umsetzung Integraler Politik vorzustellen.

Zum Thema unserer diesjährigen IF- Herbst-Konferenz „Integral und Welt“ (die auf Grund von Corona als online summit stattfinden muss) beschäftigen wir uns im Integralen Forum mit den grundlegenden Fragen der Wirksamkeit des Integralen Ansatzes in Kultur, Bildung, Politik, Ökologie und Wirtschaft. In dieser und den nächsten Ausgaben schreiben und berichten für Sie Pioniere aus Unternehmensberatung, neuer Führungskultur, Gemeinschafts- und Kommunalinitiativen, sowie politisch und integral engagierte Menschen, die wir Ihnen auch in Portraitgesprächen und Zoom-Debatten vorstellen möchten.

Ganz besonders freuen wir uns an der Stelle auch über die Erweiterung unseres Medienteams durch unseren on-the-road-Mitarbeiter Lennart Tjarks, über Tanja Sieger mit Berichterstattung der Integralen Politik Schweiz und mit Michael Högger von der Gebser Gesellschaft Schweiz. In den kommenden Ausgaben erwarten Sie so viele Berichte über spannende Projekte und Menschen, die „Integral und Welt“ als aktueller Prozess des Wandels mutig und innovativ bewegen.

Ein ganz besonderer Dank gilt in dieser Ausgabe IFIS-Geschäftsführerin und Konferenz-Keynote Elke Fein, die mit ihrem LiFT-Projektteam und mit uns gemeinsam diese umfangreiche Ausgabe zusammengestellt und lektoriert hat.

Wir freuen uns über solche spannenden Synergien und wünschen all unseren Leserinnen und Lesern einen erholsamen, sonnigen Sommer.

Für das IF-Medienteam

Cordula Frei und Martin Heil

 

Liebe Leser/innen der Integralen Perspektiven, liebes IF-Medien-Team,

den herzlichen Dank gebe ich gerne zurück an Euch vom Integralen Forum für die Gelegenheit, die vorliegende Ausgabe der IP mitzugestalten und auf diese Weise unser Aktionsforschungsprojekt Leadership for Transition Politics sowie einige erste Ergebnisse und Impulse daraus einem breiteren integral informierten Leserkreis vorzustellen.

Die Gleichzeitigkeit mehrerer Großkrisen scheint heute mehr denn je nach einer integral informierten Politik zu rufen. Zugleich ist die Vision einer integralen Politik ein Generationenprojekt. Der hierfür nötige Paradigmenwechsel, ein tiefgreifender Wandel unserer politischen Kulturen, besteht aus unzähligen kleinen und kleinsten Schrittchen (Microshifts), die jeder und jede von uns zunächst im eigenen Bewusstsein vollziehen und alsdann im gelebten Alltag umsetzen, wiederholen und zu neuen Gewohnheiten werden lassen muss. Nur so kann daraus allmählich ein „neues Alphabet des Lebens und Zusammenlebens” (Bernd Scherer, F.A.Z. vom 29.4.2020) entstehen.

Für ein Zusammenleben, das die Grenzen unseres Heimatplaneten genauso achtet wie die Vielschichtigkeit unserer Bedürfnisse, braucht es eine Politik, die die verbreitete Kompensation sozialer, interpersoneller und existenzieller Bedürfnisse durch materiellen Konsum beendet – und die so den Zwang zu immer mehr materiellem Wachstum durch mannigfaltige Gelegenheiten zu innerem Wachstum ersetzt.

Diese Ausgabe der IP ist eine Einladung, an einer solchen integralen Politik mitzubauen.

Freiburg, im Juli 2020

Dr. Elke Fein

 

  

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