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Wenn Sie mich fragen, ob ich glaube, dass es in der Welt, wie ich sie im Außen gerade erlebe, etwas zu tun gibt, lautet meine spontane Antwort: Ja, unbedingt. Und jedes Mal, wenn ich mit Aktivistinnen und Aktivisten spreche, erhalte ich ohne Zögern eine ähnliche Antwort. Dabei spielt es keine Rolle, ob es Menschen sind, die NGOs gegründet haben, um Schulen in Indien aufzubauen, Menschen, die als Clowns ohne Grenzen Reisen in Krisengebiete machen, Menschen, die ihre Freizeit hergeben, um unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen Nachhilfe zu geben, oder Menschen, die seit Wochen die Fridays for Future-Demos besuchen.

Ich schicke das voraus, weil ich im folgenden Text ein paar Fragen aufwerfen und ein paar Dinge benennen werde, die den Eindruck erwecken könnten, ich glaube nicht an die Wirksamkeit von Aktivismus oder rate gar von Aktivismus ab. Das ist nicht der Fall. Ganz im Gegenteil. Dennoch komme ich nicht umhin, diese Fragen zu stellen und die entsprechenden Aspekte zu benennen. Auch wenn sie manchmal unangenehm sind. Und zwar unangenehm für mich selbst, wenn ich mich ihnen stelle. Aber eben auch unangenehm für andere, denen ich mit diesen Fragen begegne. Ich merke das daran, dass das Interesse an einem solchen Gespräch schnell abflaut und oft sehr schnell die Gegenfrage kommt, ob ich mein Gegenüber denn von den Aktionen abhalten wolle, mit denen es die Situation in der Welt verbessern möchte.

Das will ich natürlich nicht. Aber dennoch fällt mir auf, dass es im jeweiligen Wir vieler Aktivisten-Kreise eine oder mehrere unausgesprochene – und oft auch unbewusste – Übereinkünfte und Vorannahmen über die Welt gibt und sich daraus Tabus ergeben. Ein Tabu ist zum Beispiel, zu hinterfragen, ob die Menschen, die aktiv werden, sich ausreichend mit der Situation beschäftigt haben, der sie mit ihrem Aktivismus begegnen, um die Welt zu verbessern. Ein weiteres Beispiel für ein solches Tabu ist die Frage nach den Bewertungskriterien, die angelegt werden, wenn es um „Verbesserung“ geht. Noch schwieriger wird es, wenn ich danach frage, was die Beweggründe derer sein könnten, die „Schlechtes“ tun oder Situationen in der Welt schaffen, die zu Leid führen. Praktisch unmöglich wird ein Dialog zum Thema Aktivismus, wenn die Frage gestellt wird, in welcher Form denn diejenigen, die eine Verbesserung erfahren sollen, darum gebeten haben. Ich stelle das hier ein bisschen vereinfacht dar, aber ich denke, das Prinzip wird klar.

Einige Strömungen, die alle unter dem Namen ‚neuer Aktivismus‘ zusammengefasst werden, scheinen Antworten zumindest auf einen Teil der Fragen zu haben, die ich hier stellen werde. Oft handelt es sich dabei aber nur wieder um
„klassischen“ Aktivismus, der entweder eine spirituelle Ebene als Rechtfertigung für die Handlungen nutzt oder auf der Basis anscheinend humanistischer oder fortschrittlicher Wertesysteme eben das „Richtige“ tut. Im Gegensatz zu denen, die es „halt noch nicht verstanden haben“. Tiefenökologische Ansätze sind ein Beispiel dafür. Oder zum Beispiel Menschen, die meditieren und das damit begründen, dass mehr Bewusstsein die Welt retten werde.

An dieser Stelle noch mal der Hinweis: Ich sage weder, dass diese Bewegungen schlecht sind, noch, dass sie nichts bewirken. Ganz im Gegenteil. Aber ich frage durchaus danach, von welchem inneren Ort aus sowohl bei den Einzelnen als auch im jeweiligen Wir die entsprechenden Aktionen Gestalt annehmen. Und selbst hier bewerte ich das nicht. Denn: Was spricht gegen eine Veränderung, die Menschen hilft, auch wenn sie aus einer Motivation heraus geschieht, die zum Beispiel auf Unbewusstheit und Unklarheit oder gar auf egoistischen Beweggründen beruht? Das allerdings ist eine moralische oder zumindest ethische Fragestellung, um die es mir hier nicht geht. Mit dieser und ähnlichen Fragen haben sich schon viele Menschen beschäftigt und es gibt eine Fülle an Antworten darauf.

Ich möchte mich hier ein paar heiklen Themen nähern, die deswegen so heikel sind, weil sie anscheinend Gültiges hinterfragen. Nicht infrage stellen. Diese Unterscheidung ist mir wichtig. Sich den Fragen und Themen zu stellen, die ich hier aufwerfen werde, könnte mit der Sorge oder der Einsicht verbunden sein, dass der eigene Aktivismus letzten Endes nicht mehr war als das, was im Wörtchen „eigen“ steckt. Etwas, das man für sich selbst getan hat. Jedoch ist es genau das, worauf ich hinauswill. Den inneren Aktivismus. Das Arbeiten an sich. Eben den unsichtbaren Teil von Aktivismus, der so oder so passiert. Was dabei den Unterschied macht – so meine These und meine eigene Erfahrung sowie meine Erfahrung aus der Arbeit mit und dem Beraten von Menschen – ist das Maß an Bewusstheit, innerer Konfliktbereitschaft und der Bereitschaft, die eigenen, versteckten Motive zu erkennen und anzuerkennen. Aber in einer postmodernen Welt sind persönliche Motive bisweilen als egoistisch in Verruf geraten – eines dieser oben angesprochenen Tabus im postmodernen, westlichen Wir.

Mir ist vollkommen klar, dass die Arbeit an sich selbst, an all den inneren Krisengebieten, Konflikten und unterversorgten Regionen mindestens genau so viel Zeit kostet, wie die Arbeit an den „Missständen“ im Außen. Und natürlich ist eine Übereinkunft in allen Kreisen, in denen Menschen im Außen aktiv sind, um die Welt zu verbessern, die, dass etwas getan werden muss. Nichts tun im Außen ist oft ein weiteres Tabu in einem Wir, das sich über den Aktivismus definiert. Egal, ob das ein großes Netzwerk wie Avaaz.org ist (das ich absolut befürworte) oder eben kleine Vereine oder Privatinitiativen sind, die sich um Missstände im Außen kümmern.

Nun ist mein Vorschlag auch nicht der, sich nur noch sich selbst zuzuwenden und zu wachsen und dabei im Außen nicht mehr aktiv zu werden. Obwohl ich zugeben muss, dass ich persönlich auch einen solchen Aktivismus voll anerkenne und ihn nicht als besser oder schlechter ansehe als einen Aktivismus im Außen. Aber ich schreibe diesen Text in erster Linie mit einem aktuellen Massenphänomen vor Augen: Mensch, die ihre Zeit und ihre Energie in erster Linie für Aktionen im Außen aufwenden, immer mit der Frage, was sie machen können, um die Welt zu verbessern, Zerstörung aufzuhalten und benachteiligten Menschen zu helfen. Und mit immer neuen Ideen, welche Aktion dazu beitragen könne. Eben klassischer Aktivismus.

Bevor ich jetzt ein paar der hartnäckigeren Fragen und mögliche inneren Konflikte ansprechen, die jede Form von Aktivismus im Außen bei mir aufwirft, möchte ich noch zwei Dinge ansprechen.

Die erste Sache wäre: Was ist eigentlich Aktivismus? Die Beantwortung dieser Frage füllt Bücher. Für die Zwecke dieses Textes hier nur eine grobe Arbeitsdefinition – nur um sicherzustellen, dass wir über dasselbe reden. Wenn Sie nicht einverstanden sind mit dieser Beschreibung, dann passen Sie meine Definition bitte entsprechend an Ihre an.

Menschen, die im Außen aktiv werden, egal, ob politisch, ökologisch oder sozial, tun dies in der Regel aus einer Motivation heraus: Sie wollen eine Verbesserung sehen in der Welt und möchten das Ihre dazu beitragen. Die meisten haben dabei eine Vorstellung davon, wie die Welt idealerweise aussehen solle. Mit dieser Ausrichtung suchen sie nach Dingen, die sie tun können, um eine Veränderung in die entsprechende Richtung in die Welt zu bringen. Dieses bewusste Tun nenne ich Aktivismus. In der Regel beziehen sich Aktivistinnen und Aktivisten auf ein Wertesystem, das sie mit mehreren Menschen teilen. Also auf ein Wir. Das können kleinere Gruppen sein, eine ganze Bewegung, wie die Anthroposophie oder die Tiefenökologie, oder eben gesellschaftliche Strömungen wie die Postmoderne.

Die zweite Sache, die ich erwähnen möchte, ist, dass ich all diese Fragen stelle und die Fallen bzw. inneren Konflikte benenne mit der Idee, den inneren und den äußeren Aktivismus gleichzeitig und in einer Parallelbewegung zu leben. Also sowohl im Außen bewusst zu handeln, um gewünschte Veränderungen in die Welt zu bringen, als auch, sich den bisweilen unangenehmen und unlösbaren Fragen im Innen zu stellen. Im Innen am besten permanent. Frei nach Rainer Maria Rilke: „Forsche jetzt nicht nach den Antworten, die dir nicht gegeben werden können, weil du sie nicht leben kannst. Und es handelt sich darum, alles zu leben. Lebe jetzt die Fragen, vielleicht lebst du dann allmählich eines fernen Tages in die Antwort hinein.” Was in dieser Formulierung nach einer romantischen Idee klingt, ist für mich die Quintessenz der Kombination von innerem und äußerem Aktivismus. Das andauernde Bemühen und Ringen darum, nicht nach Lösungen zu suchen, sondern bewusst und absichtsvoll den inneren Raum zur Verfügung zu stellen, damit sich in diesem Raum Konflikte zeigen dürfen, sich entfalten können und so ein bewussterer und komplexerer Ort im Innen entsteht, der dann der Ausgangspunkt für äußeren Aktivismus ist. Im Innen forschen und neugierig sein, statt ausschließlich der Idee einer Lösung im Außen aufzusitzen, ist das Motto. Und was ist ein besserer Rahmen für diese Übung als die Interaktion mit dem Außen? Ich werde wieder darauf zurückkommen.

Natürlich liegt der Fokus in diesem Text mehr auf dem inneren Aktivismus. Schon allein, weil der äußere, der laute, der kämpferische – eben der sichtbare – Teil von Aktivismus so viele Foren hat, dass auch dieses Ungleichgewicht sowohl eine Manifestation verschiedener Übereinkünfte im Wir ist als auch diese Übereinkünfte stützt und festigt. Eine davon ist die oben schon erwähnte Haltung, „Alles ist besser als gar nicht aktiv zu werden“. Dennoch ist meine Aussage nicht, sich nur noch mit sich selbst zu beschäftigen und das Außen zu vergessen. Dann wäre es ein Weg der persönlichen Entwicklung, der einen essenziellen Teil vergisst oder eben auch nur wieder ins Unbewusste rutschen lässt: das Außen.

Die Reduktion aufs Individuum

Um den ersten Aspekt anzusprechen, nehme ich gleich eine Fragestellung des äußeren Aktivismus zum Ausgangspunkt: Wie – so lautet eine gängige Frage – lassen sich komplexe, hartnäckige Situationen überhaupt ändern? Eine Antwort ist sehr oft: indem die Menschen, die etwas zu sagen haben, umdenken. Doch da fehlt die zweite Hälfte der Antwort: Jede Situation – egal, wie klein oder unbedeutend – ist immer bestimmt sowohl von mindestens einem Wir als auch von den Individuen, die dieses Wir tragen. Die oben genannte Antwort reduziert die Handlungen auf den Ich- Aspekt, also die Menschen, die eine Situation mittragen. Ein Grund dafür ist die Tatsache, dass die meisten von uns sich ein Wir nicht vorstellen, geschweige denn, es adressieren oder mit ihm in den Kontakt treten können. Nehmen Sie zum Beispiel den Klimawandel. Wie, bitte, sage ich dem Klimawandel, dass er seine Richtung ändern oder gar ganz aufhören soll? Oder die Flüchtlingsströme: Sagen Sie mal einem Flüchtlingsstrom, wie er sich doch besser verhalten solle, damit alle aufnehmenden Länder ihr Bestes geben können und sich nicht auch noch untereinander bekämpfen. Diese beiden Beispiele bedeuten nicht, dass ich diese Themen nicht ernst nehme. Das Gegenteil ist der Fall. Eben weil ich all das sehr ernst nehme, komme ich nicht umhin, die Reduktion zu bemerken, die sehr häufig im klassischen Aktivismus aus einer Art Hilflosigkeit heraus geschieht.

Die meisten von uns können nämlich, wenn es um Aktionen im Außen geht, vor allem eines: andere Menschen oder sogar sich selbst zum Ziel dieser Aktionen machen.
Das reduziert jede Situation auf die Individuen, die Teil dieser Situation sind, lässt aber das Wir, das die Situation genau so bestimmt, außer Acht.

Ein Teil des inneren Aktivismus könnte also sein, eine Situation, die wir im Außen ändern wollen, komplett ankommen zu lassen; das Wir oder eben die Wir-Aspekte direkt zu erleben. Ein Weg dahin ist der, der Situation den gesamten eigenen inneren Raum zur Verfügung zu stellen. Oder eben das innere Pendant zur unerwünschten äußeren Situation zu suchen. Die Schwierigkeit? Es könnte die Erkenntnis dabei entstehen, dass es eine unlösbare Aufgabe ist, etwas ankommen zu lassen, das an sich kein Gegenüber ist, weil es keine Ich-Instanz hat. Oder es könnte passieren, dass sich das Wir einer unerwünschten Situation in seiner vollen Komplexität und Schönheit offenbart, was die meisten in einen Zustand von Hilflosigkeit versetzen würde, weil alle gängigen Bewertungskategorien verschwimmen. Denn Bewertungen gehen immer von einem oder mehreren Subjekten aus, nie jedoch von einem Ich- losen Wir. Und wenn da Bewertungskriterien auftauchen, dann sind es meistens sehr widersprüchliche oder sie weisen auf ein weiteres Wir hin, von dem das betrachtete Wir nur ein Teil ist.

Außerdem ist es für viele von uns etwas sehr Beängstigendes, in den Kontakt mit einem Wir zu treten. Wir kennen nur das Erleben aus einem Ich-Gefühl heraus. Ein Wir direkt zu erleben, hieße unter anderem, unser Ich-Gefühl, also diese grundlegendste aller sicherheitsgebenden Erfahrungen – zumindest temporär – loszulassen.

Aktionen im Außen zu entwickeln und durchzuführen, die zwar die Ich-Aspekte, nicht jedoch die ebenso wirksamen Wir-Aspekte adressieren, würde bedeuten, nur die eine Seite der Situation verändern zu wollen. Der weitaus hartnäckigere und trägere Teil der Situation, nämlich das Wir (oder die Vielzahl von Wir), würde sich unentdeckt und damit umso mächtiger gegen jede Veränderung stellen. Eine kurze Erklärung zum Thema „Ich und Wir“ finden Sie am Ende des Textes in der Anmerkung.

Der Kampf gegen den Feind

Eine besondere Ausprägung der Reduktion einer Situation auf die Ich-Aspekte, also auf die Individuen, die an der Situation beteiligt sind, ist es, sich einen Feind zu schaffen. Eine Situation ist untragbar in unserer individuellen oder intersubjektiven Bewertung? Wir schauen, wer sie verursacht und machen denjenigen oder diejenigen zum Feindbild, den oder das wir dann bekämpfen. Nichts vereint Menschen mehr und lässt sie weiter gehen als ein mächtiger Feind, den es zu bekämpfen gilt.

Nun gibt es da aber wieder ein kleines Problem: Wir wollen durch unseren Aktivismus die Menschen erreichen, die die Macht haben, eine Situation zu ändern, und diese zum Umdenken oder gar zum anders Handeln bewegen. In der Regel sind das genau die Menschen, die wir zuvor zu Feinden gemacht haben. Die Bösewichte. Ruchlosen und profitorientierten Konzernbosse, Schlepperbanden, Tyrannen und War-Lords, SUV-Fahrer und Kapitalisten usw. Eben die, von denen wir eigentlich sagen, sie verursachen die Situation, die Schlechtes in die Welt bringt. Und nur zur Erinnerung: In einer postmodernen Welt, in der ja alle irgendwie gleich sind, sind halt die die Bösewichte, die noch nicht verstanden haben, dass alle gleich und dass Gleichheit, Allgemeinwohl und Harmonie die obersten Werte sind.

Nun ist aber auch hinlänglich bekannt, dass man Menschen – wenn überhaupt – nur im Kontakt zum Umdenken und anders Handeln bewegen kann. Zwang hat in der Regel Widerstand zur Folge. In dem Moment, in dem ich andere aber zu Schuldigen, zu Bösewichten oder zu Feinden mache, tue ich vor allem eines: Ich stelle mich und meine Werte über sie. Und eine der praktisch unabdingbaren Folgen dieser Abwertung der anderen ist: Kontaktabbruch. Das wiederum vernichtet das einzige Mittel, das zu einer Veränderung führen kann, wenn überhaupt. Und damit habe ich als Aktivistin oder Aktivist, die oder der gegen einen Feind kämpft, aktiv dazu beigetragen, dass sich die Situation verhärtet oder gar eskaliert. Denn egal, wie unbewusst oder bewusst, egal, wie weit oder wenig weit ein Mensch entwickelt ist, er wird in der Regel eines tun, wenn man ihn abwertet: Er wird sich wehren – oder auch nur mit Trotz reagieren.

Nur eine kleine Nebenbemerkung: Die Haltung „Der andere kann/weiß es nicht besser“ führt übrigens genau zum gleichen Ergebnis. Es ist strukturell dasselbe, nur noch subversiver und damit schwieriger zu entdecken. Vor allem bei sich selbst. Es ist eine anscheinend wohlwollende Abwertung des Gegenübers, die eine Richtigstellung durch das Gegenüber praktisch unmöglich macht. Aber wer gesteht sich schon gerne Überheblichkeit ein, wenn er doch nur Gutes tun will?

Wenn Sie sich dabei erwischen, wie Sie gerade einen oder mehrere andere Menschen zu Feinden gemacht haben, dann könnte der innere Teil des Aktivismus darin bestehen, sich voll einzugestehen, dass in der Situation, die man ändern möchte, tatsächlich alle Beteiligten ihr Bestes tun und keiner Böses will. Das macht eine Einordnung eines Teils der Beteiligten in die Kategorien „Schuldig“, „Schlecht“, „Unbewusst“ oder „Böse“ praktisch unmöglich. Was dann passieren könnte, ist, dass Sie sich eingestehen müssen, dass Sie eben einer von vielen sind und Ihr Aktivismus genau aus einer Quelle gespeist ist: aus Ihren Bedürfnissen. Egal, mit wie viel anderen Sie diese Bedürfnisse teilen. Und dass Sie für jede im Außen von Ihnen initiierte Aktion eben die volle Verantwortung übernehmen müssen. Zumindest vor sich selbst. Sie müssten eventuell ankommen lassen, dass Sie allein sind mit Ihrer persönlichen Entscheidung, welche Aktionen Sie im Außen starten, selbst wenn noch so viele andere Menschen die gleiche Aktion mit Ihnen starten. Das kann unangenehm werden, weil jede Form von „Recht haben“ wegfällt, eben weil es keine objektive Wahrheit mehr gibt.

Und natürlich tut das gängige (postmoderne) Wertesystem, das eine solche Selbstbezogenheit als Egoismus abtut, seinen Teil dazu, die eigenen individuellen Bedürfnisse nicht als eigentliche Quelle von Handeln im Außen zu erkennen und anzuerkennen. Nein, es müssen schlechter gestellte, wehrlose, bedrohte Menschen (oder Tiere bzw. Pflanzen) sein – oder gar ein ganzer Planet, der sich anscheinend nicht allein retten kann – womit das eigene Handeln gerechtfertigt wird. Die subtile Bewertung, die darin verborgen liegt, sorgt sehr oft für eine Verhärtung der Situation, deren Veränderung ja eigentlich das Ziel des Aktivismus im Außen ist.

Wenn nur genügend …

Eine weitere Form der Reduktion einer Situation auf die Ich-Aspekte ist die Hoffnung, dass nur genügend viele Menschen etwas einsehen, tun oder ändern müssen, damit sich eine Situation verbessert. Die Idee der kritischen Masse also. „Es müssten nur alle auf unnötige Flüge verzichten, damit der CO2-Ausstoß sich verringert“, ist ein aktuelles solches Beispiel. Und der Versuch über Ticketsteuern im Inland Flüge zu reduzieren, ist nichts anderes als die Umsetzung dieser reduktionistischen Hoffnung durch eine Wir-Außen-Instanz, nämlich den Staat.

Um sich dem zu nähern, müssten wir uns an dieser Stelle genauer damit beschäftigen, was ein Wir ist, was ein Ich ist und wie die Interaktion zwischen diesen zwei diametral unterschiedlichen Erscheinungsformen des Lebens aussieht. Das würde hier aber zu weit führen. Dennoch im Folgenden der kurze Versuch, sich dem in einem so kurzen Text anzunähern.

Nehmen wir als Beispiel für diese vollkommen unvollständige Erklärung der Ich-Wir- Interaktion den Klimawandel. Der Klimawandel an sich hat keine Ich-Instanz. Ich kann mich nicht mit dem Klimawandel an einen Tisch setzen und reden. Und dennoch gibt es ihn. Er ist etwas sehr Reales. Manche von uns bekommen ihn im täglichen Leben deutlicher zu spüren, manche weniger deutlich. Der Teil der Gesellschaft, der sich des Klimawandels bewusst ist, ist ein weiteres Wir. Und in diesem Wir gibt es eine Übereinkunft, die da lautet: Wir müssen etwas tun, um den Klimawandel aufzuhalten. Wohlgemerkt: „Wir“. Aber wie „handelt“ ein Wir? Sehr unvollständig beschrieben: indem die Individuen, die sich diesem Wir zur Verfügung stellen, im Sinne des entsprechenden Wir handeln. Letzten Endes – wie oben schon beschrieben – ist es aber eine Einzelentscheidung, ob ich mich den Lösungen, die ein Wir (in einem Prozess, den viele Individuen und weitere Wir-Formen, wie etwa die Presse) entwickelt, anschließe und sie dann als Individuum umsetze. Also, ob ich zum Beispiel beschließe, dass ich nächstes Jahr nicht nach Portugal fliege auf diese unglaublich wichtige Fachkonferenz. Denn ein Teil der Lösung, den Klimawandel aufzuhalten, ist es, auf unnötige Flüge zu verzichten. Was jedoch nötig oder unnötig ist, liegt komplett im Ermessen des Einzelnen. Dieses Ermessen bzw. diese Entscheidung wird in der Regel von den Bedürfnissen einer oder mehrerer kleinerer Wir-Formen bestimmt, zum Beispiel der Familie, die zu ernähren ist, dem beruflichen Weiterkommen usw. Die Entscheidung mit Folgen in einem Welt-zentrischen Wir wird also notgedrungener Weise mit den Werten eines clan- oder ethnozentrischen Bezugsrahmens gefällt. Und plötzlich findet man sich in einer Verhaltensweise wieder, die ein „Feind-Wir“ unterstützt (den weltzerstörenden Kapitalismus zum Beispiel) und findet auch noch Begründungen dafür im eigenen Bezugsrahmen.

Wie eingangs erwähnt: Dies ist eine unvollständige Erklärung. Aber es ist den Versuch wert. Zusammengefasst heißt das: Ja, es gibt Menschen, die entscheiden und handeln. Das tun sie in der Regel immer als Individuen, jedoch (meist unbewusst und nicht selbstgewählt) als „Mittragende“ einer bzw. in der Regel sehr vieler Wir- Formen. Ein Großteil der Entscheidungen ist geprägt vom Wir, in dessen Dienst sie sich (bewusst oder unbewusst) gestellt haben. Und es ist noch nicht einmal so, dass die meisten von uns eine Wahl hätten, bei welchen Wir-Formen sie als Träger agieren. In viele sind wir hineingeboren oder unbewusst hineingewachsen. Aber das ist nochmal ein ganz anderes Thema.

Die Aussage „Es müssten nur genügend Menschen ...“ geht von einer Wirklichkeit aus, die es so nicht gibt. Nämlich der Idee, dass sich ein Individuum frei und unabhängig von den Wir-Formen, deren „Träger“ es ist, entscheiden kann. Das ist nicht der Fall. Ein Wir, das sich durch einen seiner Träger in seiner Existenz bedroht fühlt, findet (wieder über andere Träger dieses Wir) eine Möglichkeit, die „gefährlichen“ Träger entweder zu maßregeln oder auszuschließen. Im Beispiel der Konferenz in Portugal wäre das: „Wenn ich da nicht hinfliege, verliere ich den Anschluss an die Fachwelt.“ Klingt nach einer individuellen Entscheidung. Der Bezugsrahmen ist jedoch ein Wir. Und schon bin ich wieder auf Linie...

Für den inneren Aktivismus könnte die Aufgabe darin bestehen, ankommen zu lassen, dass die Idee der kritischen Masse nur dann funktioniert, wenn ich ein entsprechendes, neues Wir gründe. Also einen sinn- und sicherheitsgebenden Bezugsrahmen finde oder schaffe, in dem Menschen als Träger dieses Wir ihr Verhalten ändern können. Und zwar ohne dabei existenzielle Sorgen und Ängste zu haben, durch ihr Verhalten aus den großen und kleinen Wir-Formen herauszufallen, deren Träger sie sind und die ihnen Sinn und Sicherheit geben.

Das ist – wenn Sie es ganz ankommen lassen – eine unlösbare Aufgabe. Denn die schiere Fülle an schon existierenden Wir-Formen, derer sie sich zuerst bewusst werden müssen, diese dann in ihrer Schönheit, Geschichte und Komplexität (und damit auch Macht) anerkennen müssen, dann die Bedürfnisse all ihrer Träger erkennen und verstehen müssen, um dann mit dieser eh schon untragbaren Fülle an Informationen im Außen aktiv zu werden, scheint praktisch unmöglich.

Das ist aber auch nicht der Anspruch. Der Anspruch eines inneren Aktivismus ist der, sich dabei zu erwischen, wie die Hoffnung entsteht, dass nur genügend Menschen ihr Verhalten ändern müssten, und dann im Inneren den oben genannten Weg einzuschlagen. So gut und so weit das eben für Sie möglich ist. Und sich dann nicht frustrieren zu lassen, sondern eben trotzdem im Außen aktiv zu werden. Durch den inneren Weg hat sich nämlich unter anderem der Ort, an dem die Aktivitäten im Außen Gestalt annehmen, schon geändert. Und damit auch die Aktivitäten selbst.
Und wenn Sie dabei auf eigene Schatten stoßen? Umso besser. Deren Bearbeitung ist auch Teil des inneren Aktivismus.

Die Falle der Perspektivenreduktion

Wenn wir überhaupt über Aktivismus reden oder in den Dialog treten wollen, dann ist eine Sache von unabdingbarer Wichtigkeit: die Perspektive, aus der heraus wir darüber reden oder nachdenken. Dabei gibt es immer mindestens zwei Perspektiven, meistens jedoch mehr. Die zwei Perspektiven, die immer dabei sind, ist die Erste- Person-Perspektive (Ich sehe/erlebe etwas bzw. handle) und die Dritte-Person- Perspektive (die Draufsicht).

Aus der Erste-Person-Perspektive und in der Aussage über sich selbst und den eigenen Aktivismus wird es bei einem Großteil der Menschen – auch bei denen, gegen deren Haltung oder Verhalten sich unser Aktivismus richtet – einen Konsens geben: „Ich will die Welt verbessern und ich tue es so gut ich kann und mit den Mitteln, die mir zur Verfügung stehen und die ich vertreten kann“. Dagegen lässt sich wenig sagen. (Und nein, das hier wird keine relativistische, postmoderne Argumentationskette, die begründet, weswegen eigentlich alle Menschen gut sind. Lesen Sie weiter!)

Spätestens bei der Frage, was denn „verbessern“ in der oben genannten Aussage bedeutet, vermischen sich aber die Erste- und die Dritte-Person-Perspektive. Denn wenn ich nicht in einer präkonventionellen Ich-Entwicklungsstufe stecken geblieben bin (in der es noch nicht einmal die Trennung zwischen mir und der Welt gibt, sondern ich die Welt bin), dann gibt es in meinem Erleben mich und andere Menschen. Und eine Verbesserung ist dann nicht nur eine Verbesserung für mich, sondern immer auch eine Veränderung für andere. Wenn ich zum Beispiel die Werte der grünen Meme teile, schaffe ich optimaler Weise eine Verbesserung für alle, aber zumindest für die, von denen ich überzeugt bin, dass es ihnen schlechter geht und sie sich nicht selbst helfen können.

Damit wird deutlich, dass ich in einer Situation nur dann „aktiv“ werden kann, wenn ich zumindest implizit eine Draufsicht habe, weil ich sonst nicht in der Lage bin, Kriterien für eine Verbesserung der Situation zu finden. Also sind es zumindest intersubjektive Kriterien, die ich aber nur aushandeln kann, wenn ich in der Dritte- Person-Perspektive – also in der Draufsicht – über die Werte und die Situation rede und nachdenke. Dabei spielt es keine Rolle, ob all das bewusst oder unbewusst geschieht, oder etwa, ob ich die Kriterien, die ich mir zu eigen gemacht habe, für intersubjektiv oder gar objektiv – also allgemeingültig – halte.

Wenn ich eine der beiden Perspektiven weglasse, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich nicht mehr aktiv werde. Weswegen? Nun, ohne Dritte-Person-Perspektive gibt es keinen Maßstab dafür, was Verbesserung bedeutet, und damit keine „Richtung“ für meinen Aktivismus. Und wenn ich die Erste-Person-Perspektive weglasse, könnte die Motivation verlorengehen, überhaupt zu handeln. Oder der innere „Ort“, an dem die Handlungsimpulse für Aktivismus entstehen, ist weg.

Die Trennung von „Ich handle“ (immer nur aus der Erste-Person-Perspektive möglich) und „Ich beziehe mich auf intersubjektive Kriterien, mit denen ich mein Handeln vor mir und anderen rechtfertige“ (immer nur in einer Draufsicht, also Dritte- Person-Perspektive, möglich, egal, ob bewusst oder unbewusst) ist ein Unding, denn sie ist nicht lösbar. Und die Falle, die sich darin verbirgt, ist die der Perspektivenreduktion. Also im inneren Erleben einfach beide Perspektiven zu einer zu machen und aktiv zu werden mit dem „Gefühl“, das Richtige zu tun, ohne sich bewusst zu machen, wo dieses Gefühl herkommt und dass es auf einer Polarität von mindestens zwei Perspektiven beruht.

In einer Parallelbewegung von innerem und äußerem Aktivismus würde das bedeuten: Handeln im vollen Bewusstsein, dass es ein Bewertungssystem ist, das mein Handeln bestimmt, und dass dieses Bewertungssystem immer nur intersubjektiv ist. Das könnte unangenehm sein, weil ich die absolute Idee von „das Richtige tun“ aufgeben müsste. Wenn ich die zwei – oder eben noch mehr – Perspektiven im Inneren als getrennt und konkurrierend bzw. nicht gleichzeitig möglich „halten“ kann, fällt der sichere und absolute Rahmen für die Begründung der eigenen Handlung zwar weg, aber es entsteht Raum für Sichtweisen und Handlungsideen, die in einem linearen und konfliktfreien inneren Raum nicht entstehen würden. Und ein weiteres Mal besteht der Anspruch nicht darin, das perfekt umzusetzen, sondern vor allem darin, überhaupt zu erkennen, dass ich gerade mehrere Perspektiven auf eine reduziere. Bestenfalls folgt dann eine innere Auseinandersetzung, jedoch ohne, dass sich das Handeln im Außen dadurch auflöst. Was uns auf die nächste Frage/Falle bringt.

Die „Wenn-dann“-Falle

Eigentlich ist die Sache recht einfach und geradlinig: Mir (oder uns) gefällt eine Situation im Außen nicht. Wir finden Kriterien, anhand derer wir erkennen, ob sich eine Situation verbessert hat. Wir analysieren die Situation, die uns nicht gefällt. Wir sammeln Ideen, welche Aktionen die Situation in die entsprechende Richtung verändern könnten. Wir entscheiden, welche Aktion wir umsetzen, und dann setzen wir sie halt um.

Das ist eine sehr knappe, strukturelle Beschreibung von klassischem Aktivismus. Selbst wenn den entsprechend aktiven Menschen dieser Ablauf (der nicht linear ablaufen muss) nicht bewusst ist: Das Prinzip bleibt das gleiche. Natürlich ist Ihnen sofort aufgefallen, dass Aktivistinnen und Aktivisten andauernd in einer Perspektive sind, nämlich der Außen- bzw. Draufsicht. Der Dritte-Person-Perspektive also. Und das gilt auch, wenn all das bei einem einzelnen Individuum im Innen entsteht. Es bleibt die Draufsicht. Die Annahme, die dem zugrunde liegt, ist: Es gibt ein Ziel des Aktivismus (Objekt), es gibt einen oder mehrere, die handeln (Subjekte), und es gibt Kausalzusammenhänge (Wenn ich das tue, dann passiert das).

Nun, leider funktioniert die Welt so in großen Teilen nicht. Wenn sie das würde, bräuchten wir außer den Newton‘schen Gesetzen keine weiteren Regeln. Und selbst das, was die Kybernetiker in den 80er Jahren und die ihnen folgenden Komplexitätsforscher gemacht haben, unterscheidet sich davon strukturell nicht. Die Idee und die Hoffnung, die sich dahinter weiterhin verbergen, sind sehr oft: Wenn ich die Situation und die Zusammenhänge nur genau genug verstehe, dann kann ich gezielt etwas verändern. Also ein weiterer Kausalzusammenhang. Die Idee der Steuerbarkeit.

Es gibt viele Gründe, weswegen das höchst wahrscheinlich nicht funktionieren wird. Ich nenne an dieser Stelle nur einen, und auch nur, um exemplarisch zu zeigen, mit was ich es im Innen zu tun haben könnte (egal, ob bewusst oder unbewusst), wenn ich im Außen aktiv werden will.

Es ist die Sache mit dem Subjekt und dem Objekt. Um eine Situation gezielt zu verändern, brauche ich Bewertungskriterien. Schon allein, um danach überprüfen zu können, ob die Veränderung nun etwas gebracht hat oder nicht. Viele von uns sind natürlich nicht so strukturiert in der Welt, das bewusst und in dieser Form zu durchdenken. Und dennoch bleibt die Frage nach einer oder mehreren Aktionen: Hat das was gebracht? Die Sache ist nur die: In dem Moment, in dem ich in einer Situation aktiv werde, mache ich mich zum Teil der Situation. Ich werde also vom Subjekt zum Teil des Objekts. Damit gibt es meine Draufsicht nicht mehr. Und in dem Moment, in dem ich Teil der Situation bin, werde ich mich mit der Situation verändern. Ich werde lernen, ich werde im Kontakt mit anderen sein und mein Weltbild (und damit mein Innen) wird sich verändern. Vielleicht nur minimal, aber es wird sich verändern. Wenn ich danach die Frage stelle, ob meine Aktion etwas gebracht hat, stellt diese Frage nicht mehr derselbe Mensch, der die Aktion geplant und initiiert hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich mit meinem Innen auch die ursprünglichen Bewertungskriterien geändert haben, ist sehr hoch. Meistens passiert das unbewusst, denn der innere Prozess spielt bei einem rein äußeren Aktivismus ja erstmal eine untergeordnete Rolle. Damit ist die Idee des „Wenn..., dann...“ natürlich hinfällig, weil ich meine Veränderung im Innen nicht mit in Betracht gezogen habe.
Die ist nämlich leider nur bedingt steuerbar, weil sie in einer ständigen, nicht linearen Wechselbeziehung zwischen Ich und Wir und zwischen Innen und Außen steht.

Und selbst wenn ich meine eigene Transformation entweder als Teil meines Aktivismus erlebe oder sie gar zum Ziel meines Aktivismus mache, ändert sich strukturell nichts. Es gibt weiterhin eine Draufsicht und damit eine innere Instanz, die diese Draufsicht hat. Das Subjekt bleibt also erhalten und damit die Draufsicht und die Hoffnung auf Kausalzusammenhänge im Sinne von: Wenn ich das und das tue, dann wird das und das passieren. Und es bleibt die Hoffnung auf „neutrale“ Bewertungskriterien.

Auch hier bestünde der innere Teil des Aktivismus zum Beispiel darin, sich dieser Draufsicht und der Hoffnung auf Steuerbarkeit bewusst zu werden. Einen Schritt weiter würden Sie gehen, wenn Sie ankommen lassen, dass das Geschäft mit der Verbesserung und der gezielten Entwicklung zumindest ein hochgradig schwammiges, wenn nicht gänzlich unmögliches ist. Noch einen Schritt weiter wären Sie, wenn Sie sich an dieser Stelle radikal sich selbst zuwenden und nach den Hoffnungen und Bedürfnissen suchen, die mit all dem verbunden sind. Das können sehr unterschiedliche Hoffnungen und Bedürfnisse sein. Der Wunsch nach Angebundensein, das Bedürfnis nach Sicherheit, Sinn oder Wirksamkeit, oder der Wunsch, gesehen und geliebt zu werden, sind nur einige von vielen.

Und an dieser Stelle wieder: All das geschieht nicht anstatt des äußeren Aktivismus, sondern in einer sich gegenseitig befruchtenden Parallelbewegung. Das ist zumindest die Idee.

Die Werkzeug-Falle

Eine Ausprägung der oben genannten „Wenn-dann“-Falle ist die der Analyse- und Lösungswerkzeuge. Nehmen wir als Beispiel den integralen Ansatz. Er eignet sich hervorragend, um Situationen, die verbesserungswürdig sind, in ihrer ganzen Komplexität zu erkennen. Und natürlich auch dazu, passendere Handlungsansätze zu entwickeln. Es gibt schon jetzt sowohl im betrieblichen Kontext als auch in der NGO-Arbeit und der Einzelberatung zahllose Methoden, Situationen anhand des integralen Ansatzes zu bewerten, zu analysieren und neue Handlungsansätze zu entwickeln. Das ist wunderbar. Und es ist Teil des äußeren Aktivismus. (Nur als kurze Nebenbemerkung: Ich zähle dazu auch all die Methoden, die sich auf Wir-Prozesse stützen, auf Zustandserfahrungen, auf Intuition und auf all die anderen Aspekte, die – zum Glück – in den letzten 20 Jahren salonfähig geworden sind. Auch dann, wenn sich beim Anwenden dieser Methoden das Innen im Ich und im Wir mit verändert). Hinter all diesen Vorgehensweisen steckt weiterhin die Hoffnung, mit der entsprechenden Methode (also dem Werkzeug) eine Situation gesteuert zu verbessern. Selbst wenn in einer Methode der Ursprung einer möglichen Lösung in der Wahrheit des Moments und der Situation gesucht wird – was einige der Ansätze tun, indem sich eine Gruppe in den „Dienst“ der Situation stellt.[1] Auch wenn ich mich wiederhole: Das alles sind hilfreiche Entwicklungen im äußeren Aktivismus. Aber all diese Entwicklungen werden eben weiterhin als „Werkzeuge“ fürs Handeln im Außen eingesetzt, egal, wie neu oder gar revolutionär sie sind.

Was heißt das für den inneren Teil des Aktivismus? Jeder Ansatz – und in unserem Beispiel ist das der integrale – hat immer auch einen Ich-Innen-Aspekt. Und der innere Aktivismus in der Arbeit mit solchen Ansätzen besteht darin, das eigene Erleben der Situation anhand des Ansatzes zu erweitern und bestenfalls transformieren zu lassen. Und zwar in der radikalsten Form, indem ich dabei nichts anderes tue, als mich und mein Erleben der Welt zu verändern. Ohne das „heimlich“ zu tun, um dann im Außen wirksamer sein zu können. Ein weiterer Schritt könnte sein, sich der Idee hinzugeben, dass alle Handlungsansätze und Aktionen, die von einem so veränderten Innen ausgehen, eh schon integral sind (oder eben dem Ansatz entsprechen, den ich gewählt habe). Die Idee ist also, sich selbst anhand des entsprechenden Ansatzes zu „schärfen“, sich transformieren zu lassen und damit selbst zum Werkzeug zu machen. Das erfordert Mut, denn einmal mehr kann es sein, dass Dinge an diesem inneren Ort entstehen, die ich nicht anhand des Ansatzes (in unserem Fall des integralen Ansatzes) im Außen „verargumentieren“ kann. Und es erfordert das Vertrauen, dass der innere Aktivismus ins Außen strahlen wird. Und all das natürlich immer zusätzlich zum Einsatz des entsprechenden Ansatzes als Werkzeug im Außen, nie stattdessen.

Zustandserfahrungen und universelle Wahrheit

Bei allen bisher genannten Fragestellungen und Aspekten habe ich mich an die „grobstoffliche“ Welt gehalten. Also die Wirklichkeit, die ein Großteil von uns im Wachzustand teilt. Und dort – so meine Behauptung – findet Veränderung statt, weil sich einer oder in der Regel mehrere Menschen darauf einigen, dass eine bestimmte Situation so nicht tragbar ist. Sie stützen sich damit also auf eine intersubjektive Bewertung der Situation.

Nun ist die grobstoffliche Welt aber für viele von uns nicht die einzige Wirklichkeit, in der wir uns bewegen. Da gibt es auch noch andere Zustände. Ich will hier kurz auf eines von vielen Dilemmata eingehen, die sich daraus ergeben könnten. Zuerst: Klassischer Aktivismus findet in der grobstofflichen Welt statt. Sonst ist es kein klassischer Aktivismus. Dazu gehört es auch, Menschen dazu zu bewegen, Erfahrungen in anderen Zustandsebenen zu machen. Denn den Rahmen, den ich dafür schaffe (zum Beispiel kostenlose Retreats), schaffe ich in der Regel in der grobstofflichen Welt, auch wenn das Ziel meines Aktivismus eine andere Zustandsebene ist.

Auf was die meisten von uns stoßen, wenn wir direkte Erfahrungen anderer Zustände machen, sind so etwas wie universelle Wahrheiten. Sie sehen, ich zögere schon, sie einfach nur „universelle Wahrheiten“ zu nennen, weil genau darin ein sehr großes Dilemma liegt. Was ist dieses Dilemma?

Selbst wenn wir uns darauf einigen, dass diese universellen Wahrheiten in den entsprechenden Zuständen tatsächlich universell sind – also für alle und alles gelten, wovon ich unter anderem auf Basis von Schriften und Berichten von Mystikern ausgehe – sind es Wahrheiten, die in einem Zustand erfahren werden, der eben nicht der Grobstoffliche ist. Teilen und mitteilen lassen sich diese Wahrheiten dann – „zurück“ im grobstofflichen Zustand – zwar schon, aber ankommen tun sie eben nur bei denen, die solche oder ähnliche Erfahrungen selbst gemacht haben. Und damit ist eine universelle Wahrheit aus irgendeinem anderen Zustand als dem Grobstofflichen leider in der grobstofflichen Welt nichts anderes als intersubjektiv.

Das ist bitter! Vor allem für das grobstoffliche Alltags-Ich, auch Ego genannt, das zwar einen Geschmack der Absolutheit der Wahrheit bekommen hat, aber in seiner Wirklichkeit, also in der Grobstofflichkeit, nichts damit anfangen kann, eben weil es hier keine objektive Wahrheit mehr ist.

Schade, denn eine objektive oder gar universelle Wahrheit wäre natürlich die ultimative Grundlage für jede Form von Aktivismus im Grobstofflichen. Und genau darin bestehen die Verlockung und die Falle von Erfahrungen universeller Wahrheiten aus anderen Zuständen als dem grobstofflichen. Ein Individuum, das in der grobstofflichen Welt die absolute, objektive Wahrheit für sich in Anspruch nimmt, wird in der Regel von denen, die diese Wahrheit nicht erfahren haben, vor allem als eines erlebt: als größenwahnsinnig, übergriffig und anmaßend. Oder eben gleich als wahnhaft.

Wenn ein spiritueller Weg (und wer Ken Wilbers Buch ‚Integrale Spiritualität‘ gelesen hat, weiß, warum ich dieses Wort nicht mag, aber für einen so kurzen Text eben verwenden muss) Teil des inneren Aktivismus ist, dann ist ein weiterer Schritt sicher der, zu erkennen, wann man universelle Wahrheiten aus anderen Zuständen in der grobstofflichen Wirklichkeit für allgemeingültig erklären möchte. Und ein weiterer Schritt wäre, sich einzugestehen, dass diese Wahrheiten zwar ein sehr starker Antrieb für den eigenen Aktivismus in der grobstofflichen Welt sein können, sie dort aber eben hochgradig subjektive Wirklichkeiten sind. Oder eben – wie es im integralen Ansatz beschrieben ist – jede Zustandserfahrung immer nur im Rahmen der eigenen Entwicklung im grobstofflichen Zustand interpretierbar sein wird.

Evolution und Entwicklung

Ähnlich verhält es sich mit Evolution und Entwicklung. Und nachdem ich ein Freund des integralen Modells bin, spielt auch das eine Rolle bei der Frage nach dem inneren Aktivismus. Denn mit allem, was ich bisher geschrieben habe, komme ich nicht umhin, zumindest kurz anzusprechen, was die Folgen der Idee von persönlichem Wachstum für den inneren Aktivismus sind.

Kurz gesagt: Selbst, wenn ich weiter bin als andere und mir bewusst bin, dass die Missstände, die ich ändern will, hervorgerufen werden durch Individuen und Wir- Formen, die weniger weit entwickelt sind als ich, ändert das an allen schon angesprochenen Aspekten des inneren Aktivismus gar nichts. Schlimmer noch: Es macht den inneren Aktivismus noch aufwendiger und gleichzeitig noch wichtiger, weil ich im Außen noch schneller an Grenzen stoße. Und zwar nicht an meine, sondern an die der Wirklichkeit derer, die „weniger“ weit sind.

Dazu muss ich kurz skizzieren, was „weiter“ bzw. „weniger weit“ für mich bedeutet: Zwei Menschen erleben die Welt. Der eine kann dem anderen sein Erleben beschreiben oder anderweitig nahebringen. Wenn der andere das Erleben des einen nachvollziehen und in sein eigenes Erleben integrieren kann, ohne es zu bewerten, dann ist er entweder genauso weit oder weiter. Weiter ist er dann, wenn das Ganze zwar in die eine Richtung funktioniert, nicht jedoch in die andere. Also: Das Erleben des einen ist im Erleben des anderen „enthalten“, nicht jedoch umgekehrt. Das ist eine stark vereinfachte Darstellung. So stark vereinfacht, dass es mir schon fast schwerfällt, es in dieser Form zu beschreiben. Aber das Prinzip wird hoffentlich klar. Diese Sicht hat nämlich gleich mehrere Konsequenzen für den inneren Aktivismus.
Zwei davon nachfolgend als kurze Skizze:

Die Aktionen, die der Mensch, der weiter ist, in die Welt bringt, werden beim anderen, der weniger weit ist, nicht nur auf Gegenwehr stoßen (das kann in beide Richtungen der Fall sein), sondern sie sind für den, der weniger weit ist, schlichtweg nicht nachvollziehbar. Bisweilen wird Letzterer sie deswegen als feindselig, gewalttätig oder gar bedrohlich empfinden, auch wenn sie nicht so intendiert sind. Im inneren Aktivismus spielt das eine große Rolle, weil mit der Überzeugung, weiter zu sein, eben auch die Verantwortung einhergeht, die sich daraus für den anderen ergibt, der (anscheinend) nicht so weit ist. „Weiter sein“ kommt um den Preis von deutlich mehr Verantwortung. Nicht allerdings mit der Berechtigung, für andere zu entscheiden. Dabei geht es im inneren Aktivismus vor allem zuerst darum, eben dies und den daraus entstehenden inneren Konflikt für sich zu erkennen und anzuerkennen.

Außerdem zeigt diese Beschreibung von „weiter sein“, dass es keine Sicherheit gibt, dass hinter Aktionen anderer, die man selbst als unangebracht empfindet, nicht ein Welterleben steckt, das deutlich „weiter“ ist als das eigene. Auch das zu hinterfragen, ohne das eigene Erleben infrage zu stellen, ist ein Teil des inneren Aktivismus. Eben: sein Bestes tun, davon ausgehen, dass auch der andere sein Bestes tut, und die Sicherheit aufgeben, dass man selbst weiter ist und deswegen „das Bessere“ tut. Die Tatsache, dass Menschen in unterschiedlichen Aspekten ihrer Existenz unterschiedlich weit sein können (Stichwort Linien, Stufen und die integrale Adresse) macht die Sache leider noch komplexer und den inneren Aktivismus noch anstrengender.

Weitere Aspekte des inneren Aktivismus

Es gibt noch viele weitere Aspekte, die den inneren Aktivismus betreffen; also das „Ringen“ um eine innere Haltung, die so wenig wie möglich reduziert oder absolute Wirklichkeiten schafft. Und das immer mit dem Bewusstsein, dass jeder Schritt im Innen das Handeln im Außen ein bisschen schwieriger macht. Als Anregung möchte ich noch einige Beispiele in Form von Fragen benennen, ohne näher darauf einzugehen. Wie bei den oben etwas ausführlicher angesprochenen Aspekten des inneren, unsichtbaren Aktivismus gilt auch hier: Die Idee ist nicht innerer Aktivismus statt äußerer Aktivismus. Die Idee ist beides gleichzeitig. Hier die Fragen:

Wann habe ich die Situation genügend durchdrungen, um mit meiner Aktion tatsächlich eine Chance auf die „richtige“ Veränderung zu haben? Kann ich mit den Konsequenzen leben, wenn ich aktiv werde, obwohl ich mir bewusst bin, dass ich eine Situation noch nicht genügend durchdrungen habe, das Gefühl der Dringlichkeit aber zu hoch ist, als dass ich mein Handeln noch aufschieben könnte? Reden andere Aktivistinnen und Aktivisten und ich über das Gleiche oder suche ich nur Verbündete und Gleichgesinnte, weil es meinen äußeren Aktivismus erleichtert, um den Preis, dass wir eigentlich verschiedene Ziele verfolgen? Was mache ich mit der Erfahrung des Scheiterns? Erkenne ich Scheitern als Teil meines Weges im Aktivsein an oder ziehe ich mich irgendwann auf den reinen inneren Aktivismus zurück? Was mache ich, wenn nach persönlicher Schattenarbeit, ausgelöst durch inneren Aktivismus, ein Teil meiner Motivation für Aktionen im Außen verflogen ist? Wem helfe ich wirklich mit meinem Aktivismus? Wem nehme ich durch meinen Aktivismus und die damit verbundene Unterstützung die Chance auf seinen eigenen Entwicklungsprozess? Kann ich damit leben, dass mir eventuell die Haltung entgegengebracht wird: „Du tust zu wenig!“, wenn ich den inneren Anteil am Aktivismus erhöhe und damit weniger Kapazitäten für Aktionen im Außen habe?

Und was bedeutet das jetzt in der Praxis?

Für viele mag all das sehr theoretisch und verkopft klingen. Für mich ist es das Gegenteil. Die Welt, die mir (und nur mir) immer zugänglich ist, ist mein Inneres. Und, ob ich will oder nicht, ist genau das der Ort, an dem Handlungsimpulse entstehen, die dann ins Außen wirken. Diese Welt zu erforschen und sich den unangenehmen Seiten zu stellen, ist für mich das Praktischste, das ich mir vorstellen kann. Wie will ich denn eine Situation im Außen verbessern, wenn ich nicht auch am einzigen Aspekt ansetze, über den ich (hoffentlich) die Hoheit habe? Mein Innen.
Mein Erleben. Und wenn ich dort auf Schatten, Krisengebiete, Unterdrückung, Ungerechtigkeit, Hass, Krieg, Leid, Verletzungen, Schmerz, Bedürfnisse und Unsicherheit stoße: Welche Hilfe bin ich dann für andere im Außen, wenn ich all das im Innen nicht erkenne, anerkenne und angehe? Wie aber soll ich all dem im Innen je begegnen, wenn ich nicht durch Tun und Kontakt im Außen immer wieder darauf gestoßen und dadurch auf all die „Missstände“ im Innen aufmerksam werde?

Letzten Endes ist es im Außen eventuell ein „trotzdem Tun“, wie es der amerikanische Lehrer Lawrence Noyes bezeichnet. Denn der Weg, der sich ergibt, wenn man Aktivismus als eine Parallelbewegung von innerem und äußerem Aktivismus lebt, hat unter anderem zur Folge, dass klare Positionen verschwimmen, dass der Glaube an Kausalzusammenhänge verlorengeht und dass bewusstes Tun immer auch schon Scheitern ist; also all die Dinge nicht mehr sicher sind, die eigentlich die Voraussetzungen für klassischen Aktivismus im Außen sind. Und dieser Weg ist höchstwahrscheinlich für die meisten von uns vor allem eines nicht: leicht. Denn immer, wenn sich so etwas wie Sicherheit einstellt, könnte es ein Spiegel dafür sein, dass Sie gerade einer der oben genannten oder auch anderen Fragen und inneren Konflikten mit einer Antwort oder einer Lösung begegnen. Und die ist immer nur vorläufig. Im inneren Aktivismus begegnen wir uns. Also der- oder demjenigen, von dem aus Tun in die Welt kommt. Und wir erkunden und begegnen dem Ort, an dem der äußere Aktivismus seinen Ursprung hat, inklusive der eigentlichen Motivation für dieses Handeln im Außen.

Ein kleiner Hinweis zum Schluss

Der innere Aktivismus wird Sie unweigerlich auch an die unschönen Orte Ihres Innen bringen. Wenn Sie auf Ihrem Weg des inneren Aktivismus zum Beispiel an Punkte gelangen, an denen Sie sich alleine fühlen, frustriert, müde oder gar die Motivation verloren gegangen ist, im Außen aktiv zu werden, dann gibt es im Rahmen des inneren Aktivismus immer eine Möglichkeit eines nächsten Schrittes: all das wieder zum Ziel und Inhalt des inneren Aktivismus zu machen. Und wenn Sie sich selbst zum Beispiel mit der Haltung begegnen „Du tust zu wenig im Außen“, dann könnten Sie sich die Frage stellen, wer in Ihnen diese Bewertung macht und welches persönliche Bedürfnis eigentlich dahintersteckt. Und natürlich, ob ein Teil der bisherigen Aktionen im Außen nicht genau aus diesem, eventuell hoch persönlichen Bedürfnis entstanden ist. Auf diesem Weg begegnen Sie sich selbst. Eines gilt aber auf jeden Fall, egal, wem oder was auch immer Sie auf diesem Weg begegnen: Eine Sache, die durch inneren Aktivismus auf jeden Fall wachsen wird, ist das Maß an Freiheit, im Außen aktiv zu werden.

Anmerkung zum Thema „Ich und Wir“

Um es sehr einfach zu beschreiben: Eine Möglichkeit, die Idee eines „Wir“ leichter fassen zu können, ist die, sich ein Wir als ein Wesen mit eigenem Charakter, eigener Geschichte und eigenem Ausdruck vorzustellen. Allerdings hat dieses Wesen keine Ich-Instanz und kein Ich-Gefühl. Das genau macht es ja zu einem Wir. Sich ausdrücken und handeln kann ein Wir in erster Linie durch die Individuen, die sich in den Dienst dieses Wir stellen, also als „Träger“ des entsprechenden Wir agieren.
Ohne Individuen kein Wir, ohne Wir allerdings auch kein Ich-Gefühl für Individuen. (Also kein Kausalzusammenhang in der Interaktion zwischen Ich und Wir, sondern eine co-abhängige Koexistenz.) Wenn wir mit einem Menschen interagieren, ist dieser immer gleichzeitig ein Individuum und der Träger einer oder mehrerer Wir- Instanzen – hier im Text auch als „Wir-Form“ bezeichnet. Mehr dazu im entsprechenden Kapitel im Buch Am Ende der Machbarkeit.

 

[1] Die Idee der Co-Creation ist ein Beispiel für einen solchen Ansatz und gleichzeitig ein Beispiel dafür, dass das, was bei einem Wir-Prozess im Dienst einer Situation kreiert wird, eben immer auch von Individuen kreiert wird und nicht nur vom entsprechenden Wir durch dessen Träger. Und es werden in einem solchen Prozess immer Individuen fehlen, die auch Teil der Situation sind. Also ein weiteres Mal eine Reduktion, diesmal auf das Wir.

  

Weitere Informationen:



Thomas Tiller
Am Ende der Machbarkeit: Eine integrale Sicht
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: Books on Demand; Auflage: 1 (10. Dezember 2018)

 

Integrale Moderationsausbildung: www.integrale-moderation.de

 

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